23.02.2016  Recorded Music  Messen/Events

Where's The Money? Playlists, Donald Ducks Credits und der Wert der Musik

 

Norrköping - Das Internet war nicht allein schuld am Umsatzeinbruch der Musikindustrie Anfang der 2000er, die mangelnde Qualität der Musik trug auch dazu bei, erklärte Stevie-Wonder-Manager Keith Harris beim "Where's The Money?"-Panel der von FKP Scorpio veranstalteten "Where's The Music?"-Konferenz im schwedischen Norrköping.

Moderator Jake Beaumont-Nesbitt (Policy Advisor IMMF) stellte zuerst die Frage in den Raum, ob bei Tonträgeraufnahmen auch sichergestellt würde, dass die Meta-Daten stimmen. Denn ohne richtige Daten können die Einnahmen nicht korrekt verteilt werden.

Das Panel war sich hier einig, dass die Technologie zwar bereits vorhanden ist, aber es besonders auf Verlagsseite noch immer schwierig sei.

Donald Duck, Songwriter

Laut Keith Harris (Management Stevie Wonder, Director of Performer Affairs PPL, Chairman MusicTank) liegen die Gründe hierfür u.a. in der früheren Verweigerung seine Daten preiszugeben: "Das Problem mit den Daten ist historisch. In der Blütezeit der Musikindustrie waren viele Leute misstrauisch und wollten ihre Daten nicht hergeben. Sie dachten die Daten würden dazu benutzt, ihre Einnahmen zu verfolgen und würden in höheren Steuern resultieren. Sie haben dann einfach Donald Duck oder Frank Sinatra angegeben. Nun müssen eben diese Leute versuchen zu belegen, dass sie die Rechte besitzen und nicht etwa Donald Duck."

Virpi Immonen (CEO Fullsteam Management) sieht jedoch auch in der Länge und Komplexität der heutigen Abrechnungen eine Schwierigkeit: "Es ist ein riesengroßes Puzzle! Die Lizenzabrechnungen sind riesig und man weiß nie, ob die Informationen stimmen."

Dass es besonders auf Verlagsseite Probleme mit den Daten gibt, wurde schon oftmals thematisiert – Schätzungen zufolge werden Verlage und Songwriter für rund 25 Prozent der Streaming-Nutzung nicht richtig entschädigt, da die Daten nicht richtig zugeordnet werden. Aus diesen Grund muss sich Spotify aktuell zwei Klagen in den USA stellen und plant den Aufbau einer globalen Lizenz-Datenbank.

Fehlende Qualität?

Eine kontroverse These lieferte Harris mit der Aussage, dass ein Grund für den Umsatzeinbruch der Musikindustrie Anfang der 2000er die Qualität der Musik war: "Es gibt zwei Gründe, wieso das Internet die Musikindustrie derart zugesetzt hat: 1. Die Qualität war einfach nicht mehr da und die Leute wollten kein Geld für Musik ausgeben, das in ihren Augen keinen Wert hat und 2. die Verbraucherfreundlichkeit. Wir haben eines der Probleme gelöst, das andere müssen wir erst noch lösen."

Harris interpretierte den Titel des Panels nicht im Bezug auf die Verteilung der Einnahmen, sondern auch im Bezug auf die Zahlungswilligkeit der Verbraucher: "Wenn man sich fragt, wo das Geld ist, muss man herausfinden, was Musik so wertvoll macht, dass Leute dafür Geld ausgeben wollen. Der Musikkonsum hat sich verändert. Die meiste Musik ist für die junge Generation nicht wichtig genug. Den Nischenmärkten geht es gut, weil die Musik deren Hörern wertvoll ist."

Auf den Einwand Carl Bloms (CEO Flagstone) hin, dass die Qualität gut sei und das kein Grund ist, argumentierte Harris mit den Einnahmen aus Katalog-Aufnahmen: "Im letzten Jahr hat Musik aus den Backkatalogen zum ersten Mal mehr Geld generiert als Neuerscheinungen. Für das junge Publikum ist all diese Musik verfügbar und das alte Zeug findet einfach mehr Anklang bei ihnen. Ich denke das liegt an der Qualität."

Dass der digitale Musikkonsum mittlerweile fast alle Altersschichten erreicht hat und gerade die älteren Musikhörer die Zahlen in Richtung ältere Musik "verfälschen", ließ Harris allerdings außen vor.

Die Macht der Playlisten

Natürlich kam die Diskussion zurück zum Thema Streaming, da Playlisten für die Entdeckung neuer Musik heutzutage zentral sind. Nicht nur die Hörer finden so neue Musik, auch die Radiostationen bedienen sich der Playlists, um Trends zu erkennen, wie Virpi Immonen erklärte.

Petri Lunden (Vice-Chairman und Miteigner Phonofile, Chairman und Miteigner Gain) betonte, dass es sehr wichtig sei, sich einen Platz in den Playlisten der Streaming-Dienste zu sichern, doch diese würden von den Majors kontrolliert.

Auch Carl Blom stimmte dem bei: "Spotify beschäftigt Leute als Türhüter ihrer Playlists, dabei ist es sehr relevant, ob man ein Major ist oder nicht. Je erfolgreicher man ist, desto eher kommt man auf die Playlisten, bekommt Publicity und verdient dadurch mehr Geld. Es ist sehr wichtig zu lernen, welche Investitionen gut sind und welche weniger, wie man Geld verdient und wie viel es kostet Geld zu verdienen."

Dennoch sei zu bedenken, dass die Majors insgesamt gut für die Industrie seien, erklärte Harris. "Es ist in, die Majors herunterzumachen, aber wenn man das gesamte Geld der Majors aus der Industrie zöge, würde die Industrie darunter leiden."

Außerdem schaffen es immer wieder Acts völlig ohne Unterstützung von großen Unternehmen oder der Medien Millionen Streams zu generieren und eine riesige Hörerschaft aufzubauen. Vor dem Internetzeitalter wäre das noch beinahe unmöglich gewesen.

Vorteilhaft sei, dass die Musikindustrie zum Start der Streaming-Dienste wie Spotify sofort ihre Rechte einforderte und darin auch von der Medien unterstützt wurde – etwas das einige Jahre zuvor noch nicht der Fall war. "Als YouTube gelauncht wurde nutzten es Künstler einzig zu Publicity-Zwecken und keiner hat verlangt, damit Geld zu verdienen", so Virpi Immonen. "Die Künstler haben einfach jeglichen Content, den sie kriegen konnten, dort hochgeladen."

Was kommt nach Streaming?

Das Panel war sich hingegen einig, dass sich die Industrie nicht auf Streaming allein konzentrieren solle. Keith Harris sieht im Crowdfunding eine Zukunft und auch in den stetig steigenden Einnahmen aus Leistungsschutzrechten, während Petri Lunden denkt, dass die Geschichte rund um den Künstler, was den Künstler einzigartig macht, wieder an Bedeutung gewinnt. Außerdem würden Nischenprodukte immer wichtiger, da es einfacher denn je ist, sein Publikum zu finden – und ein Publikum gibt es immer.

Man müsse auf die Digital Natives hören, findet Harris zudem. "Ich denke nicht auf die selbe Art wie ein Digital Native. Ich verstehe es, wenn es mir erklärt wird, aber ich würde selbst nie darauf kommen. Ein Beispiel: Mein Sohn ist Manager und ein Song einer seiner Bands hat einen Titel, der nirgends im Song erwähnt wird. Also habe ich ihn gefragt wieso. Er sagte, dass es dann über Shazam gesucht wird und das wiederum die Shazam-Zahlen nach oben kurbelt und dann Radiostationen darauf aufmerksam werden und denken, sie müssen den Song spielen, weil er beliebt ist. All das fördert die Bekanntheit des Songs und die Einnahmen."

Carl Blom hingegen ist sich sicher, dass wir uns zu sehr auf den digitalen Markt stürzen: "Ich denke, wir konzentrieren uns zu sehr auf den Digital-Bereich. Unsere Vorstellungskraft hält uns auf."

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