19.04.2012
Wirtschaft
Berlin/München - Von Udo Lindenberg über Casper bis Tim Bendzko - deutsche Künstler waren letztes Jahr so gefragt wie nie. Laut den aktuellen Zahlen des Bundesverband Musikindustrie (BVMI) machten deutsche Produktionen im zurückliegenden Jahr rund 55 Prozent der deutschen Album-Charts aus. Nie zuvor waren so viele nationale Produktionen in den Top 100 vertreten.
"Reeperbahn 2011" von Udo Lindenberg & Jan Delay. Mehr Videos gibt's bei tape.tv.
Selten war deutsches Repertoire so gefragt wie 2011: Über die Hälfte - 54,7 Prozent - der Alben in den offiziellen deutschen Album-Charts waren nationale Produktionen - das ist ein neuer Rekord. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es 49 Prozent. Der Anteil nationaler Produktionen an den LP-Charts ist seit 2009 kontinuierlich gestiegen. Vor zehn Jahren betrug der Anteil gerade mal 36 Prozent. Die deutsche Sprache wird von hiesigen Künstlern wiederentdeckt: Auf 29 Prozent der Alben in den Top 100 der deutschen LP-Charts wird auf Deutsch gesungen.
Vor allem Popmusik kommt bei den Musikfans an. In diesem Segment wurde der Anteil an den Umsätzen auf 38,5 Prozent gesteigert. An zweiter Stelle folgt Rockmusik mit einem Umsatzanteil von 19,4 Prozent, gefolgt von Klassik mit 7,1 Prozent. Schlager hält sich mit 4,8 Prozent auf Vorjahresniveau.
Neben Urgesteinen der deutschen Popmusik wie Udo Lindenberg, der vor kurzem mit zwei Echo-Trophäen ausgezeichnet wurde, und Herbert Grönemeyer konnten 2011 zahlreiche Newcomer wie Rapper Casper, Singer/Songwriter Tim Bendzko, Jupiter Jones und die Pop-Band Frida Gold im Markt platziert werden. Dieser Trend macht deutlich: Plattenfirmen investieren nach wie vor in den Aufbau neuer Künstler. "Entgegen bekannter Gerüchte, die Selbstvermarktungsmaschine Internet mache Musikfirmen obsolet, ist die Etablierung eines Künstlers nach wie vor eine aufwendige und kostspielige Angelegenheit", heißt es dazu im offiziellen Jahresbuch "Musikindustrie in Zahlen 2011" des BVMI. Um aus der Masse herauszustechen, brauche es mehr denn je professionellen Support.
Tim Bendzko mit "Nur noch kurz die Welt retten". Mehr Videos gibt's bei tape.tv.
In den Top 10 Longplay-Jahrescharts 2011 - die von Adele mit ihrem Nummer-eins-Album "21" angeführt werden - finden sich gleich sechs nationale Produktionen. Das erfolgreichste nationale Album stammt von Udo Lindenberg, der mit "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic" zahlreiche Preise und Edelmetall-Trophäen abräumte. Direkt hinter dem Hamburger landet Herbert Grönemeyer mit "Schiffsverkehr" auf Rang drei. Ebenfalls in den Top 10 vertreten sind Unheilig, Rosenstolz und Helene Fischer. Die Schlager-Sängerin platziert gleich zwei Alben, "Best Of" und "Für einen Tag", unter den besten Zehn.
Insgesamt hat sich der deutsche Markt im vergangenen Jahr stabil entwickelt. Der Gesamtumsatz aus digitalen und physischen Musikverkäufen sowie den Einnahmen aus Leistungsschutzrechten und Synchronisation (also Musik-Lizenzeinnahmen aus Werbung, TV, Film und Games) stieg leicht um 0,1 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro an. Damit ist Deutschland nach den USA und Japan weiterhin der weltweit drittgrößte Musikmarkt. Getragen wird das Geschäft nach wie vor von physischen Tonträger-Verkäufen mit einem Anteil von 83,4 Prozent.
Mehr dazu lesen Sie in der "Musikmarkt"-Ausgabe 18/2012.