28.10.2013  Recorded Music  International

Schweden: Klage gegen Warner und Universal wegen Spotify-Einnahmen geplant

 

Stockholm - Auch in Spotifys Heimat Schweden sind die Künstler wenig begeistert von geringen Streaming-Erträgen. Allerdings trifft ihr Unmut gar nicht Spotify, sondern Universal Music und Warner Music, die sich zu viel vom Kuchen abschneiden, wie die Musikergewerkschaft findet.

Nun haben sich eine Gruppe schwedischer Musiker zusammengefunden und drohen Universal Music und Warner Music mit einer Klage. Sie fordern, dass sie einen fairen Anteil an den Streaming-Einnahmen erhalten oder sie werden ihre Musik von dem Dienst abziehen lassen.

Zum Hintergrund: Die meisten Labels wenden auf die Einnahmen von Streaming-Diensten das gleiche Prinzip an wie beim Verkauf physischer Tonträger. Das bedeutet, dass der Künstler im Endeffekt etwa sechs bis zehn Prozent der Einnahmen erhält. Doch die Kosten und Risiken beim Beliefern von Streaming-Diensten sind ganz andere und deutlich geringer wie bei der Produktion von physischen Tonträgern und der Auslieferung an Händler, argumentieren die Künstler. "The Guardian" rechnet vor: Erhält das Label die durchschnittlichen 0,5 Pence (knapp 0,59 Cent) pro Stream, kommen beim Künstler davon im besten Fall 0,05 Pence an. Aufgerechnet bedeutet das nur 500 Pfund bei einer Million Streams, obwohl das Label bei der Anzahl Streams 4.500 Pfund einstreicht.

Zudem, so Per Herrey, Anwalt der schwedischen Musikergewerkschaft, stammen viele Verträge aus einer Zeit, in der das digitale Zeitalter noch lang nicht angebrochen war. Verträge aus den 80er Jahren können die Aufteilung der Einnahmen aus Downloads und Streaming-Diensten gar nicht behandelt haben. Bei digitalen Lizenzen hätten die Musiker ein Anrecht auf eine 50/50-Aufteilung der Einnahmen, so Herrey.

Dieselbe Argumentation hatte Eminems ehemalige Produktionsfirma FBT Productions in einer Klage gegen Universal Music 2007 eingesetzt. Damals hatten Mark und Jeff Bass, das FBT-Produzenten-Team hinter vielen Eminem-Songs, Universal Music verklagt – wegen nicht bezahlter Tantiemen. FBT wollte als Rechteinhaber für ältere Songs von Eminem den für Lizenzierungen vereinbarten Satz von 50 Prozent statt dem bei CD-Verkäufen üblichen Anteil von zwölf Prozent bei Universal Music, dem Label von Eminem, einklagen. Erst zwei Jahre später kam es zu einem Urteil: Im März 2009 wies ein Gericht die Forderungen zurück. Die ehemaligen Eminem-Produzenten gingen vors US-Berufungsgericht 9th Circuit Court Of Appeals und bekamen 2010 Recht: Eminems ehemalige Produktionsfirma habe Anspruch auf 50 Prozent der digitalen Einnahmen von Universal Music, entschied das Berufungsgericht. Die zwei Seiten haben sich schließlich vor einem Jahr außergerichtlich geeinigt, finanzielle Details wurden jedoch nicht bekannt.

Es folgte eine Klagewelle zahlreicher Künstler, gegen Universal Music, darunter The Temptations, die Sugarhill Gang und Rob Zombie. Der Grund war immer derselbe: Die Künstler fühlten sich um Tantiemen betrogen, weil auch ihre Verträge in der Zeit vor iTunes abgeschlossen worden waren und der digitale Verkauf von Musik in diesen Verträgen noch nicht spezifiziert worden war.

Auch Sony Music musste sich mit mehreren Acts wegen angeblich nicht bezahlter Tantiemen einigen. Im März 2012 zahlte Sony Music 7,95 Millionen US-Dollar, um Tantiemen-Streits unter anderem mit den Allman Brothers, Cheap Trick und The Youngbloods zu beenden.

Die schwedischen Künstler haben ihre Pläne, gegen Universal und Warner Music vorzugehen, auf der Songwriter-Convention STIM Music Expo in der vergangenen Woche angekündigt. Am selben Tag wurde verkündet, dass sich die schwedische Verwertungsgesellschaft STIM nach fünf Jahren auf einen neuen Vertrag mit YouTube geeinigt hat. Im Gegensatz zu YouTube sei Spotify finanziell allerdings sogar ertragreicher als YouTube, so "The Guardian": YouTube behalte noch mehr der Werbeeinnahmen als Spotify.

Besonders relevant sind die Erträge aus Streaming-Diensten für schwedische Künstler, da Einnahmen aus dem Streaming-Sektor und vor allem von Spotify mittlerweile über 70 Prozent der Einnahmen auf dem Tonträger-Markt Schwedens ausmachen. Zehn Prozent der schwedischen Bevölkerung haben ein Spotify-Abo, zudem haben Musik-Downloads nicht im gleichen Maß Fuß fassen können wie in anderen Ländern, während gleichzeitig der physische Tonträgermarkt stark einbrach.

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