07.09.2012
Messen/Events
Berlin – Believe Digital ist ein Digitalvertrieb, der seinen Kunden ein umfangreiches Marketing-Tool zur Verfügung stellt. Wie umfangreich, das erklärte Oliver Sittl, Senior A&R/Regional Manager bei Believe Digital, auf der Berlin Music Week 2012.
Wer Kunde bei Believe Digital ist, hat Zugang zu Believe Digital Backstage. Dort erhalten Künstler und Labels nicht nur umfangreiche Informationen und Statistiken zum Erfolg ihrer jeweiligen Marketing-Maßnahmen, sondern haben auch stets ihre diversen Einnahmequellen im Blick: Bei welchem Streaming-Service wurde ich am häufigsten gestreamt, wie hoch sind die Einnahmen aus YouTube, wie oft wurde mein Album bei iTunes heruntergeladen? Man kann sich auch sämtliche Lizenzgebühren, die man seit Eröffnung des Believe-Digital-Accounts eingenommen hat, kumuliert anzeigen lassen.
Umfangreiche Statistiken
Weitere nützliche Statistiken liefern in einer Übersicht Infos zu den Visits auf der Homepage des Künstlers, Unique Visits sowie der Anzahl der Käufe, die getätigt wurden – tagesaktuell. Zudem können sich Künstler und Labels anzeigen lassen, woher diese Käufe kommen – Homepage, Facebook, Myspace, etc. – und in welchem Land sie getätigt wurden. Kommen viele Käufe aus dem Ausland, erleichtert diese Information dem Label beispielsweise die Entscheidung, den Künstler in den jeweiligen Ländern auf Tour zu schicken.
Wie wichtig ist Facebook wirklich? Auch das lässt sich mit den Tools von Believe Digital feststellen. Ist Facebook tatsächlich der Kanal, über den am meisten kommuniziert werden sollte? Oder sollte der Künstler-Homepage mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, weil dort die meiste Aktivität herrscht und der meiste Umsatz gemacht wird?
Streaming und YouTube immer wichtiger
Oliver Sittl erklärte diese Funktionen anhand eines Beispiels aus der Realität: dem Believe-Digital-Account einer relativ unbekannten Band. Für die Band war Spotify beispielsweise fast schon halb so wichtig wie iTunes, was die Lizenzgebühren angeht. Man konnte auch sehen, dass Spotify als Einnahmequelle für die Band in den vergangenen Monaten stark an Bedeutung gewonnen hat – ein Befund, der sich mit den aktuellen Streaming-Zahlen des BVMI deckt.
Neben Spotify wachse YouTube am stärksten, erklärte Sittl. Und dabei erhielten deutsche Believe-Digital-Kunden bisher noch nicht einmal Einnahmen aus der Verwertung der Verlags- und Autorenrechte, lediglich der Master-Rechte. Der Grund ist bekannt: YouTube vs. GEMA. Es sehe jedoch so aus, als würde zwischen beiden Parteien bald eine Einigung erzielt werden, so Oliver Sittl im Gespräch mit "Musikmarkt". "Der Druck lastet auf beiden. Sie müssen irgendeinen Weg finden. Dann geht die Kurve richtig nach oben. YouTube ist heute das wichtigste Promotion-Tool für Künstler."
Jeder Believe-Digital-Track hat einen eigenen digitalen "Fingerabdruck". Das System von YouTube erfasst, ob Werbung geschaltet wurde, und ordnet die Einnahmen über den Fingerabdruck dem richtigen Track zu. Der Betrag – ein zwischen Believe Digital und YouTube vereinbarter Anteil – wird automatisch an den Künstler weitergeleitet. Ja, auch Believe Digital kann sich wie die GEMA den Verschwiegenheits-Klauseln von YouTube nicht entziehen. Believe Digital behalte die übliche Vertriebsgebühr, der Rest gehe an die Künstler.
Volle Transparenz
Das Prinzip von Believe Digital: volle Transparenz. Labels und Künstler können sehen, wie viel Geld sie für wie viel Klicks bekommen haben. Wie genau der Deal zwischen Believe Digital und beispielsweise Spotify aussieht, wissen zwar auch die Kunden von Believe Digital nicht. Allerdings sehen sie, wie oft sie gestreamt wurden und wie viel dabei für sie raussprang. So könne man sich leicht ausrechnen, wie viel pro Stream verdient werde, erklärt Sittl.
"Der Künstler kann bei Believe Digital seine Veröffentlichungen timen, kann analysieren, welche Leute ihn hören und kaufen. Er kann die Medien bemustern und in Echtzeit überprüfen, ob Kampagnen funktionieren. Er kann im Prinzip all das machen, was normalerweise Plattenfirmen mit riesigen Abteilungen übernommen haben", fasst Sittl den Service von Believe Digital zusammen.
Labels, die Kunde bei Believe Digital sind, können den Zugang für ihre Künstler freischalten. So entstehe eine neue Form von Arbeitsteilung. Oliver Sittl: "Es gibt keinen Manager mehr, der alles macht, ohne, dass der Künstler einen Plan davon hat. Der Künstler macht heute mehr selbst, behält dafür allerdings auch den Überblick."