30.06.2010  Live Entertainment  Wirtschaft

VDKD fordert neue GEMA-Tarife für E-Musik

 

München – Der Tarifstreit mit der GEMA hat im vergangenen Jahr die Gemüter der deutschen Konzertveranstalter erregt. Während es 2009 jedoch ausschließlich um die Unterhaltungsmusik ging, könnte 2010 nun die Ernste Musik zum Thema werden. Der Verband der Deutschen Konzertdirektionen, branchenpolitische Heimat vieler Klassik-Veranstalter, fordert hier die Absenkung der Tarife.

"Die aktuellen Tarife der GEMA verhindern die Aufführung von zeitgenössischer Musik", sagt VDKD-Präsident Michael Russ im Interview mit "Musikmarkt LIVE!". Die Tarife für geschützte Werke seien derart hoch, dass Veranstalter lieber auf ungeschütztes Material zurückgreifen – also auf Werke von Komponisten, die länger als 70 Jahre tot sind. "Für einen Richard-Strauss-Abend in einer Halle mit einer 2000er Kapazität kassiert die GEMA zum Beispiel 3300 Euro. Ein vergleichbares Rockkonzert kostet nur 3000 Euro, ein Konzert mit ungeschützten Werken ist gratis."

Professor Dr. Johannes Kreile, Justiziar des VDKD, erläutert die unterschiedlichen Tarifstrukturen: "Der Tarif für klassische Musik berechnet sich nach der Größe des Saals, unabhängig davon, wie viele Leute tatsächlich in das Konzert gehen. Der vor fünf Jahren umgestellte Tarif für Unterhaltungsmusik hingegen orientiert sich an den Einnahmen. Gerade wenn ein klassisches Konzert nicht ausverkauft ist, die Vergütung aber so berechnet wird, als ob das Konzert ausverkauft ist, ergeben sich erhebliche Diskrepanzen. Der andere Grund ist, dass die Gebühren im E-Bereich jährlich um die Inflationsrate angehoben werden. Im U-Bereich steigen sie mit den Eintrittspreisen und damit in einem weit geringeren Umfang."

Nach Ansicht des VDKD könnte die GEMA von niedrigeren Gebühren sogar profitieren. "Ich behaupte, dass durch die Abschmelzung der Tarife wieder mehr geschützte Werke aufgeführt werden", sagt Michael Russ, der mit seiner Agentur SKS Erwin Russ selbst zeitgenössische Musik im Programm hat. "Sollte dieser Ansatz wider Erwarten nicht fruchten, dann muss man sich in zwei oder drei Jahren eben etwas anderes einfallen lassen. Aber ich bin überzeugt davon, dass hierdurch Bewegung in die Programme käme."

Das vollständige Interview mit Michael Russ und Johannes Kreile ist ab 2. Juli in Ausgabe 26/10 von "Musikmarkt & Musikmarkt LIVE!" zu lesen. Weitere Themen sind unter anderem die Zwangsbefreiung von der Umsatzsteuer, der Musikpreis des Verbands und der mögliche Zusammenschluss des VDKD mit dem Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft.

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