28.06.2012
International
Peking – China hat einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der Künstlern und Produzenten erstmals Einnahmen aus öffentlicher Aufführung und Übertragung garantieren könnte. Die IFPI begrüßt den Gesetzesentwurf, hat aber noch Zweifel insbesondere im Bezug auf die Verwertungsgesellschaften, die in China operieren.
Der Gesetzesentwurf garantiert chinesischen Künstlern und Produzenten künftig, für die öffentliche Aufführung sowie die Übertragung ihrer Werke Tantiemen zu erhalten. Frances Moore, Chief Executive der IFPI, begrüßte den Gesetzesentwurf in einer Rede, die sie im Rahmen der International Copyright Expo in Beijing hielt. Das neue Gesetz sei ein gewaltiger Schritt nach vorn und werde der gesamten chinesischen Kreativindustrie zugute kommen. Aufführungsrechte seien eine wachsende Einnahmequelle für Künstler weltweit.
Konkurrierende Verwertungsgesellschaften
Der Gesetzesentwurf sehe allerdings auch vor, dass die bestehenden Verwertungsstrukturen einfach erweitert würden, so Moore. Die IFPI befürchte jedoch, dass den bestehenden Verwertungsgesellschaften die nötige Erfahrung fehle, um mit sämtlichen Aspekten der Lizenzierung zurecht zu kommen. Die IFPI plädierte für die Gründung unterschiedlicher Verwertungsgesellschaften, die im Sinne der vielen verschiedenen Rechteinhaber handelten. Die Rechteinhaber sollten selbst bestimmen dürfen, zu welchem Zweck sie welche Songs lizenzieren möchten.
Die Verwertungsgesellschaften sollten laut Moore für ein faires und verhältnismäßiges Mitspracherecht für ihre Mitglieder, faire Vertriebs-Methoden sowie angemessene Mitgliedsbeiträge stehen. Außerdem sollten die Verwertungsgesellschaften ihre eigenen Tarife, die sich am Marktwert der Rechte ihrer Mitglieder orientieren, bestimmen dürfen. Die IFPI glaube an ein System, in dem mehrere Verwertungsgesellschaften miteinander konkurrieren und hoffe, dass der Gesetzesentwurf dahingehend noch angepasst werde.
Frances Moore: "China hat Potenzial"
China berge enormes Potenzial für die Musikindustrie: Mit insgesamt 600 Millionen Breitband-Zugängen habe China bereits die USA überholt. Zudem lebte in China die weltweit größte Anzahl von Menschen mit Mobilfunkverträgen. Der digitale Musikmarkt sei zwar noch klein, er habe aber auch mit viel unlauterem Wettbewerb durch unlizenzierte Dienste zu kämpfen. Neben der Konkurrenz durch illegale Angebote sei auch der Marktzugang für neue Dienste in China immer noch sehr restriktiv geregelt. Diese beiden Aspekte – Piraterie und Marktzugang – gelte es neben stattfindenden Modernisierung des Urheberrechts ebenfalls anzupacken.