22.06.2012
Wirtschaft
New York – Am Donnerstag, 21. Juni, fand im US-Senat die Anhörung zum Universal/EMI-Merger statt. Die wichtigsten Positionen der Teilnehmer waren bereits vorab den vorformulierten Niederschriften zu entnehmen. Einen Tag nach der Anhörung zum Universal/EMI-Merger lassen sich weitere Aussagen zusammenfassen.
Die Gegner des Universal/EMI-Mergers warnen vor der großen Marktmacht, die Universal Music durch den Zusammenschluss mit EMI Music erhalten würde. Die Befürworter sehen Universal Music als kompetenten Partner, der EMI Music zurück zu alter Stärke verhelfen könne.
Die Gegner
Gigi Sohn von der Verbraucher-Organisation Public Knowledge erläuterte in der gestrigen Anhörung, dass Universal Music bereits in der Vergangenheit die Macht besessen habe, Preise zu bestimmen. Als Beispiel nannte Sohn eMusic. Das Download-Portal hätte seine Preisstruktur im Jahr 2010 angepasst, erst dann hätte Universal Music seinen Katalog lizenziert. Allerdings sei es Sohn nicht gelungen, darzustellen, inwiefern Universal Music und EMI Music gemeinsam Hindernis Fortschritt hindern würden, meldet "Billboard".
Martin Mills, Gründer und Chairman der Beggars Group, glaubt, Künstler würden durch einen Universal/EMI-Merger benachteiligt. Ein noch größeres Universal würde noch weniger Risiken bei neuen Signings eingehen und nur Acts unter Vertrag nehmen, die finanziellen Erfolg garantieren, zitiert "Billboard" Mills.
Edgar Bronfman, Vorstandsvorsitzender der Warner Music Group, bemängelte, dass Universal Music und EMI Music gemeinsam etwa die Hälfte aller Chart-Hits kontrollieren würden, woraufhin Michael Lee, einer der US-Senatoren, anmerkte, man wolle niemanden dafür bestrafen, viele Hits zu haben. Lee stellte die Frage, ob EMI Music mit einem Musik-Konzern im Rücken nicht besser aufgestellt sei als mit einer Finanzriesen wie der Citigroup.
Die Befürworter
Lucian Grainge, Vorstandsvorsitzender und CEO der Universal Music Group, und Roger Faxon, CEO der EMI Music Group, betonten während der Senats-Anhörung immer wieder, dass man EMI Music neu aufbauen wolle, um ein erfolgreiches Unternehmen zu schaffen, dass in Künstler investieren kann. Dadurch würde letztendlich mehr Musik veröffentlicht werden. Dieses Argument ließ Bronfman laut "Billboard" nicht zählen: Es sei viel wahrscheinlicher, dass EMI seinen Künstlerstamm verkleinern müsse. Dies hätten die Merger Universal/Polygram (1999) oder Sony/BMG (2004) sowie Warner Musics eigene Restrukturierungs-Maßnahmen gezeigt.
Al Franken, ein weiterer US-Senator, sprach Lucian Grainge auf die Worte seines Vorgängers Doug Morris an. Morris habe gesagt, Universal Music habe nicht vor, ein anderes Unternehmen aufzubauen, ohne einen Teil des Unternehmens zu bekommen. Universal Musics Strategie sei es, im Gegenzug für Lizenzen einen Anteil am lizenz-nehmenden Unternehmen zu erhalten. Grainge erwiderte laut Digital Music News, dass er in diesem Punkt mit seinem Vorgänger Doug Morris nicht übereinstimme. Es sei im Interesse von Universal Music, den Konsumenten so viele Gelegenheiten wie Möglich zu bieten, an Musik zu gelangen.
Auch Mary J. Blige meldete sich zu Wort: Laut "Musik Week" habe die Sängerin sich in einem Brief an Herb Kohl, den Vorsitzenden der Senats-Anhörung, gewandt und sich für den Universal/EMI-Merger ausgesprochen. Universal Music würde EMI auf brilliante Art und Weise führen und EMI-Künstler beflügeln.