20.01.2012
Digital+Mobil
New York – US-Behörden haben MegaUpload stillgelegt und Kim Schmitz, den Gründer der Filehosting-Website, sowie drei weitere Personen verhaften lassen. In einer der laut FBI größten Bundesanklagen bislang wirft die US-Regierung MegaUpload vor, durch Urheberrechtsverletzungen aller Art einen Schaden in Höhe von mehr als 500 Millionen US-Dollar verursacht und selbst einen illegalen Gewinn von mehr als 175 Millionen Dollar eingesteckt zu haben. Sogar Geldwäsche wird MegaUpload vorgeworfen. Anonymus leitete bereits einen "Racheakt" ein.
Kurz bevor die Website vom Netz genommen wurde, hatte MegaUpload die Vorwürfe in einem Statement als "völlig überzogen" bezeichnet. Man werde gerne in einen Dialog mit der Content-Industrie treten und habe gute Ideen für die Zusammenarbeit. Das Statement von MegaUpload endet mit der Aufforderung an die Kreativindustrie, sich mit dem Filehoster in Verbindung zu setzen.
Am Donnerstag, 19. Januar, wurde MegaUpload jedoch stillgelegt. Kim Schmitz, auch bekannt als Kim Dotcom, und drei weitere Personen wurden in Neuseeland von den Behörden vor Ort festgenommen. Eine Entlassung auf Kaution lehnte der zuständige Richter am North-Shore- District-Gericht laut "heise online" ab. Die US-Behörden verlangen nun die Auslieferung von Kim Schmitz und den anderen Gefangenen. Bei einer Durchsuchung des Anwesens von Kim Schmitz bei Auckland seien Gegenstände mit einem Gesamtwert von etwa 3,7 Millionen Euro gefunden worden, heißt es weiter.
Die Hacker-Gruppierung Anonymus hat sich für die Schließung von MegaUpload bereits "gerächt" und die Websites des US-Justizministeriums, der RIAA, von Universal Music, Warner Music, der BMI und der Motion Picture Association Of America (MPAA) lahmgelegt. Die MPAA hatte stets behauptet, der Großteil der per MegaUpload verteilten Dateien seien illegal. Universal Music befindet sich seit Monaten in einem Rechtsstreit mit MegaUpload. Auslöser war das "Mega Video", in dem sich Stars der Branche für MegaUpload ausgesprochen hatten. Dass sich unrer anderem Kanye West oder die Black Eyed Peas überhaupt dazu hinreißen ließen, verdanke MegaUpload laut Medienberichten seinem CEO, Swizz Beatz, der als Produzent für viele Popstars über die nötigen Kontakte verfüge, um ein solches Video zu lancieren.
Als digitales Schließfach erlaubt MegaUpload seinen Usern, Dateien hochzuladen und zum Download verfügbar zu machen, die für eine E-Mail zu groß sind. Wie alle Filehoster ist auch MegaUpload nicht per se illegal. Das Unternehmen selbst betonte auch stets, dass der Großteil der auf MegaUpload angebotenen Dateien legal seien. MegaUpload ist kostenlos, zahlende Abonnenten erhalten jedoch Zugang zu Extra-Inhalten und können Dateien schneller herunterladen als Freemium-User.
Das Thema Urheberrecht wird in den USA aktuell heiß diskutiert – zuletzt aufgrund des Gesetzesentwurfs SOPA, der wegen seiner umfassenden Einschränkung von Freiheiten im Netz für Schlagzeilen sorgt. Nicht nur Künstler, auch Politiker, die Anfangs am Entwurf für SOPA mitgearbeitet hatten, sprachen sich mittlerweile gegen das Gesetz aus.