Heft 09/2013, Seite 36 Recorded Music

Gosslar: „Bedarf bei seriösen Unternehmen”

 

Artikelausgabe

 
Heft 09 - 2013-03-01

Dieser Arktikel ist aus der Ausgabe:
09/2013



Ole Gosslar über seinen Weg zum Meister für Veranstaltungstechnik, die Jobaussichten für den Nachwuchs und schwarze Schafe in der Branche.

musikmarkt: Herr Gosslar, wieso haben Sie sich für eine Ausbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik entschieden?
Ole Gosslar: Ich habe jahrelang bei diversen Produktionen immer wieder Dinge gesehen und miterlebt, die sich mir nicht erschlossen haben. Und da war es an der Zeit für mich, die Dinge besser zu verstehen und zu hinterfragen, um gegebenenfalls auch die Verantwortung für das Handeln anderer übernehmen zu können. Ganz wichtig war auch, dass es immer darum gehen muss, Veranstaltungen sicher durchzuführen und nicht darum, Veranstaltungen zu verhindern.

musikmarkt: Welche persönlichen Eigenschaften sind für einen Meister für Veranstaltungstechnik besonders wichtig?
Ole Gosslar: Ruhe ausstrahlen, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Konflikte auszufechten, aber auch Kompromisse zu tragen, Lernbereitschaft, Kreativität sowie Belastbarkeit.

musikmarkt: Was lieben Sie an Ihrem Job?
Ole Gosslar: Die niemals endende Denksportaufgabe, wie man Projekte im Sinne des Kunden, der Gesetze und natürlich des wirtschaftlichen Rahmens gut umsetzen kann.

musikmarkt: Und was hassen Sie daran?
Ole Gosslar: Dass es auch heute noch Firmen in unserer Branche gibt, die ihr Personal geplant auf 20- bis 24-Stunden-Jobs schicken und verheizen. Und das nur, um günstiger anbieten zu können.

musikmarkt: Lohnt der Verdienst den Aufwand?
Ole Gosslar: Das ist schwer zu beantworten, aber da ich Teilhaber bin, lohnt es sich natürlich. Aber es ist immer viel Arbeit und wenig Zeit für meine Frau und unsere zwei Töchter.

musikmarkt: Wieso haben Sie sich für diese Form der Ausbildung entschieden?
Ole Gosslar: Die Deutsche Event Akademie war auf Grund der Nähe zu meinem damaligen Wohnort Hannover ideal, ebenso war der Pool der Dozenten der beste, der zu finden war. Die Dozenten kamen von allen Seiten der Veranstaltungsbranche, sprich: Aufsichtsbehörden, Techniker, Designer und Wirtschaftsfachleute.

musikmarkt: Und wie würden Sie heute vorgehen, um ein erfolgreicher Meister für Veranstaltungstechnik zu werden?
Ole Gosslar: Ich würde allen empfehlen, erst einmal eine Ausbildung in einem elektrotechnischen Handwerksberuf zu absolvieren und dann Fachkraft für Veranstaltungstechnik zu werden. Wenn man dann nach ein paar Jahren Erfahrungen gesammelt und über den Tellerrand geschaut hat, ist die Ausbildung super. Ich denke, sich schon zwei Jahre nach der Ausbildung zum Meister weiterzubilden ist nicht schlau, aber gang und gäbe.

musikmarkt: Was fanden Sie rückblickend besonders positiv an Ihrer Ausbildung?
Ole Gosslar: Den hohen Grad an Informationen und Hintergrundwissen und dass ich heute noch Kontakt zu den Dozenten und Kollegen habe und wir im Austausch stehen.

musikmarkt: Und was hat Sie im Nachhinein gestört?
Ole Gosslar: Dass viele „Veranstaltungsverhinderer“ gezüchtet wurden.

musikmarkt: Wie sahen Ihre Berufsvorstellungen aus, bevor Sie in die Veranstaltungsbranche wollten?
Ole Gosslar: Ich wollte Elektrotechnik studieren, habe dies auch begonnen, aber dann festgestellt, dass das zu trocken für mich ist.

musikmarkt: Was sind Ihre Hauptaufgaben im Job?
Ole Gosslar: Ich koordiniere die Materialflüsse in der Firma und führe ein Team von Projektleitern, Technikern und Lageristen, um unsere Produktionen zu planen und durchzuführen. Ich kümmere mich um unsere IT und mache das Controlling für unsere Projekte.

musikmarkt: Wie sieht bei Ihnen üblicherweise ein Arbeitstag aus?
Ole Gosslar: Die Projektleiter und ich fangen unseren Arbeitstag in der Regel 30 Minuten früher im McCafé um die Ecke an – um den ersten Kaffee in Ruhe zu trinken und uns auszutauschen. Im Büro kümmere ich mich danach um Zumietungen für Produktionen, schreibe Rechnungen. Mit dem Lager bespreche ich, was nötig ist, um die Projekte „schlau“ abzuwickeln. Ich erstelle Zeichnungen mit Vektorworks, berechne Lastannahmen, um Hängepunkte auf den diversen Messen zu bestellen, um die Projekte durchzuführen. Wir legen Wert darauf, zur Mittagszeit gemeinsam essen zu gehen, um allen die Möglichkeit zu geben, auch mal abzuschalten.

musikmarkt: Wie schätzen Sie derzeit die Jobaussichten für Meister für Veranstaltungstechnik ein?
Ole Gosslar: Für seriös arbeitende Meister, die auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und diese auch einschätzen können, stehen die Sterne gut. Man muss sich positiv von der Masse absetzen..

musikmarkt: Wo und wie kann man als Meister für Veranstaltungstechnik Fuß fassen?
Ole Gosslar: Bei allen seriös arbeitenden Unternehmen ist der Bedarf an Meistern vorhanden. Also eventuell erst einmal als Techniker oder Projektleiter zeigen, was man kann, um dann auch als Meister gebucht beziehungsweise angestellt werden zu können.


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Zur Person: Ole Gosslar

Ole Gosslar wurde am 8. Juni 1974 in Heide (Schleswig-Holstein) geboren. Derzeit lebt er in der Nähe von Hannover. Er hat 2004, nach Besuch der Deutschen Event Akademie, erfolgreich die Meisterprüfung für Veranstaltungstechnik absolviert. Gosslar arbeitet als Produktionschef und Prokurist bei der exposive medien gruppe und hat unter anderem für Einstürzende Neubauten, die Festivals „Hurricane“ und „Wacken“ sowie für internationale Automessen gearbeitet.


Hintergrund: Meister für Veranstaltungstechnik

 Meister für Veranstaltungstechnik kümmern sich in führender Position um den reibungslosen Ablauf und die Sicherheit von Events. Dabei sorgen sie dafür, dass die Vorgaben der Auftraggeber erfüllt werden. Zur Tätigkeit gehört die Mitarbeit an der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen unter Einbeziehung der rechtlichen und sicherheitstechnischen Aspekte sowie der anfallenden Kosten. Der Meister für Veranstaltungstechnik zählt als berufliche Weiterbildung gemäß Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung. Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung gibt es bei Bildungseinrichtungen der Industrie- und Handelskammern und anderen Bildungsträgern.




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