18.09.2012  Recorded Music  Szene

Barockmusik als Mission und Krimi

 

München – Opernsängerin Cecilia Bartoli stellt mit dem Orchester I Barocchisti ihr neues Programm „Mission“ im Neuen Schloss Schleißheim vor. Zur Veranstaltung erschien die internationale Presse, Donna Leon war Ehrgengast und als seien es noch die 90er wurde sogar ein Feuerwerk abgebrannt.

Das Schloss Schleißheim ist eine Art Amoklauf in Stuck: Jede Säule verzweigt sich zu Ranken, Puttengesichter lugen zwischen Giebeln hervor über jeden Torbogen hängen steinerne Reben. Es ist die ideale Kulisse für eine prunkvolle Veranstaltung um einen vergessenen barocken Musiker: Agostino Steffani. Neu entdeckt und interpretiert hat ihn die Opernsängerin Cecilia Bartoli. Sein Leben inspirierte die Krimi-Autorin Donna Leon zu ihrem neuen Buch "Himmlische Juwelen". Sie war am 17. September 2012 Ehrengast bei der Aufführung von "Mission", dem Programm von Bartoli und dem Orchester I Barocchisti bestehend aus unterschiedlichen Stücken Steffanis.

Rückkehr nach Hause

Agostino Steffani (1654-1728) ist als Komponist fast gänzlich vergessen, ungerechterweise, wie das Konzert zeigen sollte. Es ist Cecilia Bartolis Stiftung zu verdanken, dass er nun auch einem Klientel jenseits der Musikwissenschaftler nahegebracht wird – und wenn das Kalkül aufgeht, könnte er dank Donna Leons Roman sogar zumindest für eine kurze Zeit auch den Nicht-Klassikfans ein Begriff werden. Bartoli nämlich machte Leon auf den Komponisten aufmerksam und schlug ihr vor, sich von seinem wechselvollen Leben zu einem Roman inspirieren zu lassen. Zu dem Konzert kehrte Steffani gewissermaßen nach Hause zurück, denn als Freund und Getreuer des bayerischen Kurfürsten Max Emanuels hatte er selbst viel Zeit im Schloss Schleißheim verbracht (allerdings wohl im alten, denn das neue befand sich zu seinen Lebzeiten noch im Bau). Seine Heimkehr inszenierte das Orchester als beschwingte Reise durch seine Musik und verzichtete auf alles, das den Abend zu einem Kulturpensum hätte machen können.

Bartoli und Fasolis: ein ideales Paar

Dies ist vor allem der idealen Paarung Sängerin-Orchesterleitung zu verdanken. Cecillia Bartoli strahlt trotz ihres Status‘ als eine der bekanntesten und erfolgreichsten Opernsängerinnen der Welt eine unkomplizierte, natürliche Fröhlichkeit aus. Diego Fasolis hat sein Orchester freundlich, aber bestimmt im Griff und wirft auch mal die eine oder andere komische Geste in seine Dirigenttätigkeit ein. Es ist allein schon ein gelungener Anfang, wenn Bartoli nach einem reinen Orchesterstück unvermutet durch den Zuschauerraum lustig mit einem Tambourin klimpernd auf die Bühne tänzelt und sich nach einen verschmitzten Lächeln mit Verve in ihren Gesang wirft. Und was für ein Gesang! Die Partitur steht im Gegensatz zum getragenen, typisch barocken Harmonisieren der Instrumentalstücke jagt die Tonleiter rauf und runter, als wolle Steffani die ganze widersprüchliche Barock-Epoche mit ihren Höhen und Tiefen in Gesang fassen oder als wolle Sänger einen Test unterziehen. Einen Test, den Bartoli ohne Zweifel und Freude strahlend besteht.

Andere schöne Einfälle der Inszenierung sind eine Duell zwischen Trompete und Sängerin, bei denen sich beide immer komplexere Tonfolgen vorsingen, bis der Rest des Orchesters beruhigend einstimmt und die musikalische Kabbelei zu einem harmonischen Ende führt. Den Schluss bestreitet Bartoli im überraschenden Duett mit dem Kontra-Tenor Philippe Jaroussky. Mit kleinen Überraschungen und Leichtfüßigkeit gelingt etwas wirklich Wichtiges: Der unbekannte Barockkomponist wird nicht als Kulturpensum vorgetragen sondern als Musik gelebt und so für jeden erlebbar.

Den Rest des Abends können sich die Besucher fühlen, als seien sie selbst die Kurfürsten des Schlosses. Einem kurzen Empfang schließt sich ein großzügiges Dinner an, zu dem Bartoli unter großem Hallo im Dirndl erscheint. Den Abend schließt ein Feuerwerk von verschwenderischer – sagen wir: barocker – Pracht. Die Branche – mit Universal und Decca stark vertreten – feiert sich, die Musik, die Musikerin und die Autorin. Mission erfüllt.

Am 19. Oktober wird das Ensemble mit dem einfach nur "Mission" genannten Programm im Münchner Prinzregententheater auftreten. Danach geht es am 22. Oktober nach Nürnberg (22.10.), am 25. nach Leipzig und am 29. nach Berlin.

Martin Haldenmair

2 Leser fanden diesen Beitrag lesenswert

0 Leser fanden diesen Beitrag weniger lesenswert

Vielen Dank für Ihre Meinung.

Sie haben schon an der Berwertung teilgenommen.

Sie haben ihre Meinung geändert.


 
 

 

Weitere News

 
 

20.06.13 |

Live Entertainment

Tourneen/Festivals

Im Rahmen ihrer "Riverdance" Tour 2014 werden unzählige Stepptänzer die hiesigen Bühnen in Städten wie Köln, Wien oder Stuttgart betanzen.

 

20.06.13 |

Live Entertainment

Tourneen/Festivals

Die "CSS-Tour 2013" im September/Oktober sieht insgesamt drei Konzerte in Berlin, Hamburg und München vor.

 

20.06.13 |

Recorded Music

Messen/Events

Am 19. Juni wurde im Millowitsch Theater mit über 150 Gästen sowie Special Guest Gentleman die zehnte c/o pop eröffnet.

 

20.06.13 |

Live Entertainment

Tourneen/Festivals

Im Rahmen der "Jazz Nights 2013/2014" werden unter anderem Gregory Porter und Lizz Wright sowie das Nils Landgren Quartet die hiesigen Konzerthäuser bespielen.