25.11.2013  Live Entertainment  Szene

"Loveparade": Entwurf der Anklage fertig gestellt

 

München - Lange Zeit war es still um den Fall "Loveparade". Dreieinhalb Jahre nach der Katastrophe in Duisburg, bei der 21 Menschen ums Leben kamen, hat die Staatsanwaltschaft den Entwurf der Anklage gegen die Verantwortlichen gefertigt, berichtet das Magazin "Focus".

Wer genau auf der Anklagebank sitzt, stehe noch nicht fest. Bekannt ist jedoch, dass lediglich zehn oder elf von den ursprünflich 16 Beschuldigten angeklagt werden sollen. Wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen sich aber auf jeden Fall der "Loveparade"-Veranstalter Lopavent, deren Chef der McFit-Unternehmer Rainer Schaller ist, zwei Stadtdezernenten sowie mehrere Amtsleiter und Verwaltungsangestellte der Stadt Duisburg. Ihnen werden eklatante Planungsfehler vorgeworfen. Auch hätte die Stadt Duisburg die "Loveparade" nie genehmigen dürfen.

Überraschend ist, dass das Verfahren gegen den Polizeieinsatzleiter Kuno Simon eingestellt werde, heißt es aus Ermittlerkreisen. Um den Rechsdezernenten Wolfgag Rabe "werde noch gerungen". Der Entwurf der Anklage werde derzeit durch die Generalstaatsanwalt in Düsseldorf überprüft. Die Prüfung werde noch bis Januar andauern.

Während der "Loveparade" 2010 in Duisburg brach am 24. Juli an einer überfüllten Unterführung eine Massenpanik aus, bei der 21 Menschen starben und mehr als 500 Personen verletzt wurden.Vermutlich Tausende erlitten in dem Gedränge der "Loveparade" psychische Schäden. Die Verantwortlichen der Stadt Duisburg wiesen die Mitschuld am Unglück von sich ebenso wie die Ordnungskräfte und Veranstalter Rainer Schaller. Seit Januar 2011 ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg gegen 16 Personen. Beschuldigt wurden elf Mitarbeiter der Stadtverwaltung, vier Team-Angehörige des "Loveparade"-Veranstalters Lopavent und ein Polizist. Gegen Lopavent-Chef Rainer Schaller und Duisburgs ehemaligen Oberbürgermeister Adolf Sauerland ermittele man aber nicht. Die Staatsanwaltschaft hat bei ihren Ermittlungen zur "Loveparade" etwa 3500 Zeugen befragt, 1000 Stunden Videoaufzeichnungen analysiert sowie 404 Terrabyte Daten verarbeitet.

Im Frühjahr 2011stellten etwa 260 Opfer, deren Angehörige sowie Versicherungen Ansprüche auf Entschädigung bei der Stadt Duisburg, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Lopaevent-Versicherungsunternehmen Axa. Zum dritten Jahrestag der "Lovepadade"-Katastrophe war am Unglücksort eine Gedenkstätte fertiggestellt worden. Im Mittelpunkt der 500 Quadratmeter großen Anlage stehen eine Gedenktafel und 21 Kreuze.

Seit der „Loveparade“-Tragödie in Duisburg vor drei Jahren wurden in Deutschland zahlreiche Sicherheitsbestimmungen bei Großveranstaltungen drastisch verschärft. Zahlreiche Experten befassten sich seidem mit dem Thema Sicherheit bei Veranstaltungen. Zu den jüngsten Projekten gehört das so gennannte Programm "Bausteine für Sicherheit von Großveranstaltungen" (BaSiGo), dessen Forschungskonsortium vor allen den Fragen nach „Ursachen, der Verantwortung und den Konsequenzen für zukünftige Veranstaltungen“ nachgehen soll.

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