20.06.2011  Recorded Music  Schweiz

Weko startet Untersuchung gegen IFPI Schweiz

 

Zürich - Die eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) hat, nach einer ersten Vorabprüfung, eine Untersuchung gegen die IFPI Schweiz und ihre Mitglieder eingeleitet.

Es gebe Anhaltspunkte, dass der Branchenverband die Schweizer Hitparade gezielt manipuliert habe. So sollen möglicherweise Parallelimporte behindert und gewissen Unternehmen die Aufnahme in den Verband IFPI Schweiz verweigert worden sein, heißt es dazu. Deshalb will die Weko nun die Aufnahmebedingungen in die IFPI Schweiz sowie das Charts-Reglement untersuchen. Auch die Verwendungsbedingungen des von vielen Radiostationen verwendeten Promotion-Systems Music Promotion Network sollen untersucht werden.

Die Vorprüfung durch die Weko wurde Mitte April durch Shigs Amemiya, Geschäftsführer von iMusician Digital, in die Wege geleitet. In einer 48-seitigen Anzeigenschrift wies er auf Verflechtungen hin, mittels derer vor allem die Schweizer Majors ihre Interessen angeblich schützen. Dass die Vorabuntersuchung so schnell abgeschlossen sein würde, überrascht Amemiya: "Zuletzt hieß es von Seiten der Weko, die Voruntersuchung würde mindestens sechs Monate dauern."

Die rasche Durchführung führt Amemiya auf den öffentlichen Druck zurück. Zahlreiche Schweizer Medien hatten in den vergangenen Wochen über den Fall berichtet. Das Musik-Portal 78s.ch rief sogar zu einer Petition auf und forderte von Radio DRS 3, auf die Ausstrahlung der Hitparade solange zu verzichten, bis die Angelegenheit offiziell geklärt sei. "Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat zur Kenntnis genommen, dass die Wettbewerbskommission eine Untersuchung gegen die IFPI Schweiz eröffnet hat und wartet gespannt auf das Ergebnis", so SRF-Mediensprecher Marco Meroni gegenüber "Musikmarkt". "SRF erhebt die Schweizer Musik-Charts nicht selber, sondern erhält die Daten von Media Control. Die Hitparade auf DRS 3 ist eine der beliebtesten Radiosendungen der Schweiz und es ist SRF sehr wichtig, dass die erhobenen Daten auch den Tatsachen entsprechen. DRS 3 sendet die Hitparade weiter und beurteilt die Situation dann nach Abschluss der Weko-Untersuchung."

Auch Ulrike Altig, Geschäftsführerin der Media Control GfK International, meldete sich in dem Streit um die Charts zu Wort. Media Control ermittelt die Schweizer Charts seit 1983. In einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" bezeichnet Altig die Schweizer Hitparade als "sehr verlässlich". Gegenüber "Musikmarkt" sagte Altig: "Die Charts sind so spannend und vielfältig wie der Musikmarkt. Da sich der Markt permanent ändert, muss dem auch im Chartsreglement Rechnung getragen werden. Dies unterliegt ständigen Anpassungen und Aktualisierungen. Das ist auch bei der aktuellen Charts-Debatte nicht anders."

Könnte so etwas auch in Deutschland passieren? "Grundsätzlich können sich einzelne Marktteilnehmer in seltenen Fällen benachteiligt fühlen und dies entsprechend äußern. Das könnte auch in Deutschland vorkommen", so Altig. "Wichtig ist, so etwas im konkreten Fall zu überprüfen."

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