13.08.2012
Wirtschaft
Berlin - Die von der Universal Music Group gemachten Zugeständnisse bei der EMI-Übernahme gehen Wettbewerbern nicht weit genug, berichtet das amerikanische Wirtschaftsmagazin Bloomberg.
Die Universal Music Group (UMG) hat am 9. August mit der EU-Kommision über die angekündigte Übernahme von EMI Music diskutiert. Dabei sei es, so Bloomberg, um das Angebot von UMG gegangen, 60 Prozent der europäischen Firmenanteile von EMI Music zu veräußern. Diese umfassten Musikkataloge von Parlophone, Chrysalis and Sanctuary, allerdings nur deren europäischen Rechte. Der Besitzer der Kataloge würde also beispielsweise über Rechte an Produktionen von Radiohead in Europa verfügen, nicht aber über die für den Rest der Welt. Die verbleiben bei UMG. Fraglich ist, ob damit die Bedenken der EU-Kartellwächter zerstreut sind. Diskutiert wird nun darüber, ob Universal auch globale Rechte abtreten muss. Das würde den Wert des EMI-Kataloges deutlich schmälern.
Universal Music hat EMI Music im letzten Jahr von der Citigroup Inc. für 1,2 Milliarden Pfund übernommen und ist nun gehalten, einzelne Firmenanteile zu veräußern, um von der EU-Kommission eine Übernahmegenehmigung zu bekommen. Bis zum 27. September hat die EU-Kommission eine Entscheidung zu treffen. Die Zahlung an die Citigroup ist allerdings nach Informationen von "Billboard" bereits am 10. September fällig. Im schlechtesten Fall könnte das bedeuten: UMG hat EMI Music gekauft, muss es aber wieder abstoßen.
Zum Hintergrund
Die Europäische Kommission hat nach der EG-Fusionskontrollverordnung eine Untersuchung der geplanten Übernahme von EMI durch die Universal Music Group eingeleitet. Eine erste Marktuntersuchung hat nach eigenen Angaben ergeben, dass die geplante Übernahme wettbewerbsrechtliche Bedenken im Großhandel für physische und digitale Tonträger aufwerfen könnte, insbesondere weil das Unternehmen nach der Übernahme über einen großen Marktanteil und größere Marktmacht verfügen würde.
Dazu erklärte der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission Joaquín Almunia: "Die geplante Übernahme könnte den Wettbewerb auf dem Tonträgermarkt zum Nachteil der europäischen Verbraucher einschränken. Die Kommission muss sicherstellen, dass die Verbraucher weiterhin unter Wettbewerbsbedingungen Zugang zu einem breitgefächerten Angebot an Musik auf verschiedenen physischen Tonträgern und in verschiedenen digitalen Formaten haben."
Den Ergebnissen der ersten Untersuchung der Kommission zufolge würde die geplante Übernahme insbesondere dazu führen, dass Universal Music seine Marktmacht gegenüber seinen Direktkunden vergrößert. Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchung wäre das Unternehmen nach der Übernahme fast doppelt so groß wie der nächst größte Wettbewerber im Europäischen Wirtschaftsraum, so dass es voraussichtlich weder durch die verbleibenden Wettbewerber auf dem Markt, noch durch die Nachfragemacht der Kunden oder das Risiko der sogenannten Musikpiraterie hinreichendem Druck ausgesetzt wäre. So die Bedenken der EU-Kommission. Stellungnahmen von Universal Music Group und Europäischer Kommission liegen derzeit nicht vor.