13.10.2011
Digital+Mobil
Sherman Oaks - Die berüchtigte Tauschbörse Kazaa geht nun mit legalem Angebot erneut an den Start. Die einst illegale Tauschbörse verfügt bereits über die nötigen Lizenzen, um als Musik-Streamingdienst über eine Smartphone-App ihr neues Geschäftsmodell zu realisieren. Unterdessen laufen in den USA noch immer Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige Kazaa-User.
Die Kazaa-Betreiber ließen vorab ihr Vorhaben von der Musikindustrie absegnen. Mit dem neuen Geschäftsmodell will Kazaa nun per iPhone-App die Nutzer mit Musik versorgen und so an die früheren Erfolge anknüpfen.
Die App ist zwar kostenlos, künftig müssen Kazaa-Nutzer jedoch ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Knapp 10 US-Dollar kostet es den User monatlich, um unbegrenzt auf dem Smartphone Millionen Songs zu streamen.
Deutsche Fans werden allerdings enttäuscht sein. Kazaa verfügt in Deutschland nicht über die nötigen Lizenzen, die iPhone-App auf rechtem Wege unter die Leute zu bringen. Das Angebot ist zurzeit dementsprechend nur in den USA erhältlich. Dort muss sich Kazaa zunächst neben beliebten Portalen wie Spotify oder Rdio durchsetzen. Ob sich der Dienst auf dem US-Markt etablieren kann, wird sich erst zeigen. Erst vor wenigen Tagen musste Tauschbörsen-Dino Napster sein Ende verkünden.
Während sich die Kazaa-Betreiber von ihrer illegalen Vergangenheit verabschiedet haben, laufen in den USA noch immer diverse Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige Nutzer der damals illegalen Tauschbörse. Der meistdiskutierte Fall dürfte der des US-amerikanischen Studenten Joel Tenenbaum sein. Vor rund sieben Jahren wurde er wegen 30 illegal heruntergeladenen Songs angeklagt und 2009 zu einer Geldstrafe von 675.000 Dollar, 22.500 Dollar pro Song, verurteilt.
Joel Tenenbaum wehrte sich gegen dieses harte Urteil. Die Richterin des Berufungsgerichts hatte dann die Summe als unverhältnismäßig hoch eingestuft und auf ein Zehntel reduziert: 67.500 Dollar. Nachdem der ehemalige Kazaa-User ein weiteres Mal in Berufung gegangen war, ebenso wie die Gegenseite, wurde nun vor wenigen Tagen die Entscheidung des ersten Berufungsgerichts aufgehoben und die ursprüngliche Summe von 675.000 US-Dollar bestätigt.
Das Verfahren wurde wieder an die Vorinstanz zurückverwiesen und Experten sehen noch in Jahren kein Ende. Unterdessen startet Kazaa mit legalen Mitteln einen neuen Versuch.