31.01.2014  Recorded Music  International

Direktlizenzierung: Rückschlag für US-Verlage

 

New York – Aus den Plänen der großen US-Publisher, ihre digitalen Lizenzen direkt mit den Lizenznehmern zu verhandeln, während sich die Verwertungsgesellschaften weiterhin um die übrigen Lizenzen kümmern, wird vorerst nichts. Fürs erste kümmert sich die BMI wieder um die Lizenzvergabe, auch an digitale Musikdienste wie Pandora.

Die Universal Music Publishing Group (UMPG) und Sony/ATV hatten vergangenes Jahr verlautbart, künftig direkt mit digitalen Lizenznehmern wie Online- und Mobile-Musik-Diensten zu verhandeln und Raten festzulegen, eine Aufgabe, die traditionell den Verwertungsgesellschaften zukommt. Laut Ansicht der US-Publisher leisteten BMI und ASCAP, so der Name der zweiten großen Verwertungsgesellschaft der USA, gute Arbeit in allen Lizenzierungs-Feldern mit Ausnahme der Digitallizenzen.

Kein Rosinenpicken

Ende des vergangenen Jahres entschied jedoch der ASCAP Rate Court – vergleichbar dem Schiedsgericht der GEMA –, dass Musikverlage Verwertungsgesellschaften entweder ganz oder gar nicht mit der Lizenzierung ihrer Werke beauftragen können, Rosinenpicken sei nicht erlaubt. Aus diesem Grund ging zumindest UMPG wieder eine Vereinbarung mit der BMI ein, meldet "Billboard". Der Deal sei jedoch auf kurze Zeit begrenzt, in der Hoffnung, das US Department Of Justice beuge sich doch noch den Forderungen der Publisher, die digitalen Lizenzen von den übrigen – etwa Lizenzen für Radio, TV, Spielstätten, Restaurants usw. – auszunehmen.

Neue Anforderungen im Digitalzeitalter

Laut Zach Horowitz, dem Chairman und CEO der UMPG, stamme die Pflicht der Verwertungsgesellschaften zur kollektiven Lizenzierung an alle Lizenznehmer aus einer Zeit, als es noch keinen iPod gab. Im digitalen Zeitalter gebe es derart viele einzigartige Geschäftsmodelle und -Ansätze, mit denen jeweils individuelle Lizenz-Vereinbarungen getroffen werden müssten, um ihren jeweiligen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Verwertungsgesellschaften, die ansonsten hervorragende Arbeit leisteten, würden lediglich den Anforderungen des digitalen Zeitalters nicht gerecht, weshalb die digitale Lizenzvergabe in den Händen der Publisher liegen sollte.

Zudem könne sich ein Rate Court auf dem digitalen Musikmarkt noch nicht an genügend Erfahrungswerten orientieren, um kollektive Raten überhaupt festlegen zu können, so Horowitz weiter. Direkte Verhandlungen zwischen Publishern und Musik-Diensten führten am schnellsten dazu, dass sich angemessene Raten auf dem digitalen Marktplatz etablierten, weshalb – zumindest auf dem Digitalmarkt – freie Verhandlungen ermöglicht werden sollten. Zum Schluss betonte der Chairman und CEO noch einmal, dass man in allen anderen Bereichen hochzufrieden mit und dankbar für die Zusammenarbeit mit der BMI sei.

Weitere Meinungen zur direkten bzw. kollektiven Lizenzierung

Im Rahmen des World Creators Summit 2013 sprachen wir mit Laurent Hubert (BMG Chrysalis), Ralph Peer II (Peermusic) sowie Robert Ashcroft (PRS For Music) unter anderem über das Thema Lizenzierung. Als registrierter "musikmarkt"-Nutzer finden Sie sämtliche Interviews hier:

>> Laurent Hubert (BMG Chrysalis): "Es muss nicht Gewinner auf der einen und Verlierer auf der anderen Seite geben"

>> Ralph Peer II (Peermusic): "Was wir heute sehen, sind Lösungen für Themen aus der Vergangenheit"

>> Robert Ashcroft (CEO PRS for Music): "Wir haben einen Hang zur Lizenzierung"

0 Leser fanden diesen Beitrag lesenswert

0 Leser fanden diesen Beitrag weniger lesenswert

Vielen Dank für Ihre Meinung.

Sie haben schon an der Berwertung teilgenommen.

Sie haben ihre Meinung geändert.


 
 
 

Weitere News