06.08.2012
International
Washington, D.C. - Der US-Senat hat sein Statement bezüglich des Universal/EMI-Mergers abgegeben: Die US-Kartellbehörde solle den Deal "sorgfältig untersuchen" und die Konsequenzen für den Indie-Sektor, die Digitalbranche und die Musikindustrie als Ganzes abwägen.
Mitte Mai hat der Rechtsausschuss des US-Senats ein Antitrust-Komitee zum Universal/EMI-Merger ins Leben gerufen. In der darauf folgenden Senatsanhörung wurden Lucian Grainge (Vorstandsvorsitzender und CEO der Universal Music Group), Roger Faxon (CEO der EMI Music Group), Irving Azoff (Vorstandsvorsitzender von Live Nation), Edgar Bronfman Jr. (Vorstandsvorsitzender der Warner Music Group, ehemaliger CEO), Martin Mills (Gründer und Vorstandsvorsitzender der Beggars Group) und Gigi Sohn (President von Public Knowledge) als Experten eingeladen – Grainge, Faxon und Azoff haben sich für, Bronfman, Mills und Sohn gegen den Deal ausgesprochen.
Nun haben die US-Senatoren Herb Kohl, Vorsitzender des Antitrust-Komitees, und Mike Lee einen Brief an Jonathan Leibowitz, Vorsitzender der US-Kartellbehörde, verfasst, in dem sie ihre Bedenken ausführen. Kohl und Lee argumentieren, dass Universal und EMI gemeinsam einen Marktmacht von knapp 40 Prozent in den USA hätten und dass der Merger daher "sehr sorgfältig überprüft" werden müsse. Dabei solle die Kartellbehörde insbesondere die Veränderungen der Musikindustrie im letzten Jahrzehnt bedenken und die Auswirkungen, die der Universal/EMI-Merger auf den digitalen Musikmarkt haben könnte.
Zudem müsse auch eruiert werden, welchen Einfluss der Deal auf den physischen Verkauf haben könnte. Kohl und Lee zeigten sich besorgt über einen möglichen Preisanstieg, den Universal und EMI aufgrund ihrer dominanten Rolle durchsetzen könnten. Dass Piraterie dem entgegenwirken könnte, wie von Universal argumentiert, solle von der Kartellbehörde unter die Lupe genommen werden.
Schließlich gehen Kohl und Lee in ihrem Schreiben an Leibowitz auch auf die Zukunft des Independent-Sektors und neuer Künstler ein. Es müsse ausgeschlossen werden, dass ein Universal/EMI-Merger Indie-Labels in Gefahr bringen könnte. Insgesamt solle sich die Kartellbehörde im Zuge der Untersuchung des Universal/EMI-Mergers auf folgende Punkte konzentrieren:
Ein Universal-Sprecher hat im Hinblick auf den Brief der zwei Senatoren kommentiert, dass der Konzern eng mit der US-Kartellbehörde zusammenarbeitet, berichtet "Music Week". Der Universal/EMI-Merger würde neue Möglichkeiten für Newcomer und etablierte Künstler schaffen, das Angebot vergrößern und neue digitale Dienste unterstützen.
Neben der Untersuchung der US-Kartellbehörden hat sich Universal in den vergangenen Wochen auch dem wachsamen Auge der Kartellbehörde der Europäischen Kommission gestellt. Im finalen Angebot an die Kommission bot Universal an, nicht nur EMI-, sondern auch Universal-Label und -Roster in der EU zu verkaufen.