20.07.2012
Wirtschaft
Paris/Brüssel - Um die Europäische Kommission vom Universal/EMI-Merger zu überzeugen, will Universal angeblich weitere Labels abstoßen und Impala-Labels ein Erstbieterrecht geben. So ist zwar nicht mehr von einem Verkauf von Virgin Records die Rede, sondern nun von Chrysalis UK (ohne den Robbie-Williams-Katalog), Ensign, Mute, EMI/Virgin Classics, Jazzland und Sanctuary.
Universal soll IMPALA neben dem Erstbieterrecht für von IMPALA vertretene Indie-Labels zudem einen "Finanzierungs-Anlage" in Höhe von 25 Millionen Euro anbieten inklusive 15 Millionen Euro, um IMPALA beim Label-Kauf unter die Arme zu greifen. Der erste Vorschlag seitens Universal, der den Verkauf u.a. von Virgin Records vorsah, wurde laut "Guardian" von der Europäischen Kommission abgelehnt.
Dennoch zeigt sich Patrick Zelnik, President von Naive Records und Co-President von IMPALA, zuversichtlich, für Virgin bieten zu können. Anfang der Woche überraschte Zelnik mit seiner plötzlichen Befürwortung des Universal/EMI-Deals. Kurz darauf wurde klar, dass Zelnik erneut hofft, Virgin erwerben zu können – mittlerweile das dritte Mal. Allerdings versichert Zelnik, den Universal/EMI-Merger nicht aus eigennützigen Gründen, sondern für das Wohl der Branche zu unterstützen. Bei seinem Vorhaben erhält Zelnik von Sir Richard Branson, Gründer von Virgin Records, Rückendeckung, der wieder ins Musikgeschäft einsteigen will. Branson musste Virgin 1992 an EMI Music verkaufen. Zelnik und Branson haben bereits gemeinsam an Virgin Records gefeilt: Patrick Zelnik hat in den 1980ern Virgin Records in Frankreich für Branson lanciert. Branson soll sich in noch informellen Gesprächen mit Universal-Chef Lucian Grainge befinden.
Zelnik hatte in einem Artikel in der "Financial Times" den Universal/EMI-Merger unter der Bedingung zugestimmt, dass Universal Labels, die es im Zuge des Mergers abstoßen muss, an Indies verkaufe. IMPALA hält hingegen offiziell trotz einer mittlerweile 56 prozentigen Quote von Befürwortern des Deals nach wie vor gegen den Universal/EMI-Merger. Auch der Indie-Digitalvertrieb Merlin hat eine weitere Abstimmung in seinen Reihen bezüglich des Deals abgehalten und ist weiter einstimmig dagegen. "In einem Markt, der bereits davon behindert wird, dass Universal seine Marktführung ausnutzt, kann dieser Merger dem digitalen Ökosystem nur Schaden zufügen, und das nicht nur für unsere Mitglieder, sondern auch für Investoren und Konsumenten", erklärt Charles Caldas, CEO von Merlin.
Die britische Künstlervereinigung Featured Artist Coalition stellt sich hingegen auf die Seite von Patrick Zelnik und nennt seinen Artikel in der "Financial Times" "sowohl willkommen als auch nötig". Allerdings fordern sie, dass alle von dem Universal/EMI-Merger betroffenen Künstler – der Universal- und EMI-Labels –, sollte der Deal vollzogen werden, die Möglichkeit bekommen sollten, ihre Copyrights zu erwerben. Neben Zelnik und Branson sind laut "Billboard" auch Kenny Gates von PIAS und Daniel Miller von Mute Records an den potenziell zum Verkauf stehenden Labels interessiert.