29.07.2015  Recorded Music  Wirtschaft

Streaming: Verlage und Autoren machen Front gegen "Mini-Lizenzen"

 

Bonn – Mit einem gemeinsamen Appell wollen die deutschen Berufsverbände der Komponisten (DKV), Textdichter (DTV) und Musikverleger (DMV) auf die ihrer Ansicht nach "völlig unangemessenen Mini-Lizenzen" aufmerksam machen, die ihnen von den Streaming-Diensten zuteil werden. Ihre Forderung: gleiche Anteile für Labels und Verlage.

Darum schließen die deutschen Musikberufsverbände sich den Forderungen des weltweiten Internationalen Rates der Musikautoren in Verwertungsgesellschaften (CIAM) an, dass nach einem Abzug von 20 Prozent der Streaming-Einnahmen für die Musikdienste die verbleibenden 80 Prozent je zur Hälfte an Labels und Künstler einerseits und Autoren und Verleger andererseits verteilt werden sollen. Außerdem kritisieren sie eine fehlende Transparenz der Abrechnungen und sprechen von einer Diskriminierung der kreativen Leistungen auf dem Musikmarkt.

Die 15 größten Steaming-Dienste, darunter Spotify, Deezer, Apple Music, Napster und Tidal, machten in Deutschland allein im ersten Halbjahr 2015 nach Angaben der Musikindustrie einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. 2,5 Millionen Deutsche nutzen kostenpflichtige Streaming-Abonnements. Laut DMV erwarten Marktforscher in drei Jahren zwölf Millionen Streaming-Nutzer allein in Deutschland.

Auf dem Weltmarkt steigt die Nutzung von Bezahl-Abo-Services für Musik um fast 40 Prozent und macht 23 Prozent des Digitalmarkts aus. In über 37 Ländern der Erde ist der Streaming-Anteil bereits größer als der Anteil von Downloads, beispielsweise in Spanien. In Großbritannien wurden rund 500 Millionen Streams pro Woche gezählt.

"Millionengrab" für Kreative und Verleger befürchtet

In dem gemeinsamen Appell drücken die Verbände ihre Befürchtung aus, dass die aktuelle Verteilung für Komponisten, Textdichter, Musikverleger und Künstler "zu einem Millionengrab werden" könnte, "weil die Streaming-Dienste zwar weltweit viele Millionen Euro abgreifen, aber die Kreativen nicht angemessen beteiligen."

Den größten Teil der Streaming-Einnahmen würden demnach die multinationalen Tonträgerkonzerne abgreifen, die aber oftmals auch nur kleine Teile an ihre Interpreten weiterleiten würden. Die Lizenzzahlungen für die Masterrechte der Tonträgerunternehmen auf der einen Seite und die für die Urheberrechte der Autoren und Musikverleger auf der anderen Seite seien im Streaming-Bereich "völlig unverhältnismäßig".

In dem Appell der drei Verbände heißt es weiter: "Es ist höchste Zeit, dass diese Ungerechtigkeit und mangelnde Fairness beendet wird. Wir fordern umgehend eine deutliche Erhöhung der Lizenzen, damit die Autoren und Verleger nicht mit Mini-Cent-Beträgen pro Stream um ihre Existenz fürchten müssen. Unser Motto lautet: Mehr Transparenz für Musikschaffende beim Streaming. Mit der unfairen Minimalvergütung von Autoren und Musikverlegern muss Schluss sein."

"Die Lizenzeinnahmen durch Streaming haben Almosen-Niedrigststände erreicht"

Prof. Dr. Rolf Budde, Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbandes (DMV): "Das ist ein absolutes Missverhältnis und ist unfair gegenüber den Autoren und Verlegern. Die Konditionen pro Stream sind für uns dramatisch niedrig. Um z.B. den Wert eines Downloads für einen Titel zu erreichen, muss ein Song 25 Mal gestreamt werden, obwohl es sich um die gleiche Produktion handelt. Das ist kaum nachzuvollziehen.“

Ralf Weigand, Vize-Präsident des Deutschen Komponisten-Verbandes (DKV): "Die Lizenzeinnahmen durch Streaming haben bei den Autoren und Musikverlegern Almosen-Niedrigststände erreicht. Das massenhafte Streaming ist eigentlich nur für die Konzerne profitabel. Die Kreativen werden mit Mikro-Zahlungen abgespeist. Es ist höchste Zeit, dass sich die kreativen Schöpfer auf dem Musikmarkt solidarisieren und gemeinsam verhindern, dass ihre Werke im Internet verschleudert werden, während die Tonträgerfirmen hohe Einnahmen erzielen, die wohl nur zu einem kleinen Teil an die Künstler weitergegeben werden."

Frank Dostal, Präsident des Deutschen Textdichter Verbandes (DTV): "Die Musik bildet die Voraussetzung, um das Streaming zu einem großen Erfolg zu machen. Es ist darum höchste Zeit, den Musikschöpfern den Anteil einzuräumen, den sie verdienen."

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