07.09.2013  Recorded Music  Messen/Events

Berlin Music Week 2013: Go Green – Kleine Schritte sind auch schon schön

 

Berlin – Im ganzen Postbahnhof waren die Wände der Workshopkabinen aus Pappmaterial, ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgebots, das sich längst auch in der Musikbranche herum gesprochen hat. Manchmal allerdings auch immer noch nur herumgesprochen, denn nicht jeder Beschäftigte im großen Kultur- und Unterhaltungsbetrieb betrachtet die Dinge in punkto Nachhaltigkeit so ernsthaft wie die Umweltorganisation GoGroup, die erstmals bei der Word!-Konferenz mit einem zweitägigen Seminar- und Workshop-Programm im Rahmen der Berlin Music Week 2013 vertreten war.

Deren konsequente praktische Durchdringung des Themas erkannte man schon an den Äpfeln, Mohrrüben und veganen Teigwaren auf dem Buffettisch im Vortragswürfel. Dass ökologisch korrekte Happen kein Widerspruch sind zu Happening- und Spaßveranstaltungen – den ureigensten Jobaufgaben von Livemusik-Veranstaltern – wurde freilich schnell klar. Das Motto "If I can’t dance, it’s not my revolution" können die Aktivisten des ökobewussten Partytreibens voll unterschreiben, wie Patty Schünemann vom Berliner Club SO36 in seinem Bericht über den Clubmob unterstrich.

Feiern für Klimaschutz

Feiern für Klimaschutz – indem man einen Club voll macht und einen Teil des Gewinns in die Verbesserung seiner Ökobilanz steckt – das gehört zu den Innovationen, mit denen die Nachhaltigkeitsverfechter beispielsweise die Clubbesucher zu erreichen versuchen. Wobei vor dem Besucher stets noch der Clubbesitzer- bzw. betreiber steht, den es für das Anliegen zu gewinnen gilt.

Immerhin ist in der Klientel das Bedürfnis gestiegen, etlichen Festivalveranstaltern beim umweltverträglicheren Handeln nachzueifern, so Roman Dashuber von der Green Music Initiative. Er hat quasi den Green Club Index erfunden, mit dem Clubleiter wichtige Parameter vor allem beim Stromverbrauch (Kühlung, Licht usw.) checken und Reduktionspotenziale erschließen können. Nicht nur immer mehr Energieberater streifen heutzutage (dienstlich) durch die Clubs. Das Energiethema wird noch durch eine eigene Energiemarke "Green Music Energy" (ein speziell auf die Bedürfnisse der Livebranche zugeschnittenes Produkt) für Clubs und Festivals gepusht, die den immer noch verbreiteten Mythos "Ökostrom ist teuer" angreift.

Wenn es um Fortschritte im umweltbewussteren Veranstalten von Konzerten geht, verläuft die Linie zwischen Förderern und Ignoranten zuweilen sehr seltsam. So gebe es vermeintlich coole Booker, die dem Ganzen wenig Beachtung schenkten, weil sie es als untaugliches Geschäftsmodell betrachteten. Andererseits seien viele große Arenen, beispielsweise von AEG, sehr aktiv beim Stromsparen oder Müllvermeidung. Und nicht immer würden die Angebote honoriert. So nutzten nur 20 Prozent der Besucher der o2 World in Hamburg die Möglichkeit der Anreise mit öffentlichem Nahverkehr, obwohl das im Ticket mit eingepreist sei, so Kai Müller von der o2 World.

In kleinen Schritten

Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder schloss daraus, dass man der Musikbranche ja gern glauben möchte, dass sie "grün" kann, aber andere Branchen seien in dem Punkt dann eben doch schon ein gutes Stück weiter. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele kennt er zudem aus eigener Erfahrung nur allzu gut. Die Sache mit der Sunplugged-Bühne gehe eben auch nicht so fix wie gedacht, weil manchmal schlicht bestimmte technische Informationen fehlten. Deshalb hätte in diesem Jahr beim "melt!" die Komplexität des Energieumwandlungsprozesses erstmal an einer herkömmlichen Bühne gemessen werden. Nichtsdestotrotz oder auch gerade deshalb plädiert Schröder für ein unerschrockenes Weitermachen, notfalls eben in kleinen Schritten.

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