07.09.2012  Recorded Music  Digital+Mobil

Berlin Music Week 2012: Crowdfunding – was bringt's?

 

Berlin – Um das Thema Crowdfunding war es bis zuletzt ruhig geworden. Dann kam Amanda Palmer und sammelte in den USA eine enorme Summe für die Promotion ihres aktuellen Albums ein und plötzlich war Crowdfunding wieder in aller Munde. Über den Sinn der Fan-Finanzierung diskutierten im Rahmen der Berlin Music Week 2012: Karsten Wenzlaff (Institute For Communication In Social Media), Konrad Lauten (Inkubato), Claas Brieler (Jazzanova & Solarkollektiv), Robert Drakogiannakis (Angelika Express), Diane Weigmann (Lemonbabies) und Dennis Brüntje (Technical University Ilmenau).

Fans müssen ein Teil des Projekts werden

Entscheidend beim Crowdfunding sei, so Brieler, dass man während der Sammel-Phase aktiv mit seinen Fans interagiere und sie wirklich in das Projekt integriere, was Zustimmung des gesamten Panels erntete. Es sei nicht damit getan, ein Projekt bei Sellaband, Pledge Music und Co. einzustellen, seinen Fans ein paar Prämien zu versprechen und sich dann zurückzulehnen. Während der Finanzierungsphase müsse man seinen Fans das Gefühl vermitteln, essenzieller Bestandteil des jeweiligen Projekts zu sein.

Diane Weigmann: "Ich mach das jetzt einfach"

Diane Weigmann plant gerade ihr Comeback nach ihrer Schwangerschafts-Pause und will deshalb ihr eigenes Label gründen. Das koste ebenso Geld, wie die Promotion ihres neuen Albums, das bereits fertig gestellt sei, so die Künstlerin. Wie Diane Weigmann erklärte, habe sie sich relativ lange auf ihre Crowdfunding-Geschichte vorbereitet, sei mehr oder weniger zufällig bei Pledge Music gelandet und habe aus dem Bauch raus entschieden: "Ich mach das jetzt einfach."

Was ist Crowdfunding eigentlich?

Laut Weigmann, galt es den Fans erstmal klarzumachen, was Crowdfunding eigentlich sei. Bei den Prämien für die Unterstützer war die Sängerin kreativ: Unter anderem gibt's von der Mutter gestrickte Socken. Auch ein gemeinsames Abendessen, "ne Runde kochen oder ein Kletter-Ausflug" seien denkbar, so Weigmann. Man müsse den Unterstützern zeigen, dass man auf Augenhöhe sei. "Ist ja auch so. Man ist letztendlich nur erfolgreich, weil diese Leute an die Musik glauben", so Weigmann.

Zwei Ansätze beim Crowdfunding

Laut Robert Drakogiannakis gebe es zwei Ansätze für Crowdfunding: Entweder man versuche, eine möglichst breite Masse für sein Projekt zu gewinnen, oder bediene gezielt eine Nische – mit einem extrem speziellen Projekt, das für die einen vielleicht nichts, für die anderen jedoch Gold wert sei.

Konrad Lauten, mit Inkubato selbst Betreiber einer Crowdfunding-Plattform, bedauere indes, dass kaum Künstler das wahre Potenzial von Crowdfunding erkannt hätten. Die Fan-Finanzierung sei nicht nur für die Produktion einer CD interessant, auch im Vorfeld und danach gebe es so viele kreative Möglichkeiten, seine Fans mit einzubeziehen.

Crowdfunding für Labels?

Moderator Karsten Wenzlaff warf die Frage auf, ob Crowdfunding auch für Labels interessant sein könne. Diane Weigmann: "Es kommt auf die Größe an. Gerade die kleinen und unabhängigen Labels sollten sich mit dem Thema beschäftigen."

Crowdfunding: nur ein Hype?

Laut Dennis Brüntje sei der Hype um das Thema zur Zeit gerechtfertigt. Crowdfunding könne eine sinnvolle Ergänzung zur normalen Finanzierung sein. Noch sei es ein Nischen-Thema. Das werde sich ändern, auch wenn es wohl nie zu einer "Umwälzung" auf dem Musikmarkt kommen werde. "Das Amanda-Palmer-Beispiel ist insofern nicht geeignet, weil Crowdfunding ja eigentlich für Künstler gedacht ist, die noch nicht bekannt sind", so Brüntje.

Das war dann auch die Erkenntnis, die die Besucher des Panels mitnehmen konnten: Dass Crowdfunding ein Tool von vielen ist, das in Verbindung mit den vielen anderen Tools des digitalen Zeitalters ein sinnvoller Weg sein kann – aktive Kommunikation mit den Fans vorausgesetzt.

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