26.09.2012
Schweiz
Zürich – Vor knapp einem Jahr lancierte Spotify seinen Streaming-Service in der Schweiz. Bei einer Medienkonferenz im Zürcher Club Hive informierte die schwedische Firma über ihre bisherigen Erfahrungen.
Zunächst machte Gastredner Lorenz Haas, der seit Februar 2012 Geschäftsführer von IFPI Schweiz ist, interessante Ausführungen über die Entwicklung des Schweizer Musikmarktes. Er stellte einen positiven Trend fest. Nachdem der Umsatz der IFPI-Mitglieder 2011 um 18 Prozent gesunken war, erwartet er für 2012 einen Rückgang von "nur" noch 5 Prozent auf 118 Millionen Franken. Er interpretierte dies als Teil einer weltweit festzustellenden Konsolidierung nach einer schwierigen Zeit mit der Herausforderung Internet. Die Musikindustrie stehe mit ihrem Mittelweg zwischen herkömmlichem Handel und innovativen neuen Lösungen heute relativ gut da im Vergleich zu anderen Branchen. Der Anteil der Digital Sales erreichte im ersten Halbjahr 39 Prozent (Vorjahr 25 Prozent) und wird gemäß der Prognose von Lorenz Haas im Verlauf des nächsten Jahres die Hälfte des Umsatzes übersteigen. Bezüglich des Streamings stellte er ein starkes Wachstum seit Anfang 2012 fest, was stark mit dem Markteintritt von Spotify zusammenhänge. Er relativierte allerdings: Streaming mache zurzeit nur gerade etwa 4 Prozent des digitalen Umsatzes aus.
Stefan Zilch, Country Manager von Spotify für Deutschland, Österreich und die Schweiz, zeigte sich zufrieden über die Entwicklung von Spotify in der Schweiz seit dem Markteinstieg im November 2011. Konkrete Angaben über die Anzahl der Nutzer und den Anteil der zahlenden Abonnenten gebe die Firma aber nicht bekannt. Er verriet trotzdem einige interessante Zahlen zur Nutzung. So sei der aktive Schweizer User durchschnittlich eineinhalb Stunden pro Tag auf Spotify. 65 Prozent davon sind Männer. Dieses Geschlechterungleichgewicht sei gemäß der Erfahrung von Spotify nach der Einführung einer solchen eher technischen Dienstleistung aber nicht ungewöhnlich und werde sich mit der Zeit ausgleichen. Wenig überraschend ist auch, dass der überwiegende Teil der User zwischen 15- und 29-jährig ist. Übrigens ist sowohl bei den weiblichen wie bei den männlichen Schweizer Usern David Guetta der beliebteste Künstler.
Stefan Zilch von Spotify ist auch mit der Werbeakquisition in der Schweiz zufrieden. Mit Firmen wie Migros, Coop und Fiat hätten sie bereits wichtige große Kunden. Er betonte auch die Bedeutung von spezifischen Apps für Spotify, von denen es – wegen der hohen Anforderungen – bisher erst 46 gebe, etwa für Konzerte oder Reviews. Robin Simon, Geschäftsführer von Fellody, zeigte anhand seines Musik-Dating-Netzwerks die Möglichkeiten einer solchen App: Darauf können sich Menschen anhand ihres Musikgeschmacks finden. Seit diese App im März dieses Jahres in Deutschland lanciert wurde, hätten sich dafür bereits 50.000 Personen registriert.