21.09.2012
Messen/Events
Hamburg - "Die großen Drei": Unter diesem Titel diskutierten am 20. September je ein Repräsentant der GEMA, der französischen SACEM sowie der britischen PRS For Music die Unterschiede zwischen den drei größten europäischen Märkten bei einem Panel im Rahmen des Reeperbahn Festival 2012.
Eröffnet wurde die Runde von Claude Amardeil, General Counsel der französischen Verwertungsgesellschaft SACEM. Er erläuterte die Arbeit der HADOPI-Behörde, die in Frankreich für die Umsetzung des "Three Strikes"-Modells verantwortlich zeichnet. Das Prinzip: Bei Urheberrechtsverletzungen werden Internetnutzer mit einer Warnung angeschrieben. Hört der User mit dem illegalen Herunterladen von Inhalten nicht auf, wird er erneut angeschrieben. An dritter Stelle steht eine Geldstrafe oder das Kappen des Internetanschlusses für einen Monat. Die Einführung des "Three Strikes"-Gesetzes ist mittlerweile zweieinhalb Jahre her, 2010 begann die Hadopi mit der Umsetzung. Seit Anfang Juli wurden laut Amardeil drei Millionen Rechtsverstöße registriert. Bislang sei jedoch lediglich ein User vor Gericht verurteilt worden. So meldete HADOPI vor kurzem die erste Geldstrafe an einen Raubkopierer.
Claude Amardeil betonte, es gehe bei dem Modell nicht darum, Konsumenten zu kriminalisieren, sondern Internet-Nutzer und Musikfans für das Thema Urheberrecht zu sensibilisieren und ein Bewusstsein für die Wertigkeit von Musik zu schaffen. Dass gegebenenfalls der Internet-Zugang gesperrt werden könnte, schrecke viele Nutzer vor illegalen Angeboten ab, so Amardeil.
Die SACEM wertet das Modell als Erfolg: 92 Prozent der Nutzer, die ein zweites Mahnschreiben erhalten hätten, würden danach nicht mehr gegen das Urheberrecht verstoßen. Insgesamt sei die Nutzung von illegalen Filesharing-Plattformen in Frankreich zurückgegangen, so Amardeil, während gleichzeitig immer mehr User auf legale Angebote wie das Streaming-Portal Deezer zugreifen.
Ben McEwen, Director of Media Licensing bei PRS for Music, präsentierte einige Zahlen zum britischen Musikmarkt. Dass die rückläufigen physischen Verkäufe nach wie vor nicht vom digitalen Geschäft aufgefangen werden können, ist nicht neu. Jedoch sprach McEwen von einer Stabilisierung des Umsatzes, der sich im Digital-Segment auf 630.8 Millionen Britische Pfund beläuft. Die Einnahmen aus internationalen Tantiemen betragen 29,8 Prozent. So wurden 188 Millionen Pfund aus 150 Ländern weltweit eingenommen.
Im Gegensatz zur GEMA in Deutschland habe die PRS For Music in England kein Image-Problem, leitete Moderator Jan Hendrik Becker vom NDR zur Präsentation von Alexander Wolf, Syndikus für internationale Rechte bei der GEMA, über. Wolf wies auf die verschiedenen Verpflichtungen der GEMA im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen hin und erläuterte den rechtlichen Rahmen, in dem die GEMA agiert.