11.12.2012  Recorded Music  Digital+Mobil

Streaming: Zahlen Spotify und Co. zu viel an Labels und Künstler?

 

New York – Bislang drehten sich die Diskussionen zum Thema Streaming eher darum, dass Künstler zu wenig Geld von Spotify und Co. erhielten. Dabei schütten Streaming-Dienste mehr Geld an Labels und Künstler aus, als beispielsweise terrestrisches Radio, so "Billboard". Das US-Branchenblatt zitiert David Pakman von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Venrock, laut dem das Geschäftsmodell Streaming unter den aktuellen Tarifen nicht haltbar sei.

Zudem zitiert "Billboard" die Befunde von David Touve, Lehrbeauftragter für Betriebswirtschaftslehre an der Washington And Lee University in Virginia. Touve habe errechnet, dass trerrestrisches Radio nur einen Bruchteil von dem, was Spotify und Co. abgeben müssen, an Labels und Künstler zahlt. Da Labels in den USA überhaupt kein Geld von terrestrischen Radiostationen erhalten – mit der Begründung Radio-Plays seien kostenlose Promotion –, betrachtete David Touve den UK-Musikmarkt. Laut Touve betrage der Wert eines Plays im terrestrischen Radio in Großbritannien 0,00012 US-Dollar pro Hörer. Dies sei nur 1/36tel von dem, was Spotify ausschütte (0,0042 Dollar pro Play) bzw. ein Zehntel von dem, was ein Webcaster wie Pandora zahle (0,0011 Dollar).

Gute Nachrichten?

Gepaart mit den Befunden des US-Marktforschers NPD-Group, laut denen Hörer zunehmend Streamen, statt klassisches Radio zu hören, sollten dies gute Nachrichten für Labels und Künstler sein, heißt es weiter. Zumindest solange es nach wie vor keine Beweise dafür gebe, dass Streaming dem klassischen Download-Geschäft den Rang ablaufe. Noch befände sich das Digitalgeschäft in den USA im Aufschwung und auch CD-Verkäufe ließen nicht stärker nach, als vor dem Aufkommen der ersten Streaming-Dienste.

Zu hohe Raten für Streaming-Dienste?

Laut David Pakman von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Venrock, machten die vergleichsweise hohen Raten für Streaming-Dienste selbigen zu schaffen. Pakman sei skeptisch, dass ein digitales Musikunternehmen unter den aktuellen Raten überhaupt profitabel werden könne. Spotify-CEO Daniel Ek auf der anderen Seite sagte in einem Interview mit AllThingsD.com kürzlich, dass Spotify mit den Raten "unglaublich glücklich" sei. Er räumte allerdings auch ein, noch nicht profitabel zu sein. Deshalb sei Wachstum auch das oberste Ziel von Spotify. Bereits in der Pressekonferenz zum bevorstehenden Spotify-Relaunch gab Ek bekannt, jeden Menschen auf dem Planeten mit Spotify erreichen zu wollen.

Dies sei laut "Billboard" auch notwendig, lege man die befunde von David Touve zugrunde, laut denen Spotify 36 Mal mehr an Labels und Künstler zahlt, als terrestrisches Radio. Deshalb müsse Spotify global operieren, während Radiosender lokal agieren könnten. Allerdings lässt sich ein On-Demand-Dienst wie Spotify mit einem Radio, dessen Programm sich der Hörer nicht aussuchen kann, nicht ohne weiteres direkt vergleichen.

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