23.05.2014  Recorded Music  Digital+Mobil

Streaming: YouTube droht Indies mit Sperrung

 

Brüssel/Berlin – YouTube plant laut mehreren Berichten noch diesen Sommer mit seinem Premium-Streaming-Dienst Music Pass an den Start zu gehen. Die Deals, die für einen solchen Service notwendig sind, wurden mit den Majors bereits getroffen. Eine Einigung mit dem Sektor der unabhängigen Musikunternehmen steht noch aus, weil YouTube laut den Indies ungünstige und nicht verhandelbare Vertragsbedingungen stellt. Zudem droht die Google-Tochter, Inhalte der Indies zu sperren, sollten diese nicht unterzeichnen.

Sowohl das Worldwide Independent Network (WIN) als auch der Indie-Verband IMPALA sowie der Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) teilen mit, dass ihre Mitglieder von YouTube vor die Wahl gestellt wurden, ihre Musikkataloge entweder zu den von YouTube gestellten Bedingungen zu lizenzieren, oder die Sperrung ihrer Inhalte in Kauf zu nehmen. Die von YouTube gestellten Vertragebedingungen seien "ungünstig und nicht verhandelbar", heißt es etwa in einer Mitteilung des VUT.

Die Raten, die YouTube für die Rechteinhaber vorsieht, liegen unter den gängigen Streaming-Raten wie sie etwa von Spotify, Deezer und Co. gezahlt werden. Viele Indies fühlen sich benachteiligt, schließlich steuern sie mit einem weltweiten Marktanteil von 30 Prozent für einen großen Teil der Inhalte, die auf YouTube erhältlich sind, bei. Weltweit landet der Independent-Sektor laut Angaben von WIN sogar hinter Universal Music, was die Marktanteile angeht.

Schadet sich YouTube selbst?

Laut Alison Wenham, CEO von WIN und Chairman der Association of Independent Music (AIM), seien unabhängige Musikunternehmen auf eine Vielzahl von Umsatzquellen angewiesen, um in neue Talente investieren zu können. Nun würde sie von einem der größten Unternehmen der Welt dazu gezwungen, Bedingungen zu akzeptieren, die nichts mit den gängigen Raten im Streaming-Sektor zu tun hätten.

YouTube dürfte sich auch selbst schaden, sollte das Videoportal die Indies vergraulen. Charles Caldas, CEO von Merlin, wies im Interview mit "musikmarkt" darauf hin, das auch Myspace einst der Meinung war, ohne die Songs der Independents an den Start gehen zu können. Das Schicksal des einst beliebtesten Sozialen Netzwerks ist bekannt.

VUT: "Eine Frechheit"

Nun macht YouTube in den Augen der Indie-Verbände und -Vertreter denselben Fehler. Mit Universal, Warner und Sony gebe es bereits eine Einigung, heißt es in der Mitteilung des VUT. Der VUT-Vorstand erklärte in einem Statement: "Wir stellen mit Bedauern fest, dass YouTube unabhängige Unternehmen unter Druck setzt, die sich bisher dafür entschieden haben, den angebotenen Vertrag nicht zu unterschreiben. Wir bewundern zwar neue, disruptive Geschäftsmodelle, dennoch liegt uns eine faire und angemessene Vergütung, die dem Wert der künstlerischen Leistung entspricht, weitaus mehr am Herzen. Darum fordern wir YouTube auf, nicht gegen uns zu arbeiten, sondern mit uns zu verhandeln."

Jörg Heidemann, stellvertretender Geschäftsführer des VUT, ergänzt: "Kleine und mittlere Musikunternehmen auf diese Art und Weise anzugehen, um sie in untragbare Verträge zu zwingen, ist eine Frechheit. YouTube missbraucht hier ganz klar seine Marktposition – ein Verhalten, das wir keinesfalls tolerieren können. Unabhängige Musikunternehmen stellen 30 Prozent des Musikmarkts dar und darauf werden YouTube-Nutzer und –Nutzerinnen nicht verzichten wollen. Darum erwarten wir von YouTube genau wie von anderen Musikdiensten eine faire Vergütung und faire Vertragsbedingungen, die es Künstlern und Künstlerinnen sowie den KMU der Musikwirtschaft erlauben, von ihrer Arbeit leben zu können."

YouTube: wichtiger Service

Vertreter unabhängiger Musikunternehmen aus der ganzen Welt fühlten sich veranlasst, ein Statement zu den Verhandlungspraktiken YouTubes abzugeben, darunter auch Helen Smith, Executive Chairman von IMPALA, laut der Google ein Interesse an einem System haben sollte, das Künstler fair vergütet. Independents seien für 80 Prozent der neuen Releases, die für YouTube so wichtig seien, verantwortlich. Rich Bengloff, der Präsident der American Association of Independent Music (A2IM), hofft darauf, mit YouTube, einem "sehr wichtigen Service", noch auf einen Nenner zu kommen.

Auch aus Australien (David Vodicka, AIR), Österreich (Alexander Hirschenhauser, VTMOE), Brasilien (Luciana Pegorer, Managing Director ABMI), Kanada (Stuart Johnston, Präsident CIMA), Dänemark (Kristoffer Rom, Co-Chairman DUP), Finland (Tapio Korjus, Chairman IndieCo), Frankreich (Jérome Roger, General Manager UPFI), Italien, den Niederlanden (Kees van Weijen, STOMP), Neuseeland (Scott Muir, Deputy Chair of Independent Music), Portugal (Nuno Saraiva, Vice President AMAEI), Spanien (Mark Kitkatt, UFI), Schweden, Südkorea (Chan Kim, Chairman LIAK) und Vietnam (Mimi Nguyen, Lang Van) gab es Stellungnahmen.

>>In unserem Artikel "YouTube: Großes Umsatzpotenzial oder Künstler-Ausbeutung?" setzten wir uns ausgiebig mit YouTube als Geschäftsmodell auseinander. Als Abonnent finden Sie den Artikel selbstverständlich auch online.

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