11.03.2016  Live Entertainment  Messen/Events

ILMC 2016 – Live Nations Rapino: "Ticketpreise noch zu niedrig"

 

London - Bei der Eröffnung der International Live Music Conference (ILMC) 2016 begrüßte Konferenz-Chef Greg Parmley den Präsidenten und CEO von Live Nation, Michael Rapino, auf der Bühne. Im Interview sprach der US-Amerikaner unter anderem über das Potenzial aufstrebender Märkte und Lösungsansätze beim Secondary Ticketing.

Nachdem ILMC-Chef Greg Parmley die rund "1000 Delegierte aus 60 Ländern", wie er stolz verkündete, begrüßt hatte, bat er den Live-Nation-CEO Michael Rapino auf die Bühne. Zuletzt war dieser 2002 bei der ILMC zu Gast gewesen, wie Parmley feststellte.

Damals habe Rapino von einem Fünf-Jahres-Plan gesprochen, erinnerte sich der ILMC-Chef und fragte, ob dieser denn umgesetzt wurde. Bei Rapino war die Erinnerung daran allerdings schon verblasst, was der Live-Nation-Boss damit erklärte, dass er "wahrscheinlich verkatert war".

"Es ist ein globales Business"

Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre freute sich Rapino, dass die Live-Branche in den Fokus des gesamten Musikmarkts gerückt sei – und somit die Haupteinnahmequelle der Künstler sei. Mit dem "Geschenk Internet" sei es außerdem ein globales Business geworden, was sich auch an seinem Unternehmen zeige: Vor zehn Jahren habe Live Nation noch 89 Prozent seines Einkommens in den USA generiert. Nun kämen über 60 Prozent aus dem Ausland.

Immer mehr Bands und Künstler schielten deshalb mittlerweile auf aufstrebende Märkte wie Osteuropa, Südamerika oder Asien. Besonders Festivals wie etwa die "Lollapalooza"-Ableger in Chile, Brasilien und Argentinien würden dort Türen für viele Acts öffnen. "Für uns ist Lateinamerika mittlerweile ein großer Markt." Aber auch in Asien stecke Live Nation viel Zeit und Geld: "Wir haben die Größenordnung von China und anderen asiatischen Märkten erkannt."

Außerdem erschien es ihm viel sinnvoller, in solche Märkte mit noch immer geringen durchschnittlichen Konzertbesuchen pro Einwohner zu investieren, um diesen Wert anzuheben, als in etablierte Märkte. Es sei nämlich schwierig, im US- oder UK-Markt den Durchschnitt von 3,5 auf 4,5 Konzertbesuche zu steigern, meinte er. "Da braucht man starke Marketing-Muskeln. Hier muss das Ziel sein, die Tradition aufrecht zu erhalten, sodass sich dieser Wert von selbst kontinuierlich regeneriert."

"Wir können Secondary Ticketing nicht wegklagen"

Schließlich kam Greg Parmley auf das Thema Secondary Ticketing zu sprechen, und Michael Rapino vertrat einen ganz klaren Standpunkt: "Wir müssen den Markt verstehen und selbst die Lösung sein. Es macht keinen Sinn, Secondary Ticketing wegzuklagen. Dieses Prinzip hat bei Napster seinerzeit auch nicht geklappt." Künstler müsse man stattdessen davon überzeugen, bei der Preisgestaltung mehr zu wagen. Diese hätten noch zu viel Angst davor, für die vorderen Reihen hohe Preise und für die hinteren niedrigere Preise festzusetzen. Ohnehin seien Ticketpreise im Durchschnitt noch zu niedrig.

Wenn ein Besucher bereit ist, 4000 Dollar zu zahlen, dann sei er nicht der Böse, sondern ein engagierter Fan. Man müsse allerdings dafür sorgen, dass das Geld bei den Künstlern lande, die den Profit der Secondary Ticketer schließlich bemängelten. Man müsse den Umsatz im eigenen Haus behalten, indem man den Kuchen eben in viele unterschiedlich große Stücke schneide. Besseres, offensiveres Pricing sei zwar ein kontroverses Thema, doch Rapino wies darauf hin, dass das Live-Business Feuer mit Feuer bekämpfen müsse.

Was ihm Bauchschmerzen bereite, sei der systematische Wiederverkauf, der über StubHub und Co. stattfinde. "Was wir in Amerika gelernt haben, war, dass wir nicht darauf warten konnten, bis die Welt perfekt wird, während StubHub mit dem Markt davonlief." Äußerst unbesonnen habe man vor Jahren noch nach dem Ausverkauf einer Show selbst auf StubHub und andere Secondary-Seiten verwiesen. Mittlerweile würden acht Milliarden Dollar jährlich mit Secondary Ticketing gemacht, von denen kein Cent bei denjenigen ankommt, die an den Events beteiligt sind.

Nun sei man an dem Punkt, dass opportunistische Verkäufer auf diesen Marktplätzen Tickets zu völlig inflationären Preisen anböten – und das sogar noch bevor das Event in den Vorverkauf geht. Mit dem hauseigenen Fan-to-Fan-Resale von Ticketmaster will er und sein Unternehmen den ersten Schritt machen, dieses Problem zu lösen. "Wir wollen herausfinden, wie wir das für Tickets ausgegebene Geld in die Hände der Künstler spülen. Und dabei unterstützen wir auch gerne die Gesetzgebung, weil wir schließlich nach den Regeln spielen – im Gegensatz zu den anderen."

Weitere News und Hintergünde finden Sie im "musikmarkt"-Dossier zur ILMC 2016

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