31.03.2014  Live Entertainment  Messen/Events

Jens Michow: Musikindustrie und Musikwirtschaft – Zwei paar Schuhe

 

Berlin - "Die Musikwirtschaft hat kein Imageproblem sondern ein hausgemachtes Darstellungsproblem", kommentierte Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft, die Podiumsdiskussion bei der "3. Reeperbahn Festival Echo Edition". Das Gespräch, das am Tag der Echo-2014-Verleihung in der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund in Berlin stattfand, stand unter dem Motto 'Musikwirtschaft – Leitbranche mit Imageproblem?'

"Wo Musikwirtschaft drauf steht muss auch Musikwirtschaft drin sein", kritisierte Michow. Es verbiete sich jedoch, die Probleme der Musikindustrie als Probleme der Musikwirtschaft darzustellen. Der Wirtschaftszweig als Ganzes habe weder ein Imageproblem noch sei er ein wirtschaftliches Sorgenkind oder gerade dabei, sich aus einer Talsohle herauszubewegen.

"Die Konzertveranstalter, die doch wohl unstreitig ein integraler Teil der Musikwirtschaft sind, haben 2013 einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro erwirtschaftet und besetzen damit hinter dem Buchmarkt Platz zwei des deutschen Entertainment-Marktes – weit vor allen anderen Teilmärkten des Wirtschaftsbereichs. Da kann man doch nicht von einem Sorgenkind sprechen", sagte Michow. Es sei ein strategischer Fehler, wenn man in der öffentlichen Diskussion immer wieder den Eindruck vermittele, dass es der gesamten Musikwirtschaft schlecht gehe.

Es sei auch irreführend, wenn immer wieder so getan werde, als ob es sich bei den Problemen der digitalen Rechtverwerter um das zentrale und einzige Problem des ganzen Wirtschaftszweiges handele. "Ich erwarte, dass die Musikindustrie es unterlässt, ständig für ihre Probleme mit dem Urheberrecht die gesamte Musikwirtschaft in Sippenhaft zu nehmen", fordert Michow. Auch die Veranstalter hätten Probleme mit dem Urheberrecht, die sich allerdings von denen der Tonträgerwirtschaft und der Verlage erheblich unterscheiden würden.

"Es wird höchste Zeit, mit einer spartenübergreifenden gesamtwirtschaftlichen Studie die Bandbreite der Musikwirtschaft und ihr tatsächliches wirtschaftliches Potential aufzuzeigen", kommenteirte Michow und dankte der Stadt Hamburg, dass sie dafür soeben den entscheidenden Anstoß gegeben habe. Eine solche Studie werde veranschaulichen, wie viele Arbeitsplätze und unterschiedliche Dienstleistungsbereiche von den vielen Einzelbranchen der Musikwirtschaft abhängen. Spätestens dann werde sich auch erweisen, dass die Branche keinen Anlass zu mangelndem Selbstbewusstsein oder gar zur Diskussion vermeintlicher Imageprobleme hat.

"Wir müssen nur endlich damit aufhören, die Begriffe Musikindustrie und Musikwirtschaft als Synonym zu verwenden. Das schadet nämlich allen anderen Branchen die nicht zur Musikindustrie – also dem Bereich Recorded Music – gehören. Die Musikindustrie ist ein wichtiger aber keineswegs der einzige und schon gar nicht der maßgeblichste Teil der Musikwirtschaft", mahnte Michow.

Weitere Zahlen zur deutschen Veranstaltungswirtschaft gibt es in der aktuellen >> GfK-Studie des Veranstaltungsmarktes 2012 <<.

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