02.03.2012
Digital+Mobil
Auckland – Kim Dotcom, Gründer und CEO von Megaupload, hat sich in seinem ersten Interview nach seiner Freilassung aus einem neuseeländischen Gefängnis zu den Vorwürfen geäußert. Dabei stellte er klar, kein "Piraterie-König" zu sein.
Im Gespräch mit dem neuseeländischen TV-Moderator John Campbell erhält Kim Dotcom erstmals die Möglichkeit, Stellung zu den vergangenen Ereignissen um Megaupload zu nehmen: Wie er im Auftrag der US-Behörde FBI verhaftet worden war und ohne Gerichtsverfahren in Untersuchungshaft gehalten wurde. Wie man ihm Fluchtgefahr unterstellte, obwohl sämtliche seiner Vermögenswerte eingefroren worden waren und er deshalb ohnehin nirgendwo hätte untertauchen können. Dotcom sei unschuldig und habe deshalb nicht vor zu flüchten, sondern den Fall Megaupload auf rechtlichem Wege zu gewinnen.
Kim Dotcom erklärt zudem das Geschäftsmodell hinter Megaupload genauer: So hätten insgesamt 180 Partner – darunter sämtliche großen US-Filmstudios oder Software-Unternehmen wie Microsoft – direkten Zugriff auf die Server von Megaupload gehabt, um jederzeit Links zu löschen, die ihrer Meinung nach Urheberrechte verletzten. Dieser Service sei auch in großem Maße in Anspruch genommen worden. Zudem hätte Megaupload, durch den Digital Millenium Copyright Act (DMCA) gleichzeitig geschützt und in die Verantwortung genommen, stets auf Anträge reagiert, illegale Inhalte zu löschen.
Kim Dotcom wies auf die Unverhältnismäßigkeit der Razzia am 19. Januar 2012 auf seinem Anwesen in Auckland hin sowie die über 70 Seiten lange Anklageschrift, die auch in den Augen von Rechtsexperten mehr einer Presseveröffentlichung geglichen habe, als einem seriösen richterlichen Dokument. Die Anwälte von Kim Dotcom würden aktuell umsonst für den Megaupload-Gründer arbeiten, da er ja keinen Zugriff auf seine Vermögenswerte besitze. Sie täten dies, weil sie sähen, dass die Umstände im Fall Megaupload nicht rechtens seien.
Dotcom wies zudem auf die zahlreichen anderen Filehoster hin, die den selben Dienst anböten wie Megaupload. Auf die Frage, warum dann genau er zum Vorzeige-Piraten auserkoren worden war, antwortete Kim Dotcom, er sei ein leichtes Ziel gewesen. Seine Vergangenheit als Hacker sowie sein großspurige Lebensstil hätten ideale Vorlagen für die Medien geboten. Dabei seien viele der im Fernsehen veröffentlichen YouTube-Videos zehn Jahre und mehr alt. Mittlerweile habe Kim Dotcom Familie und lege auf völlig andere Dinge wert.