17.07.2012
Wirtschaft
Brüssel - Patrick Zelnik sorgt für eine Überraschung: Plötzlich spricht sich der IMPALA-Co-President für den Universal/EMI-Merger aus. Der Deal könne "unter den richtigen Umständen eine wettbewerbsfähigere Branche schaffen", schreibt Zelnik in der "Financial Times".
Der Beitrag, den Patrick Zelnik "Ein Universal/EMI-Merger könnte die Musikindustrie retten" betitelte, spiegelt allerdings nur Zelniks Meinung wieder, nicht die des Indie-Verbands IMPALA. Dass sich Zelnik damit konträr zur IMPALA-Politik aufstellt, dürfte allerdings klar sein: Der Verband hat sich mehrfach gegen einen Universal/EMI-Merger ausgesprochen. Bereits die Absegnung der Übernahme von EMI Music Publishing durch ein Konsortium angeführt von Sony/ATV ließ die IMPALA-Vorstandsvorsitzende Helen Smith von den "schlechten Neuigkeiten" für Euopas Verleger und Autoren sprechen sowie für alle, die auf faire Bedingungen für den Gebrauch von Musik angewiesen seien, also Verwertungsgesellschaften, Labels und Online-Services. IMPALA sei nach wie vor überzeugt davon, dass die Auswirkungen des Sony/ATV-EMI-Mergers auf die Existenz von Autoren unterschätzt worden seien.
Patrick Zelnik argumentiert in seinem "Financial Times"-Artikel hingegen, die Musikindustrie könnte Konsumenten wieder dazu bringen, Geld für Musik auszugeben, wenn der Universal/EMI-Deal dazu genutzt wird, neuen Plattformen Zugang zum Repertoire zu verschaffen, die im Gegenzug eine direkte Verbindung zu legalen und erschwinglichen Diensten einbauen. Im Grunde genommen erklärt Zelnik, dass die Marktmacht von Universal nach einem Merger mit EMI, wenn richtig eingesetzt, positive Impulse in der Musikindustrie setzen könnte. Schließlich, so Zelnik, habe die Musikindustrie in der Vergangenheit eher Schaden davongetragen, wenn ein Merger verhindert wurde: Private-Equity-Unternehmen, die von der Musikindustrie wenig wussten, hätten Labels übernommen und für Misswirtschaft gesorgt.
Zelnik betont jedoch auch, dass Universal im Falle eines Mergers mit EMI mit den Indies zusammenarbeiten müsse. So sollte Universal Labels, die im Zuge des Deals verkauft werden müssten, um Bedinungen der Regulatoren zu erfüllen, ausschließlich an Indies verkaufen. Gestern erst hieß es, Universal überlege, Virgin, EMI Classics oder die Vertriebsrechte am Mute-Katalog zu verkaufen. Und das könnte der springende Punkt sein: Patrick Zelnik ist nicht nur Co-President von IMPALA, sondern auch President des Indie-Labels Naive. Dass Zelnik selbst an einem der Labels interssiert ist und sich deshalb gerade zu einem Zeitpunkt für den Universal/EMI-Merger ausspricht, als die Europäische Kommission den Deal begutachtet, liegt schließlich im Bereich des Möglichen.