| Geburtsdatum | 15.11.1942 | |
| bürgerlich |
Daniel
Barenboim |
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| Combo-Typ | Solokünstler | |
| Website | www.danielbarenboim.com | |
In erster Linie erscheint der gebürtige Argentinier Daniel Barenboim mit seiner russisch-jüdischen Abstammung und seiner zusätzlich israelischen, spanischen und palästinensischen Staatsangehörigkeit ein Weltenbürger zu sein. Ja, diese Vermischung verschiedener Völker in einer einzigen Person legt ein großes persönliches Interesse an Politik und die Sehnsucht nach Frieden unter den verschiedenen Mentalitäten nahe. Doch trotz des bemerkenswerten politischen Engagements, welches dem Pianisten und Dirigenten unzählige internationale Ehrungen höchsten Ranges eingebracht hat, behauptet er, sich in erster Linie als Künstler zu begreifen. Wenngleich er den folgenden Punkt ohne Umschweife zugibt, dass „Musik“ für ihn „eine Kunst sei, die alle Grenzen überschreitet“. Dass diese Kunstsparte, die aufgrund ihrer Wortlosigkeit in jedem Land der Erde verstanden werden kann, daher nicht nur die Möglichkeit zur Grenzüberschreitung bietet, sondern von einem Künstler verlangt, diese Möglichkeit auch zu nutzen, ist eine Wahrheit, die Barenboim vielleicht mehr als jeder andere lebende Künstler verstanden und sich als seinen persönlichen Auftrag zu Herzen genommen hat.
Ihren Anfang nimmt die Karriere des weltberühmten Musikers in seiner Heimatstadt Buenos Aires, wo er im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierunterricht bei seinen Eltern beginnt. Schon kurz darauf begreift man Barenboim als Wunderkind, der 1950 sein erstes offizielles Konzert in Buenos Aires gibt, und dem sich bald weitere Auftritte in Salzburg oder Wien anschließen. Ab 1954 nimmt er, der sich zunehmend als Dirigent versteht, nicht nur in Salzburg bei Igor Markevich Unterrichtsstunden, sondern lernt vor allem auch Wilhelm Furtwängler kennen, der dem „phänomenalen“ Jungen eine große Zukunft voraussagt. Weitere bedeutsame Begegnungen dieser Jahre stellen ab 1955 Barenboims Meisterkurse in der Harmonie- und Kompositionslehre bei Nadia Boulanger in Paris dar, sowie ein gemeinsamer künstlerischer Auftritt bei einem New Yorker Festival mit Leopold Stokowski 1957.
Seit diesen Tagen spielt Barenboim mit allen namhaften Orchestern weltweit und gibt 1967 sein europäisches Debüt als Dirigent mit der Leitung des Philharmonia Orchestra in London bzw. sein Debüt als Operndirigent 1973 mit Mozarts „Don Giovanni“ während des „Edinburgh International Festival“. Ab 1975 übernimmt er die Künstlerische Leitung des Orchestre de Paris, und hält von 1991 bis 2006 die gleiche Position am Chicago Symphony Orchestra inne. Zugleich fungiert er seit 1992 als Künstlerischer Leiter der Staatsoper unter den Linden Berlin, wo man ihm im Jahr 2000 den Status des Chefdirigenten auf Lebenszeit verleiht, einen Titel, der ihm 2006 auch in Form des Maestro Scaligero vom Teatro alla Scala entgegengebracht wird. Weitere künstlerische Höhepunkte dieser Jahre stellen seine Tätigkeit bei den Bayreuther Festspielen von 1981 bis 1999 dar, wo er unter großem Erfolg die Wagner Opern „Tristan und Isolde“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Parsifal“ und den „Ring des Nibelungen“ dirigiert, sowie seine Leitung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker im Jahr 2009.
Stellen dies die musikalisch wichtigsten Stationen im Leben Barenboims dar, so sind die politisch bedeutungsvollsten seine Projekte, die er mit seinem langjährigen Freund, dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said (+), 1999 ins Leben gerufen hat. Diese musikalischen Einrichtungen, die zunächst in Form von Workshops in Weimar stattgefunden haben und bald zum dauerhaften West-Eastern Divan Orchestra wurden, sind beispielhaft in ihrem Versuch Weltfrieden zu stiften und zu einer Aussöhnung im Nahostkonflikt beizutragen. Denn dieses einmalige Ensemble setzt sich aus Musikern Israels, der palästinensischen Autonomiegebiete, Libanons, Ägyptens, Syriens, Jordaniens und der Türkei zusammen. Im August 2005 fand sich dieses Orchester zu einem viel beachteten Konzert in Ramallah ein, und trat 2006 in der Carnegie Hall und 2007 bei den Salzburger Festspielen auf.
Nicht zuletzt die Gründung dieses Orchesters sowie die Etablierung eines Musikkindergartens in Ramallah und Berlin in den Jahren 2004/2005 brachte Barenboim eine Vielzahl höchster Ehrungen ein: So wurde ihm 2002 gemeinsam mit Said sowohl der spanische „Príncipe de Asturias“ als auch der „Toleranzpreis“ der Evangelischen Akademie Tutzing verliehen und Barenboim erlangte noch im selben Jahr das Große Bundesverdienstkreuz. 2004 wurde Barenboim mit dem „Haviva-Raik-Friedenspreis“, der „Buber-Rosenzweig-Medaille“, dem Preis der Wolf-Foundation Jerusalems und Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau ausgezeichnet. Weiter erhielt er 2006 den Hessischen Friedenspreis, den Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung, den Kulturgroschen Deutschlands, den internationalen Ernst von Siemens Musikpreis und 2007 die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts für sein herausragendes politisches Engagement. Zudem wurde er noch im gleichen Jahr gemeinsam mit dem Schriftsteller Paulo Coelho zum Friedensbotschafter der UNO und von Frankreichs damaligem Ministerpräsident Jacques Chirac zum Commandeur de la légion d’honneur ernannt, ja, ihm wurde weiterhin die palästinensische Ehrenstaatsbürgerschaft und ein Ambassador des Friedens der Vereinten Nationen sowie der Kulturpreis Praemium Imperiale vom japanischen Kaiserhaus verliehen. Als jüngste Auszeichnung für seinen politischen Einsatz erhielt Barenboim 2009 die Moses Mendelssohn Medaille. Neben diesen hochrangigen Ehrungen für sein soziales Engagement ist Barenboim u.a. mehrfacher Preisträger des Grammy und erlangte 2005 den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau. Weiterhin wurde er 2006 zum Charles Eliot Norton Professor der Harvard Universität ernannt, und 2007 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Oxford bedacht.
Barenboim war von 1967 bis zu ihrem Tod 1987 mit der weltberühmten Cellistin Jacqueline du Pré verheiratet, und lebt seit 1988 in zweiter Ehe mit der Pianistin Jelena Baschkirowa zusammen, mit der er zwei Söhne hat.