30.08.2011  Recorded Music  Digital+Mobil

Neue GfK-Studie: 73 Prozent der Filesharer kaufen keinerlei Musik

 

Berlin - Eine neue von der GfK durchgeführte Studie zur Nutzung von digitalen Inhalten besagt, dass 3,7 Millionen Internetnutzer auf illegale Medienangebote zurückgreifen. Zudem gäben 73 Prozent derer, die auf diese Art Songs konsumieren, keinerlei Geld für Musik aus. "Diese Erkenntnis räumt endlich mit der Mär vom 'vorhörenden Tauschbörsennutzer' auf und zeigt, dass diese hoch netz- und musikaffine Gruppe sich eben doch den Kauf von Musik erspart", so BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke. "Das hohe Unrechtsbewusstsein und die Aussage dieser Gruppe zur Wirksamkeit von sanktionierten Warnhinweisen sollten eine klare Handlungsanweisung an den Gesetzgeber sein." Doch die Studie beschäftigt sich nicht nur mit der Musikbranche, sondern dem gesamten von der illegalen Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke betroffenen Entertainment-Sektor.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass 19,9 Millionen Personen im vergangenen Jahr Medieninhalte aus dem Internet heruntergeladen oder als Stream genutzt haben. Downloads wurden von 14,3 Millionen Personen heruntergeladen, von denen 10,6 Millionen ausschließlich aus legalen Quellen stammen. Die 3,7 Millionen User, die illegale Quellen nutzten, haben 2010 insgesamt 185 Millionen Einzeltracks, 46 Millionen Alben, sechs Millionen Hörbücher, 14 Millionen E-Books, 54 Millionen Filme sowie 23 Millionen TV-Serien illegal heruntergeladen.

Die Anzahl der illegal beschafften Alben-Downloads ist dabei drastisch um 35 Prozent gestiegen – 2010 wurden ganze 76 Prozent der digitalen Alben illegal heruntergeladen. Bei den Einzeltracks ist der Trend jedoch rückläufig und um 28 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Die Beschaffung der Medieninhalte unterscheidet sich häufig dem Produkt entsprechend: So würden E-Books häufig per E-Mail verbreitet, während Fernsehserien meist legal in Mediatheken gesehen und Musik häufig auf Videostreaming-Portalen konsumiert wird. Filme hingegen wurden 2010 zumeist auf illegalen Streaming-Seiten wie kino.to angesehen. Als häufigste Quelle für illegal verbreitete Inhalte nennt die Studie Sharehoster wie RapidShare.

Dr. Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU, kommentiert: "Die Analysen zeigen deutlich: Die Vielfalt an Technologien, die für Urheberrechtsverletzungen missbraucht werden, wächst weiter. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf, auch gesetzgeberisch. Unzureichende Rechtsschutzmöglichkeiten und eine nicht abschließend geklärte Rechtslage hinsichtlich der Nutzung illegaler Streaming-Angebote schaffen geradezu Anreize für die illegale Nutzung fremder Werke durch skrupellose Anbieter, aber auch aufseiten der Nutzer."

Daneben bereitet auch das Austauschen gesamter Festplatten Kopfzerbrechen. 17 Prozent der Bevölkerung hätten angegeben, 2010 Medieninhalte auf Festplatten getauscht zu haben – bei den 10- bis 29-Jährigen waren es gar fast 40 Prozent. "Wenn man bedenkt, dass die kleinsten externen Festplatten heute ein Volumen von rund 100 GB haben, wird klar, dass ein solcher Tausch den Medienbedarf für lange Zeit stillt", so Drücke.

Auch über eine mögliche Lösung gibt die Studie Aufschluss: 57 Prozent der Bevölkerung glauben, dass "Personen, die illegal Medieninhalte anbieten oder herunterladen, ihr Handeln nach einer Verwarnung einstellen würden". Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die die Studie gemeinsam in Auftrag gegeben haben, sprechen sich damit klar für ein Modell ähnlich der Three-Strikes-Lösung in Großbritannien und Frankreich aus. Dabei müssen User, die illegale Inhalte nutzen, nach Verwarnungen mit dem vorübergehenden Verlust ihrer Internetverbindung rechnen.

Bei der von der GfK Media*Scope durchgeführten Studie wurden 10.000 Personen, repräsentativ für 63,7 Millionen Deutsche ab zehn Jahren, befragt. Dr. Florian Drücke vom BVMI, GVU-Geschäftsführer Dr. Matthias Leonardy und Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, stellten die Studie am heutigen Dienstag, 30. August, in Berlin vor.

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