21.03.2012
Schweiz
Zürich - Die Schweizer Musikindustrie hatte letztes Jahr mit einer Erholung des Geschäfts gehofft. Doch der Umsatzrückgang der 31 in der IFPI Schweiz zusammengeschlossenen Schweizer Musiklabels hat sich 2011 sogar noch leicht zugespitzt, wie die heute veröffentlichte Pressemitteilung mit den Geschäftszahlen zeigt.
Die IFPI-Mitglieder, deren Anteil am Schweizer Gesamtmarkt bei etwa 90 Prozent liegt, erzielten 2011 einen Gesamtumsatz von 124,1 Millionen Franken, zehn Jahre zuvor waren es noch 302 Millionen Franken. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr betrug 15,75 Prozent, womit er sogar noch zugenommen hat, denn 2010 betrug er 12,2 Prozent. Die digitalen Verkäufe, auf die man alle Hoffnungen setzte, stiegen gegenüber dem Vorjahr lediglich um 4,8 Millionen Franken - 18 Prozent, im Vorjahr 11 Prozent - auf 31,1 Millionen Franken an. Gleichzeitig sank der Umsatz mit physischen Tonträgern aber um 28 Millionen Franken.
Lorenz Haas, seit Mitte Januar Geschäftsführer der IFPI Schweiz, erklärt in der Pressemitteilung, dass die Entwicklung des legalen Angebots sowohl im Download- wie im Streaming-Bereich positiv sei. Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "die Einnahmen – gemessen am tatsächlichen Musikkonsum – viel zu gering sind. Musik zu produzieren, zu vermarkten und zu verkaufen, ist teuer". Die legalen Musikangebote im Internet müssten besser vor illegaler Konkurrenz geschützt werden, damit sie auf Dauer profitabel sein könnten.
Betreffend dem "Bericht zur unerlaubten Werknutzung über das Internet" des Schweizer Bundesrates wird Lorenz Haas deutlich in seinem Urteil. Dieser "ignoriert den hier bestehenden Handlungsbedarf und nimmt damit in Kauf, dass der Verlust von Arbeitsplätzen in der Schweizer Musikwirtschaft ungebremst fortschreitet. Diese Laissez-faire-Haltung ist nicht akzeptabel und führt letztlich zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Verflachung".
In den vergangenen Monaten geriet die IFPI Schweiz immer wieder in die Schlagzeilen der Schweizer Medien. In Zusammenhang mit dem Rücktritt des damaligen Geschäftsführers Beat Höggers wurden u.a. die Untersuchung der Schweizer Charts durch die Weko sowie Ermittlungen deutscher Steuerfahnder genannt.