01.03.2016  Live Entertainment  Tourneen/Festivals

"Lollapalooza Berlin 2016" zieht trotz Kritik in den Treptower Park

 

Berlin - Gegen den neuen Standort des "Lollapalooza"-Festivals in Berlin gibt es Widerstand, aber die Veranstalter sind sicher, dass es beim Treptower Park bleibt.

Die politischen Ereignisse haben den Veranstalter des "Lollapalooza"-Festivals in Berlin einen Standortwechsel aufgezwungen. Weil auf dem Tempelhofer Feld, wo 2015 die Europapremiere stattfand, inzwischen Flüchtlinge untergebracht sind, muss es umziehen. Es soll nun am 10. und 11. September im Treptower Park über die Bühne gehen, unter anderem mit Radiohead, Kings Of Leon, New Order und Paul Kalkbrenner. Alle bislang bestätigte Bands sind auf musikmarkt.de in einer gesonderten News aufgelistet.

„Für uns ist nachvollziehbar, dass die Tempelhofer Hangars jetzt für Flüchtlinge genutzt werden und wir haben sogar geprüft, ob wir unser Festival trotzdem auf dem Gelände durchführen können“, sagt Tommy Nick, Pressesprecher des Berliner "Lollapalooza"-Festivals gegenüber "musikmarkt". „Aber wir sind zu einem klaren Nein gekommen, weil es auch mit Pietät zu tun hat, dass man nicht ein paar Meter neben den Flüchtlingsfamilien nachts tausende Leute tanzen und feiern lassen kann. Also haben wir uns als Veranstalter um andere Optionen gekümmert und um Rückendeckung von Stadt Berlin bemüht. Wir haben niemanden unter Druck gesetzt, vielmehr haben auch das Land Berlin und der Bezirk ein Interesse, bestimmte Großveranstaltungen in der Stadt zu halten, weil die ja auch Einnahmen bringen.“

Widerstand gegen neues "Lollapalooza"-Venue

Gleichwohl formiert sich seit der Bekanntgabe des neuen Ortes Widerstand gegen ihn. Sofort wurde eine Online-Petition gestartet, die sich dafür einsetzt, dass das Festival nicht auf der Grünfläche ausgetragen wird.

In der Begründung auf der Plattform change.org heißt es: „Im vergangenen Jahr fand das Festival auf der Betonplatte des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit ca. 40.000 Gästen statt. Jetzt soll die Veranstaltung im grünen Treptower Park stattfinden, eine der größten Grünflächen der Stadt. So viele Besucher auf einmal werden definitiv die Pflanzen und Tiere im Park schädigen.“ Unterstützer der Petition monieren zudem, dass auf dem Gelände auch das Sowjetische Ehrenmal stehe und man schon Massen von Menschen auf dem monumentale Gedenkfriedhof für 5000 gefallene Soldaten der Roten Armee herumturnen sehe. Die Petition ist an das Bezirksamt Treptow-Köpenick gerichtet, der für den 88 Hektar großen Volkspark am Spreeufer zuständig ist.

„Von unserer Seite aus wird das Festival wie geplant im Treptower Park stattfinden“, betont Tommy Nick. „Wir haben einen Vertrag mit der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, der auch für 2016 gilt. Die Vereinbarung für den Treptower Park gilt erstmal nur für dieses Jahr. Ob und wie es im nächsten Jahr aussieht, werden wir sehen. Für uns ist wichtig, dass wir nach dem erfolgreichen Start von 'Lollapalooza' 2015 jetzt keine Pause einlegen müssen.“

Nicht das erste Park-Festival

Natürlich hätte man vom Bezirksamt Auflagen für Lärm- und Naturschutz bekommen. „Und wir werden die auch komplett erfüllen. Als Veranstalter haften wir selbst verständlich für etwaige Schäden, aber das haben wir im Blick. Da mache ich mir keine Sorgen. Wir haben in der Vergangenheit bereits Festivals in der Natur und in Parkanlagen veranstaltet und haben dementsprechend unsere Erfahrungen.“

Abgesehen davon sei so ein Festival in einem Großstadtpark nun auch nichts völlig Ungewöhnliches. Das funktioniere im Londoner Hydepark oder beim "Øyafestival" in Oslo ebenfalls ganz gut. Da könne man sich als Veranstalter ja auch Dinge abgucken.

Zu den in die Diskussion geworfenen alternativen Standort wie den Spreepark sagt Tommy Nick: „Den Spreepark haben wir für uns als Alternative geprüft, aber, abgesehen davon, dass das für ihn zuständige Amt dagegen ist, halten wir ihn auch nicht für geeignet. Er ist zu klein und hat, wie auch das von uns besichtigte BER-Flughafengelände, keine optimale Verkehrsanbindung.“

Für den Treptower Park spreche im Übrigen auch seine Geschichte als Festivalort. „Vor dem Mauerfall und auch danach gab es ja auch schon große Konzerte und Veranstaltungen im Treptower Park.“ Gemeint sind die Konzerte von Bob Dylan sowie Barclay James Harvest Ende der 80er Jahre. Zudem hätte es auch zur Fußball-WM 2006 das Festival "Pop Kick" gegeben, bei dem die Veranstalter wohl 135.000 Euro hinterlegen mussten, von denen am Ende nicht mal 30.000 Euro für die Wiederherstellung des Rasen gebraucht worden seien. „Bisher haben die Veranstalter es eben immer geschafft, den Park zu schützen.“

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