Heft 31/2012, Seite 22 Recorded Music
Zumba! Für die einen ist es Fitness, für die anderen der längste Tanz der Welt. Und für die Musikindustrie entwickelt sich das bekannte Tanz-Fitness-Programm aus den USA zur neuen Künstler-Promotion-Plattform und einer globalen Radiostation.
„Zumba Time!!“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Die Teilnehmer im vollen Tanz-/Fitness-Studio folgen begeistert den Bewegungen des Instruktors, der sie voller Elan zur Höchstform motiviert. Party-Stimmung ist angesagt. Und genau diese braucht die passende Musik: ein Salsa-Remix des Gloria-Estefan-Hits „Conga“, das Eurodance-Stück „Mr. Saxobeat“, „Taboo“ alias „Lambada“ im Remix von Reggaeton-Star Don Omar und eine Version von „Save The Last Dance For Me“.
Erfolg hängt von der Musik ab
Genau diese Tanz-Fitness-Welle namens Zumba hat seit mehr als fünf Jahren die USA fest im Griff und ist seit etwa einem Jahr auch in Deutschland zum beliebten Workout geworden. Das Geheimnis dabei liegt in der Gestaltung der Kurse, die durch eine Kombination von Spaß, Freude und leichten Tanzfolgen als „Fitness Partys“ gelten. „Der Erfolg hängt dabei bis zu 70 Prozent von der Musik ab“, erklärt Beto Perez, Chief Creative Officer, Erfinder und Mitbegründer von Zumba Fitness, den angehenden Zumba-Instruktoren während des Ausbildungsprogramms. Wichtig sei dabei eine Mischung aus verschiedenen Stilen und Rhythmen wie Salsa, Merengue, Cumbia, Samba, HipHop oder Bollywood. Und genau diese bekommen Zehntausende von Instruktoren, die Teil des sogenannten Zumba Instructor Networks (ZIN) sind, monatlich aus der Zumba-Hauptgeschäftsstelle in Miami. Für 30 US-Dollar im Monat erhalten sie CDs und DVDs mit der neuesten Musik und den dazu passenden Choreographien von Beto Perez. Alberto Perlman, Chief Executive Officer und Mitbegründer Zumba Fitness, erklärt auf Anfrage von „Musikmarkt“: „Unser Ziel ist es, unseren Instruktoren die beste Musik anzubieten.“ Jede einzelne CD beinhalte sowohl Originalkompositionen als auch Cover-Versionen sowie Hits internationaler Stars und Grammy-Gewinner.
Die Playlist werde dabei von Beto Perez in Zusammenarbeit mit dem Zumba Fitnes Music Department und Anregungen von Zumba CEO Alberto Perlman und Zumba COO Alberto Aghion zusammengestellt. Besonders gefragt und von großem Wert, so Alberto Perlman weiter, seien vor allem die Originalkompositionen. Denn diese sind mit Ausnahme von einigen ausgewählten Songs, die auf iTunes und anderen Download-Plattformen erhältlich sind, ausschließlich den ZIN-Instruktoren zugänglich. Durch die Zusammenstellung der verschiedenen Tracks für eine Zumba-Stunde agieren die Instruktoren wie DJs, die die neueste Musikauswahl präsentieren. Auf diese Weise werde laut Perlman Zumba zu einer Musikplattform, einer Art Radiostation, die jede Woche 12 Millionen Zuhörer begeistert. Doch dabei bleibt es nicht. Die Musik gehe nicht nur direkt ins Ohr, sondern in den gesamten Körper. So spüre man besser den Song und identifiziere sich durch die Bewegungen mit ihm. Und im Gegensatz zum Radio könne man hier schlecht den Sender wechseln.
Das Business der Zukunft
Die Vorteile von Zumba als Musikplattform haben inzwischen auch zahlreiche Künstler bemerkt, darunter der amerikanische Star-Rapper Pitbull. Im vergangenen Jahr schrieb er für Zumba Fitness den Song „Pause“, veröffentlichte ihn über die Plattform und performte den Song im Rahmen der Zumba Instructors Convention 2011 gemeinsam mit etwa 8000 Instruktoren. Mit dabei war auch Rapper Wyclef Jean, der den Hit „Historia“ beisteuerte. Eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit startete dieses Jahr mit dem
puerto-ricanischen Rapper Don Omar, dessen Song „Zumba“ innerhalb von zwei Monaten 4,5 Millionen Klicks auf YouTube verzeichnete und zudem auf seinem Album „Don Omar Presents MTO – New Generation“ (Universal Music) erschien. Im Rahmen der Billboard Latin Music Conference erklärte Omar: „Ich denke, dass es ein großer Moment für mich und weitere Künstler ist, sich nach derartigen Plattformen umzuschauen, um die eigene Musik zu promoten. Denn das ist das Business der Zukunft.“
Zumba, als weltweit agierendes Unternehmen mit den USA als größten Markt, gefolgt von Großbritannien, Deutschland, Kanada und Australien, bietet nicht nur bekannten Künstlern eine gute Promotion-Plattform, sondern verhilft sogar manch unbekannten Acts zum Durchbruch. Aktuelles Potenzial dabei hat sicherlich das kolumbianische Duo Ensemble, dessen Song „Baila Mi Son“ auf dem aktuellen ZIN-Longplayer zu hören ist. Doch die Aufgaben eines A&R und PR-Managers zu übernehmen, ist nicht ganz einfach, erklärt Zumba CEO Alberto Perlman „Musikmarkt“: „Die Entdeckung neuer Künstler und dessen Promotion ist für uns eine der größten Herausforderungen.“ Dennoch, ganz neu im Musikbusiness ist das 2011 gegründete Unternehmen nicht. Schließlich veröffentlichte Zumba mehr als 150 Originalkompositionen sowie fünf Alben, darunter „Cardio Party“ und „Zumba Fitness Original Soundtrack“. Insgesamt gingen über zehn Millionen CD/DVD-Packages über die Ladenflächen. Und auch den Games-Markt eroberte sich Zumba mit „Zumba Fitness“, „Zumba Fitness 2“ und „Zumba Fitness Rush“ für Wii und Xbox. Seit 2010 wurden weltweit sieben Millionen Einheiten verkauft.
Persönlicher Musik-Mix
Die Entstehung von Zumba geht allerdings auf einen Zufall Mitte der 90er Jahre zurück: Als der ausgebildete Fitness-Trainer und Tänzer Beto Perez eines Tages die Musik für seinen Aerobic-Kurs in Cali/Kolumbien vergaß, stellte er einen Musik-Mix aus Casetten zusammen, die er im Rucksack hatte. Das Fazit: Die Schüler waren begeistert. Anknüpfend an seinen Erfolg entschloss sich Perez, sein Programm in die USA zu bringen und begann 1999 in Miami zu unterrichten. Zwei Jahre später traf er auf die beiden Unternehmer Alberto Perlman und Alberto Aghion, die bald darauf das Unternehmen Zumba Fitness und die Marke Zumba® schufen. 2007 wurde das Programmm international eingeführt und ist heute laut Unternehmensaussage das größte eingetragene Fitness-Programm weltweit.
Die ersten Jahre liefen allerdings laut Perlman zäh, man merkte aber vor allem den Bedarf und das Potenzial der Musik. So tastete man sich langsam an das Thema Musikrechte und -lizenzen heran und baute diesen Bereich aus. Heute ist Musikindustrie-Profi und Komponist Sergio Minsky Leiter des Music Departments und arbeitet eng mit Perlman und Beto Perez zusammen, der als Choreograph immer noch das letzte Wort hat.
Workout für Plattenlabels
Das Thema Musiklizenzen ist allerdings auch heute – bei mehr als 120 Ländern, in denen Zumba Fitness agiert, zahlreichen Lizenzbestimmungen und Verwertungsgesellschaften – kein leichtes Unterfangen. Alberto Perlman: „Um unsere Musik in all den Ländern veröffentlichen zu können, arbeitet unser internationales Musik-Lizenzierungs-Team mit mehr als 100 Musikverlagen, Künstlern, Labels und Produzenten weltweit. Zudem kooperieren wir mit Rechteinhabern, Verlegern und Verwertungsgesellschaften, um sicher zu stellen, dass die verwendete Musik korrekt lizenziert ist.“ Äußerst lukrativ scheint das Geschäft auch für Plattenlabels zu sein. So berichtete Alejandro Reglero, Licensing EMI Music Publishing Latin America, bei „Billboard“, dass Zumba sogar großes Potenzial hätte, in Zukunft auch Teil eines Künstler-Marketing-Plans zu werden. Doch auch weitere Plattenlabels weltweit zeigen immer mehr Interesse an diesem Workout. So arbeitet Zumba u.a. mit Universal Music zusammen, um zahreiche CDs mit Zumba-Originalkompositionen und den Top-Hits in Europa zu veröffentlichen. Und während die Labels durch Zumba ihre Künstler pushen möchten, hat auch Zumba selbst eine klare Vorstellung, so Perlman: „Unser Ziel ist es, 100 Millionen Leute durch die Zumba-Kurse zu erreichen. Aus der Musikperspektive möchten wir eine Musikplattform, die Radiostadion der
Zukunft werden.“