03.03.2016  Recorded Music  Wirtschaft

Deutscher Musikmarkt 2015: Wachstum von 4,6 Prozent übertrifft Prognose

 

Berlin – 2015 lief es gut für den deutschen Musikmarkt – genauer gesagt sogar noch besser als Mitte Januar erwartet: Der Gesamtumsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent. Hierzu trugen besonders nationale Produktionen sowie die "jungen" Segmente Hip-Hop, Dance und Streaming bei.

Insgesamt generierte die einheimische Musikindustrie einen Gesamtumsatz in Höhe von rund 1,55 Milliarden Euro. Der Aufwärtstrend der letzten Jahre setzte sich damit auch 2015 fort.

Vor allem im Streaming-Sektor hat sich das Endergebnis gegenüber der Prognose vom Januar noch einmal erheblich verbessert: Da die Umsätze aus Musik-Streaming 2015 mehr als verdoppelt wurden (en detail: plus 106 Prozent), macht dieses Segment inzwischen 14,4 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Downloads liegen mit 15,6 Prozent Umsatzanteil noch knapp darüber, wenngleich hier Streaming in absehbarer Zeit vorbeiziehen dürfte – 2015 erzielten beispielsweise die Majors Warner Music und Universal Music bereits mehr Streaming- als Download-Einnahmen. Das Digitalgeschäft machte für die deutsche Musikindustrie 2015 in Summe 30,8 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Physisch weiter stark

Die CD sorgte trotz eines Umsatzrückgangs von 4,2 Prozent immer noch für 60,8 Prozent der Einnahmen aus Musikverkäufen. Damit war sie zwar auch 2015 das Medium Nummer eins in Deutschland, jedoch bröckelt ihr Status allmählich. Laut einer Prognose von BVMI und GfK könnte in den nächsten fünf Jahren Streaming mit der CD in Sachen Umsatz gleichziehen.

Prognose 560

(Noch) Zukunftsmusik: 2020 könnte Streaming die physischen Produkte in Sachen Marktanteil nach aktuellen Prognosen eingeholt haben (Grafik: BVMI, GfK Consumer Panels)

Der Vinyl-Markt ist im Endergebnis mit einem Plus von 30,7 Prozent zwar nicht ganz so stark gewachsen wie noch in der Hochrechnung angenommen, macht aber inzwischen 3,2 Prozent des Gesamtumsatzes aus (2014: 2,6 Prozent). „Die Aufwärtsbewegung hat 2007 begonnen, der Trend hält also seit bereits acht Jahren an. Insofern ist gut vorstellbar, dass es noch eine Weile so weitergeht“, bewertet BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke den Trend zum Vinyl, dämpft jedoch die Erwartungen auch etwas: „Ich denke allerdings, dass es ein Wachstum in der Nische bleiben wird.“

Unter dem Strich liegt der Anteil aller physischen Musikverkäufe (CD, Vinyl, DVD/Blu-ray) bei 68,6 Prozent, also über zwei Dritteln. Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI, erklärt dazu: "Man sieht an dieser Bilanz, dass die Musikbranche erfolgreich gelernt hat, digital zu agieren, denn es sind die Streaming-Zuwächse, die den Umsatz treiben. Seine derzeitige Stärke bezieht der deutsche Musikmarkt aber vor allem aus der gesunden Format-Balance: Physisch und digital schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander."

"First Mover" auf beiden Seiten

Die Zahl der Songs, die die deutschen Fans innerhalb einer Woche streamen, lag Ende 2015 bei 617 Millionen, was fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Wird dieses Medium also bereits von der breiten Bevölkerung angenommen oder besteht noch "Aufklärungsbedarf" – auch bei Künstlern, die teilweise ihre Werke bei Spotify sperren? "2015 war definitiv ein sehr entscheidendes Jahr für das Musik-Streaming in Deutschland, ein Wachstum von 106 Prozent zeigt, dass sich Streaming als Nutzungsform etabliert", stellt Drücke fest. "Es wird sicher nicht das Ende der Geschichte digitaler Vertriebswege sein, aber auf absehbare Zeit ein wesentlicher Kanal bleiben."

Streaming 560

Streaming erfreut sich seit 2012 stark wachsender Beliebtheit, alleine 2015 verdoppelte sich die wöchentliche Anzahl der werbefinanzierten und Premium-Streams fast (Grafik: GfK Entertainment)

Im vergangenen Jahr waren beispielsweise erstmals die kompletten Kataloge von AC/DC und den Beatles bei den großen Streaming-Diensten verfügbar. Andere Topseller wie Adele und Taylor Swift boykottieren Spotify und Co. jedoch weiterhin – was den beiden Genannten scheinbar nicht schadete, waren sie doch laut IFPI 2014 bzw. 2015 die bestverkaufenden Künstler der Welt. Drücke weiter: „Wie bei physischen Tonträgern, aber auch beim Thema Download, muss jetzt und in Zukunft jeder Künstler und jede Künstlerin für sich entscheiden, welche Formate am besten in den eigenen Marketing- und Verbreitungsmix passen. Letztlich sehen wir aber auch hier wieder, dass es ja nicht nur auf Seiten der Nutzer 'First Mover' gibt, sondern dies auch auf Künstler und Managements zutrifft."

Neue Spielregeln, aber keine Überregulierung

Als Folge dessen stellt Drücke fest, dass "Streaming mit einer solchen Dynamik wächst, dass sich die Umsatztorte insgesamt wieder vergrößert hat. Mit 1,55 Milliarden Euro Umsatz haben wir in Deutschland immerhin wieder fast das Niveau von 2009 erreicht".

Da in Sachen Streaming-Monetarisierung besonders für die Kreativen längst nicht alles in Goldglanz erstrahlt, fordert Drücke neue Spielregeln, warnt jedoch auch vor Überregulierung: "Gerade weil Musik im digitalen Raum wirtschaftlich erfolgreich ist, muss es jetzt erst recht darum gehen, verlässliche Rahmenbedingungen für das digitale Lizenzgeschäft zu schaffen. Das heißt zum einen, dass Kreative und ihre Partner an der Wertschöpfung partizipieren sollen und ihre Rechte durchsetzen können müssen. Andererseits ist Vorsicht geboten, wenn der Gesetzgeber in funktionierende Systeme regulatorisch eingreift, wovor wir in der aktuellen Diskussion um das Urhebervertragsrecht nur warnen können."

"Junge" Genres legen zu

Wie verteilt sich das Umsatzplus nun auf die verschiedenen Musik-Genres? In den Top 100 der deutschen Album-Charts machen nationale Produktionen rund 69 Prozent aus – vor fünf Jahren waren es nur 49, vor zehn Jahren noch nicht einmal 40 Prozent. Dieter Gorny erklärt hierzu: "Ein weiterer Grund für das positive Ergebnis ist die wachsende Nachfrage nach in Deutschland produzierter und deutschsprachiger Musik: In den 90er Jahren hatten wir einen Schnitt von kaum mehr als 20 Prozent einheimischer Produktionen, 2015 sind acht der Top-10-Alben in den deutschen Jahres-Charts deutschsprachig. Den Trend gibt es bekanntlich seit einigen Jahren, aber das ist ein neuer Rekord. Und natürlich spiegelt sich die enorm gewachsene Popularität von nationalem Repertoire auch in den Umsätzen wider."

Genres 560

Die Aufschlüsselung der Umsätze nach Musik-Genres (Grafik: GfK Entertainment)

Die einheimischen Künstler haben Fans quer durch alle Genres. Besonders Rap ist weiterhin sehr populär und verbucht in schöner Regelmäßigkeit Nummer-eins-Platzierungen in den Album-Charts. Seinen Umsatzanteil konnte dieses Genre 2015 von 3,6 auf 8,6 Prozent mehr als verdoppeln. Schlager, Deutschpop und Volksmusik blieben dafür nahezu stabil. Der Dance-Bereich wiederum legte ebenfalls deutlich zu von 4,0 auf nun 6,7 Prozent. Auch hieran haben deutsche Künstler ihren Anteil, jedoch steht dabei eher das Single- als das Album-Format im Vordergrund. Hip-Hop und Dance werden primär von jüngeren Fans gehört, die wiederum die größte Gruppe unter den Streaming-Nutzern stellen – diese beiden Genres treiben den Streaming-Zuwachs also besonders voran.

Blick in die Zukunft

Der deutsche Musikmarkt ist zum dritten Mal in Folge gewachsen. Auch in Zukunft also alles in Butter? "Ob der Trend sich fortsetzt, werden wir sehen, die Prognose geht in jedem Fall davon aus", erläutert Drücke. "Allerdings wissen wir alle, wie wenig vorhersehbar Marktentwicklungen sind, das gilt umso mehr im digitalen Zeitalter, in dem sich die Dinge sehr schnell entwickeln. Dennoch sehen wir aktuell einen gut aufgestellten deutschen Musikmarkt.

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