18.02.2016  Live Entertainment  Wirtschaft

VDKD einigt sich mit KSK über Konzertmittschnitte im Ausland

 

München - Deutsche Künstlervermittler und Konzertdirektionen mussten bisher Abgaben an die Künstlersozialkasse (KSK) bezahlen, auch wenn es sich um Konzerte ausländischer Künstler im Ausland handelte, die sie vertreten. Denn theoretisch bestand die Möglichkeit, die Konzertmittschnitte später auch in Deutschland zu verwerten. Dieses sah der Verband der Deutschen Konzertdirektionen e.V. (VDKD) anders und traf nun eine neue Verwaltungsverarbeitung mit der KSK.

Prof. Dr. Johannes Kreile, Geschäftsführender Justitiar des VDKD, erläutert im "musikmarkt"-Gespräch die bisherige Situation: "Es findet ein Konzert eines amerikanischen Künstlers in Paris statt. Und dieser wird von einem deutschen Künstlervermittler vertreten. Bei einem Amerikaner, der in Paris auftritt, denkt zunächst keiner an die Künstlersozialkasse."

Doch diese "einfache Welt", wie sie Kreile nennt, kippte 2008 als der Bundessozialgericht folgende These aufstellte: Wenn das Konzert dieses Amerikaners in Paris aufgenommen und dann in Deutschland von einem Rundfunkprogramm gesendet werde, gebe es einen Inlandsbezug und man müsse dafür bezahlen.

Solche Fälle gab es allerdings selten, meint Kreile und sagt, dass durch das Internet auch die Sender Konzertmitschnitte immer häufiger nutzten. Deswegen hatte auch die Künstlersozialkasse immer stärker angefangen zu prüfen und bat zur Kasse. "Diese Regelung ist eigentlich nicht der Sinn einer Künstlersozialabgabe. Dennoch konnten wir uns gegen das Urteil des Bundessozialgerichts nicht stellen, haben aber jetzt ein neues System entwickelt, das die Abgaben regelt.

Gestaffelte Abgabepflichten bei Konzertmittschnitten im Ausland

Die neue Regelung, die rückwirkend zum 1. Januar 2014 in Kraft tritt, erklärt der VDKD-Justiziar wie folgt:

  • Honorare für Mitschnitte von Konzerten im Ausland unterliegen der Abgabepflicht nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG), da die Möglichkeit einer späteren Verwertung in Deutschland besteht.
  • Die Honorare für die Auftritte selbst unterliegen nicht der Abgabepflicht mangels Möglichkeit der späteren Verwertung im Inland.
  • Der Mitschnitt zu Zwecken der Archivierung ist nicht abgabepflichtig. Hier werden neben Archivierungs-, Dokumentations- oder Einstudierungszwecken des Konzerthauses, des Veranstalters oder des Künstlers keine weiteren Rechte eingeräumt.
  • Im zweiten Bereich wird das Recht des Mitschnitts zu Zwecken der späteren Verwendung eingeräumt. Ist der Mitschnitt jedoch nachweislich nicht erfolgt, besteht keine Abgabepflicht.
  • Ist der Mitschnitt erfolgt und wird hierfür ein gesondertes Honorar vereinbart, unterliegt dieses der Abgabe- und Meldepflicht der inländischen Konzertvermittler oder Konzertdirektionen.
  • In Fällen, in denen im Vertrag das Honorar für den Mitschnitt nicht gesondert ausgewiesen ist, ein Mitschnitt aber tatsächlich erfolgt ist, gilt als Bemessungsgrundlage der Künstlersozialabgabe die nachfolgende Staffelung: Bei Honoraren von 0-5.000 Euro entfällt die Abgabepflicht, bei Honoraren von 5.001-10.000 Euro beträgt die Bemessungsgrundlage 2 Prozent, bei Honoraren von 10.001-20.000 Euro 4 Prozent und bei Honoraren über 20.000 Euro 6 Prozent.

"Dieses Regelung ist eine Wahnsinnserleichterung für die Branche", freut sich Kreile über den Erfolg.

Und auch Pascal Funke, Präsident des VDKD, sagt stolz: „Wir freuen uns, dass wir nach langwierigen und intensiven Gesprächen mit der KSK die Verwaltungsvereinbarung abschließen konnten. Unsicherheiten, welche durch die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts entstanden sind, konnten ausgeräumt werden. Unsere Mitglieder haben nun in der Zusammenarbeit mit den von ihnen betreuten Künstlern Klarheit und Planungssicherheit bei den Entgeltmeldungen für Konzertmitschnitte.“

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