30.01.2013  Recorded Music  Wirtschaft

GEMA-Artikel: Musikautoren werfen "Stern" Diskriminierung vor

 

Berlin - Die "Stern"-Redaktion hat mit ironischen YouTube-Sperrtafeln für Unmut gesorgt und Autoren und Musikverleger gegen sich aufgebracht. So ist zum Beispiel auf einer zu lesen: “Dieses Video ist in Deutschland wegen der maßlosen GEMA-Forderungen gesperrt. Sorry, liebe Rockmusiker, wir wollen nicht für eure Rolls-Royce-Wagen, Kunstsammlungen und Unterhaltsansprüche eurer Ex-Frauen aufkommen."

In der vergangenen Woche war auf stern.de ein Beitrag mit der Überschrift “Neues für den Sperrbezirk” erschienen. In dem Beitrag ging es um die Klage der GEMA gegen das Videoportal Youtube. Der Stern hatte auf die eingereichte Klage der Verwertungsgesellschaft gegen die Google-Tochter Youtube beim Landgericht München hingewiesen: “Grund ist ein Hinweis in gesperrten Youtube-Videos. So heißt es in vielen der blockierten Filmchen: 'Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden.' Diese Formulierung will sich die Gema nicht länger gefallen lassen.”

Danach folgte eine Stellungnahme des GEMA-Vorstandsvorsitzenden Harald Heker: "Die Sperrtafeln tragen bis heute in großem Umfang dazu bei, die öffentliche und mediale Meinung in höchst irreführender Weise negativ zu beeinflussen. Der Verweis auf die Gema wird zur reinen Stimmungsmache willkürlich eingeblendet." Beim Stern heißt es dann weiter, dass nur wenige Werke von GEMA-Autoren auf Wunsch der GEMA blockiert seien, die Meldung aber bei vielen hundert Videos erscheine.

Für den Brief, in dem Autoren und Musikverleger dem Stern eine GEMA-Diskriminierung vorwerfen, haben allerdings die von der Stern-Redaktion mit ironischen Texten unterlegten Sperrtafeln gesorgt. Ein Beispiel: “Dieses Video darfst du nicht sehen, weil du eine deutsche IP-Adresse verwendest. Um das zu verhindern, installiere ein Plugin in deinem Browser. Danach glaubt die GEMA, dass du in Litauen wohnst, und du kannst Deine Lieblingsmusik weiter ungestört genießen."

Der offene Brief ist von zahlreichen Autoren und Musikverlegern unterzeichnet worden. Der Brief in Gesamtlänge:

Offener Brief der Aufsichtsräte der Gema an die Online-Sternredaktion, wegen der Diffamierung der Künstler und Urheber und deren Rechte in unserem Land:

An die Chefredaktion von Stern-Online

stern.de GmbH
Frank Thomsen
Am Baumwall 11
20459 Hamburg

Sehr geehrter Herr Thomsen,

mit Bestürzung und Empörung haben wir als Urheber und Mitglieder der GEMA den Online-Artikel „Neue Frustbilder für die GEMA“ auf Stern-Online zur Kenntnis genommen.

Die GEMA ist ein Verein, zu dem wir Urheber und Verleger uns freiwillig zusammengeschlossen haben, um unsere Rechte wahrzunehmen. Sie ist kein anonymer Apparat, sondern besteht aus tausenden Musikautoren, für die ihr künstlerisches Schaffen die Lebensgrundlage bietet. Die GEMA als Organisation und die Menschen, die ihre Mitglieder sind, haben es nicht verdient, derart unsachlich diffamiert zu werden.

Wir sind fassungslos, dass Sie als renommiertes Medium derart ehrverletzend und einseitig parteiisch gegen uns berichten. Wir Musikurheber sind es leid, dass wir durch derartige Meinungsmache als Feindbild aufgebaut werden. Die Tätigkeit als Urheber, die Musik doch erst ermöglicht, bildet unsere materielle Lebensgrundlage. Wir wollen keinen Rolls-Royce in unserer Garage, sondern eine erfolgsabhängige Vergütung für die Nutzung unserer Musikwerke. Dies gilt im Besonderen, wenn wir mit unserer Kreativleistung zum wirtschaftlichen Erfolg eines Konzerns beitragen, der im letzten Jahr 50 Mrd. USD Umsatz erzielt hat und die Zahl der verkauften Videoanzeigen seiner Tochter YouTube abermals erhöhen konnte. Zu diesem Erfolg haben auch wir Urheber beigetragen. An dem Umsatz werden wir jedoch nicht beteiligt.

Statt den Kern des Problems zwischen GEMA und Youtube – und sei es satirisch – dazustellen, nehmen Sie eine hämische Verkürzung vor und machen sich damit zum Instrument einer internationalen Kampagne. Wollen Sie sich als Journalisten wirklich auf die Seite eines internationalen Suchmaschinenbetreibers schlagen, der nicht für sein hohes Verständnis für geistiges Eigentum und die daraus folgende Vergütung der Schöpfer bekannt ist?

Durch Ihre angeblich mit einem „Augenzwinkern“ erstellten Sperrtafeln unterstützen Sie die Google-Tochter YouTube in ihrer Kampagne gegen die GEMA. Als Redaktion beeinflussen Sie damit die Öffentlichkeit und Meinungsbildung in für uns nicht nachvollziehbarer Weise, denn für die Sperrungen von Videos können wir nicht verantwortlich gemacht werden. Dass über die Angemessenheit der Vergütung mit Youtube verhandelt werden muss, ist selbstverständlich. Eine außergerichtliche Einigung hierüber strebt die GEMA bis heute an – unabhängig von einer Unterlassungsklage.

Dass jedoch ein Magazin wie der Stern in diesem Vergütungsstreit Partei ergreift und in dieser ehrverletzenden Form Lobbyarbeit für einen Großkonzern betreibt, ist kein nonchalantes Augenzwinkern, sondern eine nicht hinnehmbare Attacke. Es zeugt bestenfalls von Ignoranz, dass diese ausgerechnet von Journalisten ausgeführt wurde, die ebenfalls von Produktionen leben, die dem Leistungs- und Urheberschutz unterliegen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Enjott Schneider, Frank Dostal, Karl-Heinz Klempnow, Burkhard Brozat, Prof. Dr. Rolf Budde, Klaus Doldinger, Jörg Evers, Hans-Peter Malten, Frank Ramond, Dagmar Sikorski, Patrick Strauch, Prof. Lothar Voigtländer, Stefan Waggershausen, Dr. Ralf Weigand, Hartmut Westphal, Jörg Fukking, Winfried Jacobs, Tobias Künzel, Julia Neigel, Prof. Manfred Schoof, Konstantin Wecker

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