22.02.2016  Live Entertainment  Messen/Events

Beyoncé: Polizeigewerkschaft ruft nach Super-Bowl-Auftritt zum Boykott auf

 

Santa Clara – Nach Beyoncés vermeintlich provokanten Halbzeit-Auftritt während des NFL Super Bowl ruft die Polizeigewerkschaft in Miami nun dazu auf, zukünftige Auftritte der Sängerin zu boykottieren. Ein Polizist solle nicht freiwillig eine Veranstaltung einer Frau sichern, die Botschaften gegen die Polizei aussende, so die Begründung.

Mittlerweile gehen einige Polizeigewerkschaften einen Schritt weiter: „Wir halten alle Ordnungskräfte an, weder Beyoncé-CDs noch -Tickets zu kaufen.“

Beyoncé machte mit ihrer Performance während der Halbzeit des diesjährigen Super Bowl 50 von sich reden. Sie nutzte die Gelegenheit, ihren neuen Song „Formation“ vorzustellen, in dem sie schwarze Frauen ermutigt, für ihre Rechte zu kämpfen. Das bereits im Liedtext begründete politische Statement unterstützten dunkelhäutige Tänzerinnen in Kostümen, die an die Black Panther Party und die Black-Power-Bewegung der 60er und 70er Jahre erinnerte. Zwischenzeitlich bildeten sie eine Formation in X-Form – ein vermeintlicher Hinweis auf Malcolm X, einen der Führer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Außerdem trug Beyoncé ein großes, goldenes X auf der Brust – eine Verzierung im Look eines Patronengürtels.

Wie Beyoncés "Formation" verstanden wird, ist natürlich Interpretationssache. Die Polizeigewerkschaften stören sich offensichtlich am Black-Power-Look der Performance. Da Beyoncé in dem Lied ihre "Ladies" anspricht, kann es allerdings auch als feministische Aufforderung gedeutet werden. Textlich befürwortet Beyoncé in "Formation" jedoch den Stolz auf die eigene Herkunft und Ethnie.

Offensichtlich stoßen sich aber auch heute mache US-Polizisten an derartigen Hommagen an die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner: Die Polizeigewerkschaft in Miami rief nun zum Boykott des nächsten Beyoncé-Konzerts am 27. April im Marlins Park auf. Die 34-jährige Sängerin startet dort ihre „Formation“-Welttournee. Normalerweise sichern Polizisten freiwillig Veranstaltungen wie diese, doch genau das will die Gewerkschaft nun verhindern: Gewerkschaftschef Javier Ortiz sagte: „Wir arbeiten nicht freiwillig für eine Frau, die eine Botschaft sendet, die sich gegen die Polizei richtet.“ Sprecher der Polizei in Miami versicherten nichtsdestotrotz, dass das Konzert ordentlich gesichert werde.

Hintergrund: Black Lives Matter

Beyoncés Statement-Performance muss im Lichte der Entwicklungen der letzten Jahre gesehen werden. Dank allgegenwärtiger Handy-Kameras und der Verfügbarkeit von Social-Media-Kanälen kommen immer mehr schockierende Fälle ans Licht, in denen amerikanische Polizisten unverhältnismäßig viel Gewalt gegen schwarze Bürger anwenden. In einigen Fällen – wie etwa bei Michael Brown und Eric Garner – wurden Afroamerikaner bei der Verhaftung durch Polizisten getötet, andere – wie Sandra Bland – starben unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam.

Nicht nur der offensichtliche Rassismus, auch, dass diese Taten größtenteils für die jeweiligen Polizisten ohne ernstzunehmende Konsequenzen bleiben, hat in den USA vermehrt zu Unruhen und Protesten geführt und die "Black Lives Matter"-Kampagne hervorgerufen. Eine Generalüberholung der üblichen Vorgehensweise von Polizisten sowie u.a. bessere Schulungen zur Deeskalation werden gefordert.

Die Proteste gegen Polizeigewalt haben allerdings auch eine Gegenreaktion der Polizeigewerkschaften hervorgerufen, die sich angegriffen fühlen. Im Zuge der Proteste wurden als erste Änderung der vermehrte Einsatz von sogenannten Body Cams versprochen, kleinen Kameras, die Polizisten an ihrer Uniform tragen.

Der gesamte Auftritt Beyoncés beim Super Bowl 2016 kann hier, etwa ab Minute 7:00, gestreamt werden. Das Video in HD stellt die NFL auf www.youtube.com zur Verfügung.



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