03.09.2012  Recorded Music  Wirtschaft

Marek Lieberberg vs. GEMA: GEMA reagiert auf Vorwürfe

 

München - Kürzlich kritisierte Marek Lieberberg in einem Interview die GEMA und die neuen GEMA-Tarife. In einem Statement geht die GEMA nun auf die Vorwürfe ein. So bezeichnete Lieberberg die GEMA in dem Interview mit dem Hamburger Stadtmagazin "Oxmox" als als "Big Brother, der das Musikgeschäft aussaugt und die Branche nach Gutsherrenart schikaniert". Die GEMA habe sich "metastasenartig ausgebreitet und vor allem ihr Selbstversorgungssystem perfektioniert".

Hier das Statement der GEMA zur Kritik von Marek Lieberberg:

Bereits am Freitag erschien ein Artikel auf oxmoxhh.de, in dem Herr Marek Lieberberg seine Ansichten zur GEMA darlegte. Aufgrund des harschen Tones und der zahlreichen falschen Vorwürfe - insbesondere der Behauptung des „dolce far niente“, dem Süßen für Nichts - möchten wir zu diesem Artikel Stellung beziehen.

So schüttet die GEMA beispielsweise ca. 85 Prozent ihrer Einnahmen an Mitglieder aus. Unter 15 Prozent werden als Verwaltungsaufwand einbehalten – also nicht annähernd 25 Prozent, wie es Herr Lieberberg in seinen Ausführungen darstellt. Diese und andere Zahlen finden Sie übrigens auch auf unserer Homepage, wo sie für jedermann zugänglich sind.

Die GEMA-Mitgliedschaft ist freiwillig und wir handeln somit immer nur im Auftrag der Urheber, die bei uns Mitglied sind. Der Aufwand ist alles andere als gering oder frei von Engagement für die Musik. Es ist auch nicht damit getan, einfach nur einen Antrag anzunehmen. Wir beschäftigen Angestellte, die täglich unter anderem daran arbeiten zu prüfen, welche Stücke wann und wo gespielt werden, um den Rechteinhabern die ihnen zustehende Vergütung zu garantieren. Da die GEMA im Jahr rund 1,5 Mio Veranstaltungen lizenziert, müssen u.a. Verträge mit zahlreichen Lizenznehmern vereinbart, Verhandlungen mit Nutzerverbänden geführt und die Tantiemen an unsere Mitglieder verteilt werden. Gerade ein Bruce Springsteen hätte sicherlich keine Freude daran, die unangenehme aber unerlässliche Arbeit auf sich zu nehmen, jeden einzelnen Clubbetreiber, Barbesitzer oder Veranstalter weltweit persönlich zu kontrollieren und zu kontaktieren, um ihnen eine Rechnung ausstellen zu können. Und, dass die GEMA das doch alles ganz gut macht, zeigen die stetig wachsenden Mitgliederzahlen.

Die GEMA beschäftigt im Namen ihrer Mitglieder insgesamt rund 1.100 Mitarbeiter. Unsere Büros sind funktional und weit entfernt davon ein luxuriöses Schlaraffenland zu sein, als das Herr Lieberberg es anpreist. Vielmehr stellt er uns dar, als würden wir die Künstler um ihr sauer verdientes Geld prellen. Fakt ist allerdings, dass die Urheber ohne unsere Hilfe leider oft keinen einzigen Cent sehen würden. Das betrifft besonders die Unbekannteren unter ihnen. Fakt ist aber auch, dass die Mitglieder ihre Organisation selbst gestalten. Vermeintliche Missstände kann jedes Mitglied über einen Antrag in der Mitgliederversammlung einbringen und dort selbst (oder als angeschlossenes und außerordentliches Mitglied über Delegierte) diskutieren. Wir bereichern uns nicht an der Arbeit anderer, sondern benötigen schlichtweg (wie jede Organisation) eine Vergütung für unsere Dienstleistungen, mit der wir laufende Kosten decken. Dass diese Dienstleistungen etwas kosten und von der GEMA, oder anderen Verwertungsgesellschaften weltweit, nicht ehrenamtlich erbracht werden können, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Dienstleistungen eines Konzertveranstalter, Band-Managers, einer Plattenfirma oder eines Eventveranstalters sind ebenfalls nicht kostenlos.

Hier finden Sie alle Beiträge zum Thema GEMA-Tarifstreit.

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