04.12.2012  Recorded Music  Schweiz

Musik-Flatrate: Gerd Leonhard polarisiert die Schweizer Branche

 

Zürich - Eine breit und prominent besetzte Runde diskutierte am 28. November über Gerd Leonhards Vorschlag einer neuen Internet-Musiklizenz. Die engagierte Debatte führte zu keiner Einigung, aber zu einer Aufweichung der Positionen.

Philipp Schnyder von Wartensee, Festivalleiter m4music, rekapitulierte an der Veranstaltung in der Roten Fabrik zunächst kurz das Thema und kam zum Schluss, dass daran nur das Interesse der Politik wirklich neu sei. Danach überließ er Gerd Leonhard das Wort, der die Idee einer standardisierten digitalen Musik-Lizenz und einer dadurch ermöglichten Musik-Flatrate in den letzten Jahren immer wieder propagiert hatte.

Am 1. Juni 2012 hatte der in Basel wohnhafte Autor und CEO von The Futures Agency einen angepassten Vorschlag für die Schweiz veröffentlicht - und war damit breit angeeckt. "Musik Flatrate - mehr Schnapsidee als Segen!”, war der Titel einer von Organisationen wie SUISA, IFPI Schweiz, Swissperform und Musikschaffende Schweiz getragenen Replik. Gerd Leonhard reagierte darauf mit der sichtlich verärgerten Antwort "Das Lamentieren der Ewig-Gestrigen".

An der Veranstaltung herrschte nun ein sachlicher Ton vor. Gerd Leonhard erklärte zunächst, wieso die Lage der Musikindustrie so dramatisch werden musste und was sein bestechend einfach wirkendes Modell (www.gleonhard.com/musik.html) in der Schweiz konkret ändern könnte. Gerd Leonhard betonte insbesondere, dass er nicht eine verkappte Musiksteuer für Konsumenten, sondern eine neue Musik-Lizenz - ähnlich einer Rundfunk-Lizenz - für Anbieter wie Telekom-Firmen, ISPs, Plattformen und Portale vorschlägt. Als Ansatz hat er einen Schweizer Franken pro Woche und User gewählt. Das Problem sei nicht das "Pay", sondern die "Wall" - der Zugang zu den Inhalten. Seiner Meinung können denn auch neue Angebote wie Spotify die veralteten Strukturen der Musikindustrie nicht auflösen.

In auf fünf Minuten beschränkten Repliken konnten daraufhin verschiedene Interessensvertreter Stellung zu Gerd Leonhards Vorschlag nehmen. Poto Wegener von der Swissperform räumte ein, dass das Ziel dasselbe sei - eine faire Entschädigung der Musikschaffenden. Doch glaube er aus verschiedenen Gründen nicht an die Realisierbarkeit. Die Anbieter würden kaum zahlen wollen, wie schon der Widerstand gegen die Umsetzung der Smartphone-Abgabe zeige. Der Vorschlag würde zudem bedingen, dass auch der Upload legalisiert würde, was zu Problemen mit dem Ausland führen würde. Firmen wie Megaupload und Google wären die Gewinner, die legalen Anbieter und die Rechteinhaber die Verlierer. Die Konsumenten würden Mehrfachbelastungen zudem nicht akzeptieren.

Wolfgang Schögl von den Sofa Surfers sprach nicht nur von seiner Erfahrung als Musiker, der trotz zunehmender Nutzung seiner Werke immer weniger davon profitiere. Er hatte auch bei der Ausarbeitung eines Flatrate-Vorschlages der österreichischen Grünen mitgewirkt, gemäß dem allerdings die User bezahlen sollten. Auch er vermute, dass eine solche Flatrate zu Problemen mit dem Ausland führen würde. Er verspüre auch ein Unbehagen darüber, dass die Musik nur noch eine Nebenrolle spiele.

Mehr zur Musik-Flatrate in der Schweiz lesen Sie in unserem Feature.

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