06.03.2016  Recorded Music  Messen/Events

by:larm 2016: Digitalgeschäft dominiert skandinavischen Markt

 

Oslo - Musikfans in Nordeuropa sind in Sachen Musik und Technologie sehr offen. Neue Trends werden rasch adaptiert. Im Rahmen des Showcase-Festivals by:Larm präsentierten die jeweiligen IFPI-Ableger von Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island unter dem Titel "The Nordics – World Leaders in Digital Music Consumption" aktuelle Zahlen.

In fast allen skandinavischen Märkten dominiert Streaming, während die Download-Verkäufe zurückgehen. Lokales Repertoire ist in allen Ländern – ähnlich wie in Deutschland – stark vertreten.

Norwegischer Markt im Plus

Den Anfang machte Gast by:Larm-Gastgeber Norwegen. Der Gesamtumsatz der norwegischen Branche belief sich 2015 auf 646 Norwegische Kronen (70 Mio. Euro). Ein Plus von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Streaming-Umsätze verbesserten sich um 9,7 Prozent von 456 Mio. Kronen auf 500,3 Mio. Kronen. Davon kamen 490,1 Mio Kronen von Audio-Streaming-Diensten wie Spotify, Tidal und Apple Music. Lediglich zwei Prozent des Umsatzes gingen auf Video-Streams etwa von YouTube zurück. 1,5 Millionen Norweger waren bereit, für Streaming-Dienste zu bezahlen.

In Norwegen kommt Streaming mittlerweile auf 77,4 Prozent des Gesamtmarktes. Seit der Einführung des Formats 2009 wächst der Bereich von Jahr zu Jahr. Marte Thorsby, Managing Director der IFPI Norwegen, ist überzeugt, dass Streaming seinen Zenith noch längst nicht erreicht hat.

Insgesamt ging der Digitalanteil im vergangenen Jahr jedoch leicht zurück. Das liegt an den weiterhin drastisch zurückgehenden Download-Verkäufen, die im vergangenen Jahr um 42 Prozent zurückgingen und auf einen Marktanteil von lediglich 5,8 Prozent kamen.

stats

Das norwegische Digitalgeschäft konnte 2015 erneut leicht zulegen (Grafik: IFPI Norwegen)

Für eine Überraschung sorgte indes das Tonträger-Geschäft: Die physischen Umsätze legten deutlich zu und wuchsen von 83,1 Mio. Kronen auf 108,4 Mio. Kronen – eine Steigerung von 30,4 Prozent. Damit kommen physische Tonträger auf einen Marktanteil von 17 Prozent. Sogar die CD-Umsätze legten um 26,4 Prozent von 62,3 Mio. Kronen auf 79,3 Mio. Kronen zu.

Nicht zuletzt auch das Vinyl-Format trägt zum Wachstum im physischen Bereich bei. Der Umsatz kletterte um knapp 68,9 Prozent auf 26,1 Mio Kronen.

Nationales Repertoire kommt auf einen Anteil von über 26 Prozent am Gesamtmarkt – dabei wurden die Verkäufe von Shootingstar Kygo nicht mal hinzugerechnet, da er als internationaler Act verbucht wird.

Die skandinavischen Märkte im Überblick:

  • Schweden
    Aus Schweden meldete der dortige IFPI-Chef Ludvig Werner ähnliche Zahlen für 2015. Im Herkunftsland von Spotify betrug der Digital-Anteil bereits 85 Prozent des Gesamtmarktes. Streaming kam auf 82,4 Prozent. Zum Vergleich: Downloads machten noch 2,6 Prozent aus. Auch in Schweden war nationales Repertoire gefragt und kam auf 31,2 Prozent.
  • Dänemark
    Dänemark verzeichnete 2015 ein kleineres Wachstum und kam auf einen Gesamtumsatz von knapp 61 Mio. Euro. Der Digital-Anteil betrug 83,4 Prozent. Download-Verkäufe gingen um 20 Prozent, CD-Verkäufe um 40 Prozent zurück. Auch hier war lokales Repertoire mit 38,4 Prozent am am Gesamtmarkt bei den Konsumenten gefragt, wie Lasse Lindholm von der IFPI Dänemark betonte.
  • Finnland
    Für Finnland lagen die Zahlen für 2015 noch nicht vor, entschuldigte sich Antti Kotilainen von der IFPI Finnland. Es wird jedoch ein digitales Wachstum von 40 Prozent im Streaming-Bereich erwartet. Downloads gingen um 20 Prozent zurück. 2015 dürfte das erste Jahr sein, in dem das digitale Wachstum den Rückgang der physischen Verkäufe auffängt. Finnisches Repertoire kommt auf 40 Prozent am Gesamtmarkt.
  • Island
    Island kam 2015 auf einen Gesamtumsatz von 3,2 Mio Euro, davon entfielen 1,4 Mio Euro auf den Digital-Sektor. Damit lag der Digital-Anteil bei lediglich 44,1 Prozent – ähnlich wie Finnland. Bei den Formaten lag Streaming mit 43,1 Prozent hinter der CD mit 48,5 Prozent Anteil am Gesamtmarkt. Isländische Künstler machten 53,3 Prozent aus. Diesen hohen Anteil führt Eiour Arnarsson von der isländischen IFPI auf das starke physische Geschäft zurück, das in dem kleinen Inselstaat stark durch Touristen angekurbelt wird. Beim Streaming sieht es anders aus. Bei Spotify und Co.haben internationale Acts mit 80 Prozent die Nase vorn.

Vereint gegen YouTube

Die nordeuropäische Musikindustrie ist eng vernetzt. Rechnet man die unterschiedlichen Jahresumsätze von Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island zusammen, käme der Digital-Bereich auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 80,9 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren es nur 40,7 Prozent.

Es gebe jedoch noch einige Herausforderungen, betonte Lasse Lindholm von der IFPI Dänemark. Werbefinanzierte Streaming-Dienste wie YouTube fördern kein positives Konsumentenverhalten. Solche Gratis-Dienste halten Musikfans davon ab, für einen Premium-Dienst zu bezahlen.

Für die Branche sind Streaming-Dienste wie Spotify und Co. lukrativer: Auf ein internationales Level hochgerechnet generieren 140 Mio Nutzer von Streaming-Abo-Diensten jährlich 1,2 Mia Mio Euro – Gratis-Angebote wie Soundcloud und YouTube sind es 900 Mio User mit einem jährlichen Umsatz von 0,48 Mia Euro. Die skandinavischen Ableger der IFPI sind deswegen darum bemüht, die Rechtslage zu klären.

by:Larm 2016

Bei der by:Larm 2016 konnten sich die Fachbesucher von vielseitigen skandinavischen Musikszene überzeugen. In zahlreichen Clubs in der norwegischen Hauptstadt traten zwischen dem 2. und 5. März über 100 Bands und Künstler aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Islan aus.

Der Nordic Music Prize, der skandinavische Künstler in den Fokus rückt, ging erstmals an eine Band aus Norwegen. Band Of Gold setzten sich u.a. gegen Björk durch.

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