27.06.2012
Berlin - Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) verzeichnet für 2011 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der Gesamterträge um 29,9 Prozent auf 128,3 Millionen Euro. Grund ist vor allem der fast vollständige Ausfall der Geräteabgabe für Privatkopien.
"Das Berichtsjahr war gekennzeichnet durch massive Einbrüche bei den Abgaben für die Privatkopie", erklären Dr. Tilo Gerlach und Guido Evers, die Geschäftsführer der GVL, und fügen hinzu: "Es bestehen aktuell keine Gesamtverträge zwischen den in der ZPÜ zusammengeschlossenen Verwertungsgesellschaften und der Hardware-Industrie für die Leergeräteabgabe. Die Durchsetzung der gesetzlich vorgesehenen Vergütungen müssen wir nun durch eine Vielzahl langwieriger Gerichtsverfahren einklagen. Das neue gesetzliche Verfahren wird auf katastrophale Weise einseitig missbraucht. Diese Verweigerungshaltung führt zu einem dramatischen Einnahmerückgang, mit der Folge, dass wir auf nicht absehbare Zeit nur deutlich reduzierte Zahlungen an unsere Berechtigten weiterleiten können. Für unsere Berechtigten führt das zu erheblichen Einbußen im Rahmen der Verteilung."
So führten die Vergütungen von Vervielfältigungsrechten 2011 zu Erlösen in Höhe von lediglich 2,4 Millionen Euro – 2010 waren es noch 56,5 Millionen Euro. Die übrigen Geschäftsbereiche verzeichneten hingegen ein recht stabiles Jahr. Die Sendevergütung brachte 79,1 Millionen Euro ein, nur 1,3 Prozent weniger als 2010 und die Vergütungen von Vermietung und Verleih lagen mit 3,4 Millionen Euro um 0,4 Millionen Euro höher als 2010. Ebenso wurde bei der Kabelweitersendung künstlerischer Darbietungen, die nicht Tonträger und Videoclips betrafen, mit 2,2 Millionen Euro 0,2 Millionen mehr eingenommen als im Vorjahr. Auch der Bereich öffentliche Wiedergabe brachte mehr ein als 2010: mit 38,9 MIllionen Euro rund 0,2 Millionen mehr.
Die Verwaltungskosten der GVL stiegen jedoch auch: Mit 8,9 Millionen Euro (ein Plus von 2,7 Millionen Euro im Vergleich zu 2010) liegt der Kostensatz bei sieben Prozent. Als Grund für die Zunahme der Verwaltungskosten nennt die GVL die Umstellung des Verteilungssystems für ausübende Künstler und dem dadurch gestiegenen Personalbedarf.
Insgesamt stehen der GVL für 2011 nach Abzug von Zuwendungen und des gesperrten Betrages ein Betrag von 106,9 Millionen Euro für die Verteilung zur Verfügung. 2010 waren es 122,4 Millionen Euro. Aufgrund der Umstellung auf das nutzungsbasierte Verteilungssystem stiegen die Verbindlichkeiten gegenüber Berechtigten aus Verteilungen um 4,2 Millionen Euro auf 38,5 Millionen Euro.
Für 2012 erwartet die GVL leichte Umsatzzuwächse. Dennoch betonen Evers und Gerlach: "Die Einnahmesituation der Gesellschaft wird aber weiterhin stark beeinträchtigt sein durch die ungelöste und die Industrie einseitig begünstigende Situation bei den Vergütungen für die private Vervielfältigung, wenn der Gesetzgeber das lückenhafte gesetzliche Verfahren nicht endlich durch eine faire Regelung ergänzt. Denn auch in 2012 ist nicht mit nennenswerten Zahlungen zu rechnen. Wir hoffen aber, dass die Forderungen gegenüber der Industrie auf Basis der eingeklagten Auskünfte wenigstens zum Teil bezifferbar sein werden."
Für die Zukunft prognostiziert die GVL, dass der internationale Vergütungsaustausch an Bedeutung gewinnt. Denn: die GVL nutzt mittlerweile ein weltweit kompatibles nutzungsbasiertes System. Die Umstellung der Künstlerverteilung sei weiterhin eines der wichtigsten Projekte der GVL.