08.07.2011
International
Los Angeles/London - Die US-amerikanische Entertainment-Industrie hat nach mehrjährigen Verhandlungen einen Durchbruch im Streit um die Verantwortung von Internet Service Providern (ISPs) im Kampf gegen Online-Piraterie erlangt. So haben sich die Musik- und Film-Industrie mit den ISPs auf ein abgestuftes System namens "Copyright Alerts" geeinigt.
Das Programm sieht eine Reihe von Vorgehensweisen vor, ISP-Kunden zu benachrichtigen, wenn über ihren Account rechtlich geschützte Inhalte wie Musik oder Filme heruntergeladen wurden, sowie Maßnahmen, die von den ISPs im Fall von wiederholten Urheberrechtsverletzungen eingeleitet werden. Bis zu sechs Warnhinweise sollen die ISPs an betroffene Kunden versenden. Sowohl die Entertainment-Industrie als auch die ISPs gehen davon aus, dass Urheberrechtsverletzungen bereits nach den ersten beiden Warnhinweisen stark reduziert werden können. Das Besondere an dem System: Die Kunden-Details werden nicht ohne einen Gerichtsbeschluss an die Urheber weitergegeben.
Teil des mehrstufigen Warnsystems ist zudem ein neu geschaffenes Center For Copyright Information. Diese Behörde dient u.a. dem Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten ISPs. Das Center For Copyright Information übernimmt außerdem eine Aufklärungsfunktion unter den Online-Usern in Sachen Copyright.
Die Vereinbarung, die u.a. vom US-Musikverband RIAA, dem Indie-Verband A2Im sowie dem US-Filmverband MPAA unterzeichnet wurde, wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. Auf Seiten der ISPs wurde der Vertrag von Branchenriesen wie Comcast, Cablevision, Time Warner und Verizon unterschrieben.
"Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne", so RIAA-Präsident Cary Sherman. "Bis jetzt gab es kein einheitliches System, das Internet-Nutzer auf den Diebstahl geistigen Eigentums hingewiesen hätte." Frances Moore, Chief Executive Officer der IFPI mit Sitz in London, beurteilt die Vereinbarung in den USA als starkes Signal an andere Länder. Auch der europäische Dachverband der Indies, IMPALA, begrüßt die Zusammenarbeit der Inhalteanbieter mit den ISPs in den USA und bezeichnete die Kooperation in einer Pressemitteilung als exzellentes Besipiel für eine produktive Partnerschaft, um die Arbeit von Kreativen zu schützen. "Was in den USA funktioniert, müsste auch in Europa möglich sein", so Helen Smith, Executive Chair IMPALA. Die Europäische Kommission spiele eine zentrale Rolle dabei, eine ähnliche Vereinbarung mit europäischen ISPs auszuhandeln.
In anderen Ländern wird nach wie vor über verschiedene Systeme und die Einbeziehung der ISPs im Kampf gegen Online-Piraterie verhandelt. In Großbritannien streiten sich die Verbände nach wie vor über den so genannten "Digital Economy Act". Geoff Taylor, Chef des britischen Verbands BPI, nahm die Neuigkeiten aus Übersee zum Anlass, nochmals Druck auf die britischen ISPs auszuüben. So forderte er BT und Talk Talk dazu auf, endlich mit der Kreativindustrie zusammenzuarbeiten und die "Verzögerungstaktiken" zu beenden.