10.05.2012  Recorded Music  Wirtschaft

Piratenpartei NRW: Online-Dialog zum Thema "Urheberrecht" u.a. mit Philip Ginthör

 

Berlin - Vier Tage vor der Landtagswahl NRW veranstaltete die Piratenpartei eine Urheberrechtsdebatte im Internet. Auf dem virtuellen Podium saßen Philip Ginthör, CEO Sony Music Entertainment GSA, und Oliver Stock, Chefredakteur von Handelsblatt Online, sowie Daniel Neumann und Bruno Kramm von der Piratenpartei. Die Moderation übernahm Jörg Heidrich, Justiziar des Heise Zeitschriften Verlags.

Über 250 Zuhörer loggten sich am Mittwochabend in den virtuellen Konferenzraum "ErzEngel" der Piratenpartei ein. Die Piraten hatten im Rahmen ihres Wahlkampfs in Nordrhein-Westfalen zu einer Podiumsdiskussion geladen, um einen Dialog zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern anzuregen. Doch der kam, wie sich zeigte, schnell ins Stocken.

Durch das Internet seien Nutzer erstmals mit dem Urheberrecht in Konflikt geraten, bemerkte Jörg Heidrich zu Beginn. Das habe sich mit den Novellierungen des Urheberrechts noch verstärkt, die alle zugunsten der Urheber erfolgt sind. Seine erste Frage: "Finden Sie das Urheberrecht noch zeitgemäß?" Philip Ginthörs Antwort: "Das Urheberrecht gehört an das digitale Zeitalter angepasst. Werke müssen aber weiterhin geschützt bleiben!" Gleicher Meinung war auch der Urheberrechtsbeauftragte der Piraten Bruno Kramm. Nur darüber, wie eine solche Anpassung aussehen sollte, hatte er erwartungsgemäß andere Vorstellungen. Kramm fordert eine Schutzfristenverkürzung und eine Ausweitung der Schrankenregelung für Privatkopien.

Was privat und was öffentlich ist, auch darüber gab es unterschiedliche Ansichten. Fileharing in P2P-Tauschbörsen sei privat, meinte Bruno Kramm. Sony-Chef Philip Ginthör erklärte, es sei Tatsache, dass dies nicht privat sei. Und Heidrich warf ein, wie Kreative bezahlt werden sollten, wenn alle Inhalte kostenlos verbreitet werden. Kein Problem für Kramm: "Je mehr gedownloadet wird, je höher die Aufmerksamkeit, je mehr wird gekauft!" Dem hielt Ginthör entgegen, dass die freie Verfügbarkeit von Inhalt nachgewiesenermaßen keinen Promotion-Effekt hat. Das Gegenteil sei der Fall; Verkäufe gingen drastisch zurück, wie der Musikmarkt zeige. An diesem Punkt drehte sich das Gespräch im Kreis. Jeder hielt an seinem Standpunkt fest.

Ein neues Thema wurde in die Diskussion gebracht: das Warnhinweismodell. Heidrich wies auf die Vorzüge des von der Musikwirtschaft favorisierten Verfahrens hin: Nutzer erhielten bei einem Verstoß gegen das Urheberrecht nicht gleich eine Abmahnung, sondern einen Hinweis. Kramm hält das Verfahren für unverhältnismäßig. Die dafür notwendige Überwachung der Leitungen sei ein Dammbruch. Dass dabei aber gar keine Leitungen überwacht werden müssten, wie Ginthör einwarf, brachten ihn nicht von seiner Meinung ab. "Die breite Öffentlichkeit sieht keine Verhältnismäßigkeit", so Kramm, "deshalb folgen uns so viele!" Für Stock ist es höchste Zeit, sich Gedanken über Regeln im Internet zu machen. Das Problem dabei sei, dass dann sofort viele schrien: "Achtung Zensur!" Und wieder war das Gespräch ins stocken geraten, die Argumente ausgetauscht.

Beim anschließend diskutierten Thema alternative Vergütungsmodelle gab es immerhin einen Konsens: Die Kulturflate wurde von allen Podiumsteilnehmern abgelehnt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und es gab einen weiteren Konsens, den Philip Ginthör nach anderthalb Stunden Online-Debatte wie folgt formulierte:"Im sozialen Konsum bzw. im monetarisierten Sharing, der die Urheberrechte respektiert, liegt die Zukunft. Finde ich gut!"

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