18.06.2012  Recorded Music  Messen/Events

"Berlinale der Musik" – Vernetzung und Diskurs auf der Berlin Music Week 2012

 

Berlin - Die Berlin Music Week 2012 im September setzt auf mehr Spaß vor allem im kleinen Ambiente und auf Vernetzung und Diskurs von und mit (fast) allen. Lange vor dem Start der 3. Berlin Music Week – 5. bis 9. September – haben die Veranstalter am Montag in Berlin erklärt, wie sie sich eine nicht zu floppende Zusammenkunft von Musikmachern, -verwertern und -konsumenten vorstellen.

Björn Döring, Projektleiter der Berlin Music Week 2012, sagte in der Capitol Yard Golf Lounge am Spreeufer, man wolle sich auf „den, egal wie sich die Musik in Zukunft entwickelt, komplett krisensicheren Ausgangspunkt“ konzentrieren: die Künstler. Was nach entdeckter Weltformel für eine Branche-trifft-Publikum-Veranstaltung mit Erfolgsgarantie klingt, ist eigentlich nur hübscher formuliert, als das was in den letzten Jahren bei ähnlichen Presseterminen auch (so ähnlich) behauptet wurde. Der entscheidende Unterschied: Diesmal könnte die Realität der Ankündigung so nahe kommen wie nie.

Jedenfalls haben sich die Organisatoren der Berlin Music Wek 2012 einiges ausgedacht, was sowohl das Potenzial als auch das Image der Musikstadt Berlins am besten widerspiegelt. Der Abschied vom Musikmessewesen, manifestiert durch das endgültige Aus der Popkomm, ist da nur konsequent. Stattdessen setzen die Macher der Berlin Music Week 2012 auf eine speziell in Berliner Mitte-Cafés ausgeprägte Kommunikationsform: Latte schlürfen (oder anderes) und über Projekte reden. Und abends ab in den Club zum Musikhören und weiter schwadronieren. Nur, dass die Teilnahme an der Berlin Music Week 2012 nicht im Schwadronieren münden soll, sondern in tragfähigen geschäftlichen Ideen und Ergebnissen.

Die Infrastruktur dafür bietet ein relativ kleines Areal rund um das Zentrum der Berlin Music Week 2012 zwischen nhow-Musikhotel und Universal-Gebäude an der Spree. Im Spreespeicher befindet sich dann das neue Festivalzentrum. Nur wenige Schritte entfernt wird ein Großteil des Programms der brandneuen Entwicklungs- und Austauschplattform der Berlin Music Week 2012 – Word on Sound – stattfinden, die den Diskurs über Musik und alles sie Umkreisende wie Konzerte, Film, Kunst, Mode, Wissenschaft, Gesellschaft, politische Aktivitäten sowie Handel befördern will.

Die alles dominierende Maxime bei der Berlin Music Week 2012 ist die Vernetzung aller potenziellen Ansprechpartner. „Wir wollen kein Klassentreffen der Musikindustrie“, so Björn Döring, der dem großen Dialogbedürfnis unter allen Musikwirtschaftsbeteiligten Rechnung tragen will. Man wolle sowohl wichtige Entscheider heranholen (zum Beispiel die, die in Amerika für Soundtrack verantwortlich sind), als auch erfolgreiche Start-ups präsentieren, dazu natürlich die Berliner Clubszene. Um keine relevanten Personen auszusparen, wurde das „Gastgeberprinzip“ erdacht, d.h., alle können ihre Geschäftspartner einladen, um die Vernetzung nach außen zu ermöglichen.

„Nicht nur Konfetti in die Luft und dazu drei Konzerte“, nennt Döring diesen Ansatz, mehr Substanz in die Berlin Music Week 2012 zu bringen. Für die würden eben nicht (nur) möglichst große Namen von Branchenplayern sorgen, sondern die Einbeziehung der Indies und, ja, auch der Einzelkämpfer, die sich mal einfach auf der a2n umhören wollen. In einem ganzen Hotel werden sich lauter Blogger austauschen. Und wenn ein Start-up wissen will, welche Unterstützung man zum Beispiel vom Berliner Senat erwarten kann, dann soll es darauf in einem der Workshops tatsächlich Antwort erhalten.

Eines möchte die Berlin Music Week 2012 auf keinen Fall sein – eine Plattform für den vielen aus den Ohren hängenden „Betroffenheitstalk“ (Döring). Auch deshalb wird auf den Spaßfaktor gesetzt, wozu Wohnzimmer-Konzerte in Kreuzberg genauso gehören wie die große Eröffnungsshow im Tempodrom mit Archive und dem Filmorchester Babelsberg sowie natürlich das "Berlin Festival" auf dem Tempelhofer Flugfeld, das neben The Killers und Paul Kalkbrenner gleich noch die größte Silent Disco der Welt offeriert. Während es Medienpartner tape.tv eine Spur kleiner, aber nicht weniger spektakulär angeht: Die Konzertreihe „Auf den Dächern“ wird als Festival mit neun Bands auf drei Dächern konzipiert. Natürlich werden auch die Musikexportbüros bei der Berlin Music Week 2012 willkommen geheißen. So bringen die Franzosen diesmal eine spezielle Künstlerabordnung aus Paris mit.

Nach all den attraktiven Ankündigungen mochte der Berliner Staatssekretär für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Christoph von Knobelsdorff, nicht mehr mit drögen Zahlenkolonnen das aufgelockerte Flair trüben. Also versuchte er sich an Drahtseilakt zwischen Optimismus und Größenwahn, in dem er die Berlin Music Week 2012 gern zur „Berlinale der Musik“ wachsen sähe. Das Zutun der öffentlichen Hand erklärte er in Zahlen so: Der Senat habe im Haushalt für die Jahre 2012 und 2013 jeweils 500.000 Euro für die Berlin Music Week eingeplant. Künftig werde man den Musikstandort so fördern, „dass Geschäft entsteht“.

Zudem lag dem Staatssekretär noch eine Richtigstellung am Herzen. Die Anregung, Echo-Verleihung und Berlin Music Week doch stärker zu kombinieren, um beides auf ein höheres Level zu bringen, sei kein irgendwie verbrämter Vorschlag zur Einsparung von was auch immer. Vielleicht könne man eine Art „Spring Conference“ rund um den Echo abhalten. Natürlich sei die Kombination der beiden zeitlich fixierten Events sehr schwierig. Wenn es nicht ginge, dann eben nicht, „dann geht es vielleicht nur ideell“. Das nennt man Berliner Pragmatismus. Abschließend spielte dann noch einmal Gemma Ray einen Song auf ihrer Gitarre.

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