Heft 09/2013, Seite 32 Recorded Music

„Abstraktes Denkvermögen, ein sehr gutes Ohr und genaues Arbeiten”

 

Artikelausgabe

 
Heft 09 - 2013-03-01

Dieser Arktikel ist aus der Ausgabe:
09/2013



SAE-Absolvent und Sounddesigner Paul Dutz über seinen Weg in die Branche, die dafür notwendigen Fähigkeiten und sein persönliches Wunschprojekt.

musikmarkt: Herr Dutz, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Sounddesigner zu werden?
Paul Dutz: Das war nicht wirklich eine bewusste Entscheidung, sondern eher ein fließender Übergang. Ich habe schon Ende der 90er Jahre immer wieder mit einem Fieldrecorder Sounds und Geräusche aufgenommen. Ein sehr guter Freund von mir, Robert „Сobster” Henke, war seit ca. 2006 Angestellter bei Audioforce Berlin und hat dort die Sprachaufnahmen und Sounddesigns für sehr große Werbeproduktionen geleitet. Mittlerweile ist er einer der gefragtesten Sounddesigner und Musikproduzenten. Ab diesem Zeitpunkt dachte ich mir: „Hey, das kannst du ja auch.” Und dann ging es schrittweise los, dass ich mir das benötigte Equipment wie Mikrofone, Computerprogramme wie Pro Tools zulegte und anfing, meine Sounddesign-Skills zu trainieren. Nachdem ich eineinhalb Jahre für Eastside Mastering Berlin gearbeitet hatte, habe ich mich entschlossen, als selbstständiger Musikproduzent und Sounddesigner zu arbeiten.

musikmarkt: Welche persönlichen Eigenschaften sind für einen Sounddesigner besonders wichtig?
Paul Dutz: Man muss schon über ein sehr stark ausgeprägtes abstraktes Denkvermögen verfügen, weil erst manchmal das Mixen von verschiedenen Geräuschen, das sogenannte Layering von Sounds, den gewünschten Sound kreiert. Des Weiteren ist ein sehr gutes Ohr und das genaue Arbeiten zum Bild extrem wichtig. Der Rest ist einfach nur Handwerk – wie ein Maurer, der ein Haus baut.

musikmarkt: Was lieben Sie an Ihrem Job?
Paul Dutz: Das Kreieren von neuen abgefahrenen Sounds. Das Erzeugen von einer Atmosphäre und Musik durch Sounds.

musikmarkt: Lohnt der Verdienst den Aufwand?
Paul Dutz: Wenn man extrem schnell und sehr gut dabei arbeitet, dann schon.

musikmarkt: Und was hassen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Paul Dutz: Dass Kunden die Arbeit manchmal nicht zu schätzen wissen. Und die teilweise mangelnde Zahlungsmoral sowie das ständige Runterhandeln des vorher vereinbarten Preises.

musikmarkt: Wieso haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Paul Dutz: Ich wollte schon, seitdem ich etwa 20 bin, im Medienbereich arbeiten. Ich habe an der SAE Berlin einen tiefen Einblick in die Materie Tontechnik bekommen und außerdem sehr viele interessante sowie neue Leute aus der Medienbranche kennengelernt.

musikmarkt: Und wie würden Sie heute vorgehen, um ein erfolgreicher Sounddesigner zu werden?
Paul Dutz: Ich hätte mein Diplom-Medienpädagogik-Studium nicht zu Ende gemacht, sondern hätte erstmal bei führenden Firmen im Bereich Sounddesign und Musik für Medien Praktika gemacht. Und hätte versucht, den Chef vor Ort von mir zu überzeugen, dass er mich einstellt.

musikmarkt: Was fanden Sie rückblickend besonders positiv an Ihrer Ausbildung?
Paul Dutz: Das Netzwerk, das ich mir aufgebaut habe, ist absolut Gold wert. Ohne Kontakte geht in der Branche fast gar nichts.

musikmarkt: Und was hat Sie im Nachhinein an Ihrer Ausbildung gestört?
Paul Dutz: Dass sie schon sehr teuer war.

musikmarkt: Wie sahen Ihre Berufsvorstellungen aus, bevor Sie Sounddesigner werden wollten?
Paul Dutz: Ich wollte als Diplom-Medienpädagoge im Fachbereich Medienpsychologie Kids aus der Unterschicht Medienberufe näher bringen.

musikmarkt: Was war Ihnen bei Ihrer Ausbildung besonders wichtig?
Paul Dutz: Das praxisnahe Arbeiten ist das A und O und sehr wichtig. Außerdem ist der Austausch mit Gleichgesinnten teilweise mehr wert als die Ausbildung an sich.

musikmarkt: Was sind Ihre Hauptaufgaben im Job?
Paul Dutz: Koordinieren unseres Teams, Auftragsannahme und Neukundenakquise sowie Musikproduktionen und Sounddesign.

musikmarkt: Wie sieht bei Ihnen üblicherweise ein Arbeitstag aus?
Paul Dutz: Gegen neun Uhr aufstehen oder auch später. E-Mails und Handy-Mailbox checken. Rechner anmachen. Mit der Arbeit beginnen, wenn es Aufträge gibt. Ende ist, wenn das Tagesziel oder der Auftrag abgeschlossen ist. Wenn es keine Aufträge gibt, setze ich mich an meine eigene Musik. Demnächst wird ein Album mit elektronischer Musik von mir erscheinen.

musikmarkt: Wie schätzen Sie derzeit die Jobaussichten im Bereich Sounddesign ein?
Paul Dutz: Der Markt scheint sehr gesättigt zu sein, aber gute Leute werden immer gesucht.

musikmarkt: Braucht man überhaupt eine Ausbildung als Sounddesigner?
Paul Dutz: Wenn man Talent hat und eine schnelle Auffassungsgabe, dann kann man es auch als Quereinsteiger schaffen.

musikmarkt: Wenn Sie die Wahl hätten, für welches Projekt wüden Sie gerne als Sounddesigner arbeiten?
Paul Dutz: Als Produktionsassistent bei Hans Zimmer in L.A., weil ich seine Art von Musik und die Herangehensweise extrem spannend finde. Als Sounddesigner sehr gerne mal wieder bei Robert „Robster” Henke in Berlin bei Audioforce. Weil er meines Erachtens mit der beste Sounddesigner und Musikproduzent für Werbung, TV, Radio, Kino in Europa ist – und dazu noch einer meiner besten Freunde.


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Zur Person

Paul Dutz wurde am 30. Juli 1980 in Berlin geboren und absolvierte dort am SAE Institute seine Ausbildung im Bereich Audio Engineering. Derzeit lebt er auf Las Palmas de Gran Canaria. Dutz ist CEO des Sound-Engineering-Dienstleisters Soundspretty.de.


Hintergrund: Sounddesigner

Sounddesigner komponieren Musik und Sounds für unterschiedliche Verwendungszwecke wie Werbeclips, Film-Soundtracks oder auch Internet-Auftritte. Dabei arbeiten sie in der Filmbranche, bei Musikverlagen, Produktionsfirmen oder Rundfunkgesellschaften. Weitere Beschäftigungsfelder können sich bei Konzert- und Eventveranstaltern sowie Media-Agenturen ergeben. Entsprechende Ausbildungsangebote bieten neben dem SAE Institute auch die Deutsche Pop, die Macromedia Akademie sowie das Popcollege.




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