27.06.2016  Recorded Music  Wirtschaft

Britische Musikbranche kritisiert Brexit und fordert Handelsabkommen

 

London – 52 Prozent der Briten stimmten vergangene Woche für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Die britische Musikindustrie reagiert geschockt und fordert schnellstmögliche Handelsabkommen, die den Export von britischer Musik erleichtern.

Dass die Vertreter der britischen Musikindustrie in einer gemeinsamen Stellungnahme geschlossen gegen einen Austritt aus der Europäischen Union geworben hatten, zeigte keine ausreichende Wirkung: Seit vergangenen Freitag steht fest, dass die Mehrheit der Briten aus dem Wirtschaftsverbund austreten will. Premierminister David Cameron, der das Referendum initiiert hatte, zog daraus Konsequenzen und legt ab Oktober sein Amt nieder.

Durch die sozialen Medien rollte eine Welle des Schocks u. a. mit Statements von britischen Künstlern wie Lily Allen, Zayn, Ellie Goulding, Disclosure, Liam Gallagher und Johnny Marr. So schrieb Lily Allen auf Twitter: „So, Millennials, wir sind jetzt wirklich am Arsch“, Zayn wiederum twitterte: „Es ist sehr traurig, die Gesellschaft so zersplittert zu sehen, vor allem in Bezug auf Religionen, Generationen und Klassen. Wir müssen jetzt zusammenhalten, damit es funktioniert.“ Ellie Goulding schrieb: „Ich glaube wirklich, dass das eines der verheerendsten Dinge ist, die in meinem bisherigen Leben passiert sind. Ich habe heute morgen Angst gehabt wie noch nie zuvor.“

Trotz des für die Musikbranche enttäuschenden Ergebnisses haben einige Musikwirtschaftsverbände ihr Bestreben wiederholt, ungehinderten Zugang zum europäischen Markt zu erhalten. Sie betonten die Notwendigkeit, zusammenzuarbeiten, um den internationalen Erfolg britischer Musik nicht zu schwächen.

Geoff Taylor, Generaldirektor der BPI & Brit Awards, sagte, dass der Brexit einen kurzfristigen Schaden anrichten könnte, betonte aber auch die Möglichkeiten, die sich nun ohne EU-Beteiligung für ein stärkeres Urheberrecht innerhalb Großbritanniens ergeben könnten. Er forderte von der Regierung Handelsabkommen, die britischen Musikunternehmen und tourenden Künstlern problemlosen Zugang zum europäischen Markt garantieren.

Die Wall Street erlebte am Freitag einen der schlechtesten Tage seit Jahren, nachdem das Ergebnis der Abstimmung bekannt wurde. Der Dow Jones Index fiel um 611 Punkte, also um 3,4 Prozent. Der Werteverlust zog sich durch die gesamte Medienbrancge: Comcast verlor 2,1 Prozent, Disney 3,3 Prozent und Time Warner 3,2 Prozent. Am meisten vom Fall betroffen war 21st Century Fox, dessen Aktienwerte um 7,7 Prozent fielen, gefolgt von Viacom mit 5,8 Prozent, Sony mit 4,8 Prozent und CBS mit 3,8 Prozent.

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