06.09.2012
Messen/Events
Berlin - Am Mittwochabend, 5. September, wurde die Berlin Music Week 2012 mit einem langen Konzertabend offiziell im Tempodrom am Anhalter Bahnhof eröffnet. Die Eröffnungsgala war keine im klassischen Sinne, sondern eine Geburtstagsparty des von renommierten rbb-Senders radioeins, der 15-jähriges Bestehen feiert.
Aus dem Anlass hatten Berlin Music Week 2012 und radioeins gemeinsam zur „großen Sause“ ins Tempodrom geladen. Diese für das Publikum offene, aber – den äußeren Rahmen betreffend - relativ unglamouröse Veranstaltungsform spiegelte das Selbstverständnis der Berlin Music Week 2012 wider: keine Abschottung zwischen Musikmachern und Musikfans, jeder ist willkommen, die Musik soll im Mittelpunkt stehen. Wahrscheinlich will die Berlin Music Week 2021 ganz gern ein bisschen so sein wie das hochgelobte radioeins: ein breites Publikum unterhaltsam und mit viel Hörernähe ansprechen und trotzdem nicht den eigenen, innovativen Anspruch und auch den kommerziellen Erfolg aus den Augen verlieren.
Vor allem das zentrale Augenmerk auf die Musik wurde im nicht ganz ausverkauften Tempodrom (trotz erschwinglicher Ticketpreise von 25 Euro für fünf Acts) konsequent durchgezogen. Statt Häppchen und Prosecco und salbungsvollen Redebeiträgen von Honoratioren der Hauptstadt gab es fürs Publikum Bier im Plastikbecher (zu kaufen) und jede Menge Livemusik zu hören. Teilweise begleitet vom Deutschen Filmorchester Babelsberg spielten Olli Schulz, Gemma Ray, Budzillus, Jonathan Jeremiah und Archive, die ihre Deutschlandtournee an diesem Abend begannen. Die mehrstündige Veranstaltung wurde von radioeins live übertragen, immer wieder unterbrochen von Gesprächen mit den Musikern und Gästen aus dem radioeins-Bus, der vor dem Tempodrom parkte. So erhielten auch Music Week-Chef Björn Döring und Christoph von Knobelsdorff, Berliner Staatssekretär für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Gelegenheit, ihre Botschaft über den Äther ans große Publikum zu richten.
Döring lobte an der nunmehr dritten Berlin Music Week, dass sie endlich „Klarheit“ bringe, nach dem ganzen Hin und Her mit der Popkomm. Man sei dabei, eine Marke aufzubauen, die quasi ein großes Dach für einen vielfältigen Austausch von Ideen, Gesprächen und Musik biete. Dabei hätte man im Prinzip das ganze Konferenzprogramm mit einem Thema besetzten können, wenn es nach dem Interesse der Leute ginge: Gema. Da schlügen die Wogen sehr hoch und Döring versuchte dem einen positiven Aspekt abzugewinnen: Nirgendwo sei der Kontakt zwischen Szene und Politik so eng wie in Berlin. Davon künde auch die Pop-trifft-Politik-Veranstaltung mit dem SPD-Spitzenpolitiker Frank-Walter Steinmeier am Freitag.
Politikerkollege Christoph von Knobelsdorff, ließ es sich am radioeins-Mikro denn auch nicht nehmen, die „extreme Wichtigkeit“ der Berlin Music Week für die Hauptstadt zu betonen. „Wir wollen noch mehr Potenzial aus der Stadt herauskitzeln.“ Dabei zog er Vergleiche mit der Fashion Week, die zweimal jährlich stattfindet und jeweils rund 120 Millionen Euro in die Stadt spüle. An diese Zahl reiche die Berlin Music Week allerdings noch nicht heran.
Dass nicht alles auf Anhieb klappt, bewies dann auch der Abschluss des Abends im Tempodrom. Die Orchestermusiker hatten früher Feierabend als gedacht, weil die Headliner Archive ohne sie auftraten. Nach einer Probe am Nachmittag und einer kurzen Beratung hatten sich beide Klangkörper-Seiten einvernehmlich und ohne Groll geeinigt, die sinfonische Komponente zu streichen. Die Zeit zum Üben war doch zu kurz, um die eigenen Ansprüche zu erfüllen. Aber die nächste Berlin Music Week kommt bestimmt. Ob sie auch mal 15-jähriges Bestehen feiert, wird man sehen.