08.07.2016

Schluss, Aus, Vorbei

 

Sicher, es hätten sich auch andere Formulierungen für die finale Headline finden lassen: Die letzte Ausfahrt, Ende und Aus, Ruhe in Frieden oder, wie Andy Zahradnik, unser Korrespondent in Wien, getitelt hat: Der letzte Walzer. Egal, schließlich weiß mittlerweile jeder worum es geht:

„musikmarkt“ wird es nach ziemlich genau 57 Jahren nicht mehr geben. Und zu behaupten, dass mir diese Zeilen nicht extrem schwer fallen würden, wäre eine glatte Lüge. Aber wie haben wir es in der Redaktionskonferenz beschlossen? Trauer ist erlaubt, gerne auch ein wenig Sentimentalität, ein bisschen Wehmut hier und da, bitte sehr, aber bestimmt kein triefendes Pathos. Und auch kein Blick zurück im Zorn.

Stichwort Erinnerung: Als wir 2009 ein rundes Jubiläum gefeiert haben, hieß unser Motto: „50 Jahre mittendrin“. Und natürlich hätte ich, hätten wir alle liebend gerne den sechzigsten noch mitgenommen, womöglich doch noch einmal ein rauschendes Fest gefeiert. Mit der Branche und für die Branche. Schön wär’s gewesen. Stopp: jetzt bin ich dort angekommen, wo ich nicht hin wollte, mittendrin im berüchtigten Konjunktiv: hätte, hätte, Fahradkette, wie ein Kanzlerkandidat der SPD vor ein paar Jahren gedichtet hat. Genau die ist uns jetzt, um im Bild zu bleiben, gerissen, nicht kurz vor dem Ziel, aber kurz vor der Zielgeraden des nächsten runden Geburtstags. Das allerdings klingt fast schon mehr nach Komödie als nach Tragödie.

Warum es soweit gekommen ist? Dafür gibt es nicht den einen Grund, sondern eine ganze Reihe von Gründen. Die lang andauernde Krise einer Branche, die, jedenfalls im Moment, Vergangenheit zu sein scheint, ist vielen, auch uns, an die Substanz gegangen. Das ist das eine. Das andere ist die Wucht, mit der die Digitalisierung jede Branche herausfordert. Und solange die meistens noch print-dominierten Verlage kein digitales Geschäftsmodell gefunden haben, mit dem sie tatsächlich und nicht nur scheinbar Geld verdienen, wird der digitale Durchbruch auf sich warten lassen. Trotz allem, das Leben geht weiter, irgendwie und sowieso. Und wenn nur ein Körnchen Wahrheit darin steckt, dass mit jedem Ende auch etwas Neues beginnt, hoffen wir einfach alle auf eine spannende Zukunft.

Bevor ich mich jetzt von Ihnen verabschiede, möchte ich mich ausdrücklich bedanken: bei meinem Team für Leidenschaft und Engagement über all die Jahre, bei unseren Kollegen des Keller Verlages für ihre Unterstützung und bei unseren Freunden und Partnern für ihre kritische Solidarität. Behalten Sie uns in guter Erinnerung!

Herzlichst Ihr
Stefan Zarges

P.S.: Die letzte Ausgabe des „musikmarkt“ können übrigens alle Leser kostenlos als ePaper auf >> musikmarkt ePaper 07/2016 << lesen.

3 Leser fanden diesen Beitrag lesenswert

1 Leser fand diesen Beitrag weniger lesenswert

Vielen Dank für Ihre Meinung.

Sie haben schon an der Berwertung teilgenommen.

Sie haben ihre Meinung geändert.


 
 

 

Weitere News