17.01.2012
Szene
München - Als letzte Woche die erste Show von "Unser Star für Baku" , der nationale Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2012 über die Bühne ging, sorgte ProSieben mit der Einführung einer so genannten Blitztabelle für Spannung und Schlagzeilen. Medienwächter kritisieren jetzt das Echtzeit-Voting, das sowohl Jury und Kandidaten im Studio als auch die Fernsehzuschauer permanent live verfolgen können.
Bei "Unser Star für Baku" bestimmen die TV-Zuschauer mittels Telefon- und SMS-Voting, wer weiter kommt. Der aktuelle Stand des Votings ist während der Live-Show permanent eingeblendet - sowohl die Zuschauer zu Hause als auch die Kandidaten sowie die Jury im Studio können live mitverfolgen, welche Kandidaten unter den Top 5 und damit eine Runde weiter sind. Bereits zu Beginn der Show wurde die Abstimmung eröffnet, der aktuelle Stand wurde laufend eingeblendet. Wenn der Lieblingskandidat also gerade auf dem letzten Platz steht, könnte das einen Zuschauer dazu verleiten, mehrfach für diesen anzurufen, heißt es. Ein Anruf kostet 50 Cent. Die Jury von "Unser Star für Baku", bestehend aus Thomas D (Die Fantastischen Vier), Alina Süggeler (Frida Gold) und Stefan Raab , fieberte eifrig mit und versuchte, ihre Favoriten mit lobenden Worten nach vorne zu bringen.
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg will das neue Telefon-Abstimmungsverfahren von "Unser Star für Baku" nun überprüfen. Laut Focus Online liegt eine Beschwerde vor. Stein des Anstoßes: Der Sender baue durch das Live-Voting "künstlichen Zeitdruck auf, um die Anruferzahlen in die Höhe zu treiben". Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg habe bei ProSieben einen Mitschnitt der Sendung, die am Abend des 12. Januar den Prime-Time-Sieg holte , angefordert, schreibt Focus Online weiter. Man werde prüfen, ob das Voting-Verfahren "rechtlich problematisch" sei, ließ eine Sprecherin verlauten. Die Prüfung können jedoch bis zu zwei Wochen dauern.
Wieviele Zuschauer angerufen haben, gibt der Sender, der das neue Verfahren als transparenter bezeichnet, nicht bekannt. Im Vergleich zur Show "Unser Star für Oslo" , bei der 2010 Lena als Siegerin des deutschen ESC-Vorentscheids hervorging, seien es aber "deutlich mehr" gewesen, zitiert Focus ProSieben-Sprecher Michael Ostermeier.
Das Konzept für "Unser Star für Baku": Es treten insgesamt 20 Kandidaten in acht Shows gegeneinander an. Die ersten beiden Ausscheidungsshows, in denen sich jeweils zehn Wettbewerber vorstellen, gehen am 12. und 19. Januar bei ProSieben auf Sendung. Fünf weitere Shows sowie zwei Halbfinal-Sendungen – eines davon im Ersten – bringen dann zwei Musiker hervor, die als Kandidaten am 16. Februar im Finale von "Unser Star für Baku" antreten. Die Final-Show geht ebenfalls im Ersten über die Bühne. BR-Moderatorin Sandra Rieß und ProSieben-Reporter Steven Gätjen wurden als Moderatoren verpflichtet . In der nächsten Ausgabe von "Unser Star für Baku" am 19. Januar auf ProSieben stellen sich zehn neue Kandidaten dem Voting des Publikums.
Der Schweizer Teilnehmer für den Eurovision Song Contest steht indes bereits fest. Qualifiziert haben sich Sinplus aus dem Tessin. Wer für Österreich nach Baku fährt , wird am 24. Februar in einer Live-Show auf ORf1 entschieden.