07.11.2013  Recorded Music  International

Norwegen: Album-Charts beinhalten jetzt auch Streaming

 

Oslo - Die skandinavischen Länder Norwegen und Schweden bleiben weiter Vorreiter in Sachen Streaming. Nach Schweden nimmt nun auch Norwegen Streaming in die offiziellen Album-Charts auf. Die bei Wimp und Spotify verzeichneten Streams sollen in den Single- und Album-Charts einbezogen werden, die damit ein tatsächliches Bild des Konsumverhaltens in Norwegen zeigen.

Marte Thorsby, Managing Director des norwegischen Ablegers der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), sagt folgendes zum neuen Chart-Modell: "Wir haben sehr lange an einem allumfassenden Chart-Modell gearbeitet. Deshalb sind wird sehr glücklich die runderneuerten Album-Charts präsentieren zu können. Von den Einnahmen im Recorded-Music-Geschäft macht Streaming in Norwegen bereits ungefähr 70 Prozent aus, so viel wie in keinem anderen Land der Welt. Deshalb war es nun an der Zeit, diese Entwicklung auch in den Album-Charts deutlich zu machen." Details zur Handhabung, beispielsweise wie viele Streams äquivalent zu einem Album-Verkauf sind, wurden nicht bekannt. In den USA werden Streams seit März 2012 bei der Erhebungs der "Hot 100", der US-Single-Charts, miteinbezogen.

Beflügelt vom stetig wachsenden Geschäft mit Streaming floriert das Musikgeschäft in Skandinavien – Norwegens Musikmarkt verzeichnet 2013 im ersten Halbjahr einen gestiegenen Umsatz von 17 Prozent, Schweden legt mit einem Plus von 12 Prozent ebenfalls kräftig zu. Von derartigen Wachstumsraten kann Deutschland derzeit nur träumen. Im Sommer freute sich die deutsche Musikbranche über die Meldung, dass im ersten Halbjahr 2013 1,5 Prozent mehr Einnahmen im Tonträgergeschäft verzeichnet wurden als im Vorjahr. Dennoch ist der Spielraum noch oben, siehe Skandinavien, groß.

Doch auch in Skandinavien läuft nicht alles glatt: In Schweden beschweren sich Songwriter über die geringen Streaming-Einnahmen. Jedoch ist das Ziel ihres Unmuts nicht Spotify oder andere Streaming-Dienste, sondern ihre Label. Universal und Warner Music wurden beschuldigt, einen unfair großen Anteil an den Streaming-Einnahmen für sich zu behalten, daher erwägen einige Künstler eine Klage gegen die Major-Firmen.

Die deutschen Verbraucher sind in Sachen Musik noch vergleichsweise konservativ. Während in Norwegen und Schweden bereits fast 75 Prozent des Umsatzes in der Musikindustrie auf digitale Verkäufe zurückzuführen sind, wird in Deutschland lediglich jeder vierte Euro mit Downloads oder Streaming erwirtschaftet. Der Bereich Digital ist jedoch in den vergangenen Jahren auch hierzulande ein stark wachsender Sektor.

Max Strumberger

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